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und tolle Technik waren heute bei Panorama zu sehen: als Teil der neuen Bundeswehr-Marketingkampagne. Weshalb in den Werbespots nichts von der Realität zu sehen sei? Hier die Antwort einer der drei für den Werbespot verantwortlichen -
Wenn Sie n Schokoriegel bewerben, dann sacht Ihnen auch keiner, daß Sie davon fett werden können.
- : Frauen ...!

Und zwar hier.

Nun ist schon wieder eine Loveparade-Besucherin gestorben, doch die Politiker in Duisburg und in NRW scheinen hoffnungsfroh zu sein: angesichts der Möglichkeit, ihren Schuldanteil an dem Desaster auf den Veranstalter abwälzen zu können. Ja, der hat die Loveparade gekauft, um für McFit werben zu können, und er demgemäß ein Interesse daran, die Loveparade auch durchzuführen, und zwar so, daß es für ihn nicht allzu teuer werden würde. Deshalb, so sollen wir nun glauben, ist Rainer Schaller der Bösewicht. Und also lesen wir in der Erklärung von RUHR.2010 zur Loveparade:
Die Loveparade trägt das Logo der Kulturhauptstadt. Veranstaltet wurde sie allerdings in Verantwortung der Lopavent in Duisburg.
Und der stellvertretende Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft sagte lt. phoenix.de:
Ursprünglich war die Loveparade in Berlin. Nachdem dort die Möglichkeit weggefallen ist, ist man ins Ruhrgebiet umgezogen: Hier hatte man Verträge mit fünf Städten abgeschlossen, u.a. auch mit Duisburg. Zwei Loveparades wurden durchgeführt, in Bochum fiel sie letztes Jahr aus Sicherheitsbedenken aus. Natürlich hat der Veranstalter jetzt Angst bekommen und war hochgradig daran interessiert, dass die Loveparade 2010 unbedingt durchgeführt wird.
Nur der Veranstalter? Ach! Nicht mir ihm begann die Vorgeschichte der Katastrophe, sondern mit dem Bestreben der Politiker, Städte und Regionen zur Marke zu machen, um möglichst viele Investoren, jungdynamische Arbeitskräfte und Touristen anzulocken. Also bewarb sich auch Essen zusammen mit dem Ruhrgebiet um den begehrten Titel Europäische Kulturhauptstadt 2010, gewann ihn im November 2006 und hatte sich damit selbst unter Druck gesetzt. Es mußte die Erwartungen erfüllen und Veranstaltungen der Superlative bieten. Deshalb brauchte Rainer Schaller der Region die Loveparade nicht aufzudrängen. Sie war eine weltweit bekannte Marke, die zu garantieren schien, daß viel Geld in die Kassen fließen würde. Darauf war vor allem das marode Duisburg angewiesen. Und dementsprechend hieß es vor einigen Monaten auf der heute gelöschten, aber noch im Google-Cache befindlichen Website partylifter.de (Hervorhebung dort):
Die Duisburg Marketing Gmbh (DMG) hat einen Aufruf zur Rettung des inzwischen im Ruhrgebiet verankerten Riesenevents gestartet.
- und Uwe Gerste, der Geschäftsführer und zugleich ein Parteifreund des Oberbürgermeisters Adolf Sauerland, ließ verlauten (Hervorhebungen dort):
Kaum betrachtet wurde der große wirtschaftliche Impuls, den die Loveparade für die Region und für Duisburg darstellen würde. Selbst bei einer sehr konservativen Betrachtungsweise werden bei Durchführung der Loveparade in Duisburg aller Voraussicht nach mindestens 500.000 € finanzielle Rückflüsse in der Stadtkasse verbleiben. Dabei ist der medial entstehende Effekt, den die Loveparade auf die Stadt legt überhaupt noch nicht berücksichtigt. Dieser liegt nach Einschätzung des Veranstalters Lopavent, die von mir geteilt wird, bei mindestens 40 Mio. €.
Das klingt weiß Gott nicht so, als hätte Lovapent den Oberbürgermeister Adolf Sauerland und dessen Freunde unter Druck setzen müssen. Denn welcher Oberbürgermeister wäre nicht darauf erpicht, als Retter seiner Stadt in die Geschichte einzugehen? Wie wichtig die Loveparade Sauerland und seinen Freunden war, ist inzwischen längst belegt - nicht nur durch die zitierten Sätze, sondern vor allem durch die Bestrebungen, den widerspenstigen Polizeipräsidenten Rolf Cebin kurz vor seiner Pensionierung aus dem Amt zu jagen. Und die sind (anders als die Formulierungen in der Presse vermuten lassen; z.B. hier) kein Gerücht, sondern bis zum heutigen Tage auf dieser Seite des CDU-Kreisverbands Duisburg in Form eines Briefs vom 9. Februar 2009 dokumentiert. Hier noch einmal die entscheidende Passage (mit allen darin vorkommenden Rechtschreib- und Interpunktionsfehlern):
Am vergangenen Wochenende lies die Duisburger Polizei nunmehr erklären, eklatante Sicherheitsmängel stünden einer Durchführung der Love Parade in Duisburg im Jahre 2010 entgegen. Während der Veranstalter der Love Parade noch nicht einmal eine Strecke angemeldet hat und die Gespräche zwischen Stadt und Veranstalter geführt werden, sagt Herr Cebin ab, wenn man die Presseberichterstattung richtig interpretiert, die Love Parade für Duisburg ab. Eine Negativberichterstattung in der gesamten Republik ist die Folge. Ich frage Sie, Herr Dr. Wolf, was treibt den Duisburger Polizeipräsidenten zu einer derartigen Handlung? Warum spricht er nicht mit den Verantwortlichen der Stadt Duisburg sondern fügt der Stadt Duisburg einen weiteren Imageschaden zu?
Es ging, um das noch einmal zu sagen, also nicht nur um das Image von McFit. Es ging vor allem um das Image der Stadt Duisburg und das Image aller, die bestrebt waren, sich mit ihr zu vermarkten. Auch Uwe Gerste war dazu bereit, dies in vorderster Front zu tun. Wohl auch deshalb wurde sein Vertrag mit der Stadt unter dubiosen Umständen um 5 Jahre verlängert. MARKETING war das Zauberwort und ist es noch heute auf der Website der Duisburg Marketing GmbH, deren Begrüßungstext mit den Worten
Wir vermarkten Duisburg
überschrieben ist: als hätte es die Toten und Verletzten und das Chaos nie gegeben; ein Chaos, das mittlerweile auch in diversen Augenzeugenberichten sehr gut und eindrucksvoll und vor allem sehr erschütternd dokumentiert ist. Sie und all die Videos der Raver zeigen, daß auch die Polizei versagt hat. Die Beamten waren völlig überfordert, und das nicht von ungefähr. Sie mußten all das tragen, was ihnen das Zusammenspiel von Politik & Wirtschaft aufgebürdet hatte, vor allem aber die Politik. Denn die hat letztendlich zu verantworten, daß die Loveparade in Duisburg stattfand, und das auf einem abgezäunten Gelände, das wiederum nur durch einen viel zu engen und stickigen Tunnel erreichbar war. Doch dieser Verantwortung stellt sie sich nicht. Stattdessen läßt sie sich durch Äußerungen wie diese davon freisprechen:
PHOENIX.online: Ließ sich die Katastrophe voraussehen?

Orscheschek: Wenn man sich im Vorfeld die Zahlen anschaut – es passen nur 250.000 Menschen auf das Gelände, aber bei den letzten Loveparades waren beispielsweise in Dortmund rund 1,6 Millionen anwesend – dann wird einem schnell klar, dass das so nicht funktionieren kann. Der Veranstalter hat dann ein Konzept vorgelegt, das rund 500.000 Zuschauer vorsah. Diese Zahl steht natürlich im Widerspruch zu den bisherigen Zahlen der letzten Jahre.
Und deshalb hätten die Verantwortlichen in der Stadt deutlich NEIN sagen müssen. Denn sie haben damit gerechnet, daß sich am 24. Juli Massen durch die Stadt wälzen würden, so viele Menschen wie in Essen oder Dortmund, und sie platzten beinahe vor Stolz darauf, daß die Loveparade 2010 "wahrscheinlich die meistbesuchte aller Veranstaltungen überhaupt" werden würde. Dieses Interview mit dem Partylifter Uwe Gerste vom Mai 2010 ist einer der Belege:



Wie sehr die Stadtvermarkter auf einen Besucherrekord und damit auf das GELD erpicht waren, geht auch aus diesem Werbespot hervor:



Aber nicht nur das. Man war gewarnt worden, immer wieder, schon mindestens 1 1/2 Jahre zuvor. Man mußte mit dem schlimmsten Chaos rechnen, doch die Aussicht auf einen Geld- und Imagegewinn für die Stadt und die Region machte alle so besoffen, daß sie die Stimme ihres Gewissens überhörten. Diese Stimme aber spricht sehr deutlich aus den apokalyptischen Klängen, mit denen dieser von der Duisburg Marketing GmbH zwei Tage vor dem EVENT auf YouTube veröffentlichte Film zu Anfang unterlegt ist:



Ja, so beginnen Katastrophenfilme: mit düsterer Musik, die den Betrachter auf das unweigerlich Kommende einstimmt, während Experten gezeigt werden, die von Geldgier und Wahnsinn getrieben ein zum Scheitern verurteiltes Projekt betreiben, ohne auf den einen zu hören, der das Desaster kommen sieht. Diesmal haben es sehr viele kommen sehen, sehr viele Menschen aus dem ach so dummen Volk; doch was scherte es die Entscheider in der Politik mitsamt all den Experten, die sich haben kaufen lassen?
PHOENIX.online: Konnte man das Nachdrängeln nicht verhindern?

Orscheschek: Wie gesagt, es wurden ja im Vorfeld Gutachten bestellt: Diese haben den Schwerpunkt auf die Information der Besucher gelegt, weniger auf die u.a. von Feuerwehr und von der Polizei vorgeschlagene Entflechtung. Wenn man mehr in die Fläche gegangen wäre, wäre das Ganze vielleicht anders ausgegangen.

PHOENIX.online: Hätte die Katastrophe ihrer Meinung nach verhindert werden können?

Orscheschek: Eigentlich nur durch eine Absage im Vorfeld, die örtlichen Voraussetzungen waren für einen guten Verlauf extremen ungünstig.

PHOENIX.online: Das heißt, das Unglück war mit der positiven Entscheidung der verantwortlichen städtischen Ordnungsbehörde letztlich vorprogrammiert?

Orscheschek: Man hat wohl sehr hoch gepokert - und letztlich verloren.
Weil das MARKETING wichtiger war als die Menschen. Und es war eben nicht nur dem Veranstalter wichtiger, sondern auch den Politikern. Wäre es anders gewesen, dann hätten sie berücksichtigt, daß man Menschen nicht wie Vieh zusammenpferchen kann. Nun ist es dazu gekommen, daß eine Menschenmenge buchstäblich über Leichen gegangen ist. Doch das wäre eben auch ganz ohne Drogen passiert. Die Videos, die inzwischen bei YouTube zu sehen sind, zeigen ganz deutlich, daß die Menschen an der Treppe nicht halb so voll mit Drogen waren, wie die Ignoranten es behaupten. Die Bedrängten wollten der Enge entkommen, und die Polizei, die das von oben sah und einigen der Menschen dabei half, die Treppe hochzukommen, hat nichts getan oder konnte mangels Personal und Ausrüstung nichts tun, um die panische Menge unten davon abzuhalten, über all jene hinwegzutrampeln, die schon am Boden lagen. Ein dreiteiliger Amateurfilm, die dies in aller Deutlichkeit zeigt, wurde inzwischen (wie gestern angekündigt) aus Gründen der Pietät vom Urheber gelöscht. Doch bei YouTube findet sich gewiß noch genügend Filmmaterial, das zeigt, was sich an der Unglücksstelle zugetragen hat.

Nach der heutigen Pressekonferenz ist noch immer nichts bekannt, was nicht schon schon längst von den Augenzeugen berichtet worden wäre. Nur haben sich der Innenminister Ralf Jäger (SPD) sowie die übrigen Teilnehmer der Pressekonferenz die allergrößte Mühe gegeben, alle staatlichen Funktionsträger bis hin zu den Polizisten so weit wie irgend möglich zu entlasten (vgl. den Text des Ministers). Nur dürften sie nicht alles sagen, da die Staatsanwaltschaft noch ermittele. Möge sie sich dabei als unabhängig erweisen.

Hingewiesen sei an dieser Stelle nur noch darauf, daß die 40 Millionen Euro, die Duisburg sich von der Loveparade erhoffte, bereits fest verplant waren:
Am Freitag, 7. August 2009, haben OB Sauerland und Axel Funke, Chef von Multi Development Germany, den offiziellen Startschuss für den Bau des Stadtfensters gegeben.

Investor und Projektentwickler für den Neubau, in den nach Fertigstellung Stadtbibliothek, Volkshochschule und ein NS-Dokumentationszentrum einziehe [sic] sollen, ist der Projektentwickler Multi Development, der auch für das Forum Duisburg verantwortlich zeichnet.

[...]

Nach dem Abriss des alten Boecker-Kaufhauses ab Ende des Jahres soll im Frühjahr mit dem Neubau begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Sommer 2011 geplant. Das Investitionsvolumen beträgt rund 40 Millionen Euro.
Ein erstaunlicher Zufall - so wie viele Zufälle in der Vorgeschichte der Loveparade 2010: auch der Zufall, daß der Ersteller jener Computersimulation, die von Prof. Dr. Schreckenberg als plausibel betrachtet wurde, bei Schreckenberg promoviert hat. Der wiederum sagte in einem gestern veröffentlichten Interview:
Das Gesamtkonzept der Stadt war perfekt vorbereitet.
Marek Lieberberg, Deutschlands größter und erfahrenster Konzertveranstalter, hingegen sagte über die vermeintliche Tragödie auf der Loveparade:
Das ist kein tragisches Unglück, sondern ein Verbrechen.
und
Befruchtet haben sich die Geltungssucht der Lokalpolitik, die Profitsucht der Veranstalter, auf beiden Seiten gut gedüngt durch totalen Amateurismus.
Im selben Interview (das ich leider im Netz nicht finden kann) sagte Lieberberg auch, was an anderer Stelle zitiert wird:
Ein einziger Eingang über einen Tunnel ist nach der Gesetzeslage eigentlich überhaupt nicht zulassungsfähig. Aber offensichtlich wollten die Verantwortlichen der Stadt die Veranstaltung um jeden Preis und haben deshalb über alle notwendigen Sicherheitserwägungen hinweggesehen. Diese jungen Menschen sind aus meiner Sicht in den Tod gejagt worden.
Das meinten alle Mahner in den Behörden und in den Foren, und das sagen, ganz auf ihre Weise, auch alle Augenzeugen, deren ausführliche Berichte ich bisher gehört und gelesen habe. Nun ist es an der Zeit, daß man diese Augenzeugen endlich auch offiziell zu Wort kommen läßt, anstatt sich aus ihren Berichten nur das herauszupicken, was man braucht, und damit über sie hinwegzutrampeln, weil es einem wichtiger erscheint, Duisburg und sich selbst zu vermarkten.

Thou shalt not make unto thee any image.

[Nachtrag] In Sinne meiner Kritik am Marketing-Wahn hat sich, wie ich gerade sehe, heute auch der popkulturell versierte Literaturwissenschaftler Thomas Ernst heute in seinem Blog geäußert. Hiermit ausdrücklich zur Lektüre empfohlen sei also sein sehr informativer Artikel Die Erfindung der 'Metropole Ruhr' und ihre tödlichen Folgen. Wozu ich für alle, die es noch nicht wissen, anzumerken habe, daß man inzwischen auch schon die Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) erfunden hat. Jetzt gilt es nur noch, sie in größtem Stile zu vermarkten, mit Mega-Events der Superlative. Wer wird das bezahlen?

sei es, daß 1,4 Millionen Menschen auf der Loveparade gewesen seien, sagt nun die Duisburger Polizei. Über den ganzen Tag verteilt seien auf dem Veranstaltungsgelände und auf dem Weg dorthin zusammen höchstens 300.000 bis 400.000 Menschen gewesen, referiert Spiegel online und fährt fort:
Demnach wäre die Love-Parade in Duisburg deutlich kleiner ausgefallen als in den Jahren zuvor. In Essen waren 2007 rund 1,2 Millionen Besucher gezählt worden, in Dortmund 2008 sogar 1,6 Millionen.
Schon aus diesem Grunde ist es - selbst wenn diese Zahlen weit übertrieben wären - psychologisch unmöglich, daß trotz der Hype um die Ruhr.2010, trotz der Ferienzeit und trotz der Schönwetterperiode ganz plötzlich nur noch 300.000 bis 400.000 Menschen an der Parade teilgenommen haben sollen, und das über den ganzen Tag hinweg; also jeweils gerade so viele, daß rechnerisch alles in bester Ordnung war. Wer diesen Tinnef glaubt, dem ist wirklich genausowenig zu helfen wie denen, die geglaubt haben, die realen Raver würden sich allesamt genauso verhalten wie die virtuellen in der Computersimulation.

Ja, ich gebe zu: ich war nicht in Duisburg. Aber ich brauche auch nicht dort gewesen zu sein, um zu wissen, daß sehr viel mehr Besucher in Duisburg waren als jetzt von der Polizei behauptet. Das sagt mir kein Computer. Das sagt mir mein Menschenverstand. Und dem traue ich mehr als den Berechnungen der Berechnung unserer Experten im Dienste der Politik.

[Nachtrag] Inzwischen sagt Rainer Schaller, zum Zeitpunkt der Massenpanik hätten sich etwa 187.000 Menschen auf dem Gelände befunden. Und die Kölnische Rundschau meldet:
Wie die "Kölnische Rundschau" erfuhr, unterschrieb der Duisburger Oberbürgermeister die "ordnungsbehördliche Erlaubnis" erst am Samstagmorgen um 9 Uhr. Noch am Freitag wurde in verschiedenen Sitzungen über das Sicherheitskonzept debattiert, wobei die Duisburger Berufsfeuerwehr und Polizisten nochmals deutlich machten, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden kann. "Am Freitag wurde die Loveparade nicht abgesegnet. Am Samstag musste dann eine Entscheidung gefällt werden", sagte ein Beamter. Es sei den Verantwortlichen aber keine andere Wahl mehr geblieben, als ihr Einverständnis zu geben, hieß es weiter. "Schließlich waren schon Tausende auf der Anreise", betonte ein Mitarbeiter aus dem erweiterten Organisatorenbereich.
Und noch einmal O-Ton Schreckenberg:
Das Unglück ist nicht passiert, weil es zuvor im Tunnel zu eng und die Masse panisch war, sondern weil einige hinter dem Tunnel versucht haben, schneller auf das Gelände zu gelangen. Sie sind auf eine ungesicherte Treppe gestiegen und in die Menge gestürzt. So hat sich die Masse weiter verdichtet. Die Katastrophe ist nicht durch Panik entstanden, sondern als Folge einer physikalischen Zwangsläufigkeit. Eine hochverdichtete Masse gerät in Bewegung. Wenn die Leute nicht heruntergestürzt wären, wäre meiner Einschätzung nach nichts passiert. Auslöser war, dass sich einige nicht an die Spielregeln gehalten haben.
Leider steht nicht dabei, wann dieses Interview geführt wurde. Klar ist nur, daß der Panikforscher heute abend in einer Liveschaltung dem ZDF gegenüber wörtlich sagte, es habe "überhaupt kein Fehlverhalten der Besucher" gegeben. Was ist denn nun rechnerisch richtig?

wissen ja immer alles ganz genau. Sie wußten, wie das Wetter heute werden würde, nämlich strahlend sonnig nicht nur hier in Bremen, und deshalb auch wollen sie uns einreden, daß sich in den letzten Stunden nichts geändert habe. Eine vor ihnen ist Helmut Malewski. Heute mittag sagte er der BILD: "Man kann am blauen Himmel nur eine leicht milchige Trübung erkennen."

Was ich seit Stunden sehe, habe ich vorhin ins Netz gestellt. Doch vielleicht liegt alles nur an meinen Augen und an meiner Kamera. Denn auch nach Einschätzung des Kieler Klimawissenschaftlers Mojib Latif, veröffentlicht um 13 Uhr 45, wird sich der Himmel nicht verdunkeln. Ich sehe, zumindest am südlichen Himmel, zwar noch immer nichts als die unterschiedlichsten Schattierungen der Trübsinnsfarbe Grau, mal mehr, mal weniger leuchtend, doch ich bin ja auch kein Experte. Ich sehe nur, was ich sehe. Und das ist mal wieder etwas anderes als das, was wir alle sehen sollen. Was Jörg Kachelmann wohl sieht, wenn er aus dem Fenster seiner Zelle kuckt? Vermutlich sieht er rot, und das nicht nur bei den romantischen Sonnenauf- oder Untergängen, die es nun zu sehen geben soll. Ma kucken.

Gerade sendet der Deutschlandfunk ein Interview mit dem Sozialpsychologen Harald Welzer, und der Interviewer zitierte Kurt Tucholsky (Kurzer Abriß der Nationalökonomie, 1931):
Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. 'Stützungsaktion', bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, daß die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.
Dazu sagte Harald Welzer:
Das könnte gestern auch in einem intelligenten Kommentar in der Qualitätspresse gestanden haben.
Es war aber hier zu lesen. - Im Qualitätsradio übrigens begab es sich kurz nach 14 Uhr, daß der Interviewer seinen Gast Harald Welzer fragte, wo er denn geboren sei. In Bissendorf, einem kleinen Ort bei Hannover, sagte Harald Welzer. Woraufhin der Interviewer Michael Lange weiterfragte: "Und wie war das?"

tönte gestern Guido Westerwelle einer Arbeitslosen ins Gesicht, daß ALG-II-Bezieher nur von 347 € leben müßten; hinzu kämen ja noch die Miete und ... und er gab vor zu rechnen und zu rechnen und landete bei ... ich glaub, es waren 935 €, und Guido rechnete so schnell, ich konnt' es mir nicht merken, mir blieb eh die Spucke weg, und was zum Schreiben hatte ich nicht griffbereit, aber was ich monatlich habe, wenn ich mal wieder, wie so oft, keinen Nebenjob habe, das weiß ich sehr genau, und ich weiß es auch von meinen Freunden, die kriegen ihre Miete und seit diesem Jahr 347 €, 2 € mehr als vorher, Donnerwetter! und davon müssen wir alles außer der Miete zahlen, ganz so, wie Gabriele Aurin, die arbeitslose Bürokauffrau und Gründerin des Vereins 50plus Hilfe e.V., es in der Sendung geschildert hat, und (was sie nicht gesagt hat) sogar noch unsere Bankschulden, wenn wir schon vorher nur Geringverdiener waren, aber das stimmt eben gar nicht, Guido weiß es besser, wir alle kommen auf über 900 €, und Wowi will, was er gesagt hat, von wegen keine Erhöhung des Arbeitslosengeldes II, alles nicht so gesagt haben; doch Maybrit Illner beharrt darauf, daß er es gesagt hat, und im Netz ist es ja auch überall nachzulesen, man könne von Hartz IV eben nicht in Saus & Braus leben, Donnerwetter, gut beobachtet, das soll er mal den arbeitslosen Schwulen sagen, wenn ihr keinen Cent mehr habt für euren gayen Lifestyle, eure Clubs und eure Pornos und eure Reisen in die Dünen, dann ist das eben so, es gibt ja noch die heimatlichen Pissoirs und das Gebüsch, und für die ganz ganz Jungen & Hübschen unter euch, die keine richt'che Arbei finden, gibt es ja auch die Möglichkeit, sich ganz legal als Callboy selbständig zu machen oder sich, wenn sie studiert haben, als Referent des einen oder anderen Politikers oder Wirtschaftsbosses zu bewerben. Ein Blowjob kommt da bestimmt bei raus.

Grau und bleiern, mit leichtem Gelbstich hängt der Hmmel über Bremen; ein unwirkliches Licht. Als ich diese Art von Licht zum erstenmal bewußt registrierte, flog mich ein gelindes Unbehagen an, ich prägte das Wort Weltuntergangswetter. Als ich es zum erstenmal benutzte, muß ich etwa 7 Jahre alt gewesen sein. Es also etwa 1962. Es war der Beginn meiner Klimabeobachtungen.

In den folgenden Jahren benutzte ich das Wort nur sehr selten, 1970 recht oft, gegen Mitte der 70er sah ich eines seiner Extreme in meinem liebsten, weil leider realistischsten SF-Film Soylent Green, seit 1982 nannte ich es öfter Cocteau-Twins-Wetter, weil ich sie an einem solchen seltsam trüben und drückenden Tag zum erstenmal gehört hatte; und seit 1992, als sich immer mehr solcher Tage aneinanderreihten, spreche ich wieder vom Weltuntergangswetter. Weshalb ich heute darüber schreibe, hat wohl inzwischen jeder mitbekommen: UNO-Experten sagen Horror-Klima voraus. The end of the world as we know it. Und nun auch ist raus, was zu sagen ich nicht müde wurde, seit ausgehend von den USA der fanatische Krieg gegen die Raucher begann, der so erstaunlich schnell von den EU-Ministern unterstützt wurde. Er war und ist ein vom Weltverpester No. 1 und ihren Freunden inszeniertes Ablenkungsmanöver. Denn was wäre gewesen, hätten die schon beim Anblick einer Zigarette nach Luft Japsenden erkannt, daß dieser Qualm, so lästig und so ungesund er auch ist, ein Nichts ist gegenüber dem, was unseren gesamten Planeten seit Jahrzehnten zu einer stickigen Kloake macht, hätten die Nichtraucher auf ihre Nichtraucherautos und Nichtraucherflüge verzichtet und gemeinsam mit autofreien und flugabstinenten Rauchern wie mir statt Weekend-Shoppingtouren ins ferne Ausland gemeinsam jene Revolution gemacht, die Herr Chirac jetzt fordert, vielleicht noch eine größe: gegen eine Industrie, die auch als Kriegsindustrie (Bäng! Bäng! Feuer frei! Die Ölquellen und Meere brennen!) wie ein Tumor unsere Erde zerfrißt und unter sich begräbt?

Was nun kommen wird, ist nicht nur die meteorologische, sondern auch die finale politische Klimakatastrophe. Denn die jetzt rasant aufstrebenden asiatischen Länder werden nicht der gesamten Menschheit zuliebe ihr so langersehntes Wachstum bremsen. Der Westen hat es ja auch nicht getan. Weshalb also sollten sie es tun?

So sind sie, die Menschen. Einzeln sind sie oft ganz nett; doch sobald sich mehr als 3 von ihnen zusammenrotten und etwas anderes machen als Musik, sind sie ein Sicherheitsrisiko für die gesamte Welt. Der einzige und traurige Trost: Dieser Planet - das steht nun fest, dank unserer Experten - hat längst damit begonnen, sich gegen die Krone der Schöpfung zu wehren, und er wird sie sich vom Kopfe reißen wie ein lästiges Geschwür. Nun wissen wir's; und das Geschäft mit der Klimakatastrophe wird das letzte große dieser insgesamt betrachtet unbelehrbaren Menschheit sein.

sind, wie wir wissen, gar zu viele Personalentscheidungen in kleinen Firmen und großen Konzernen. Meist kriegen graue Durchschnittstypen die allerbesten Jobs. Nun hat die Wissenschaft festgestellt, daß unser Hirn an allem schuld ist:
Ein Allerweltsgesicht ist ein Zeichen dafür, dass eine Person nicht aus der Norm fällt und genetisch stabiler ist als die Mitmenschen.
Ach, deshalb bin ich also schon seit Jahren arbeitslos. Ich falle aus der Norm. Nachtigall, ick hör dir trapsen; und zwar mit ruhig-festem Schritt. Doch ich lese furchtlos weiter. Das Gehirn spare sich
"kognitiven Aufwand, aber das ist wohl eine Umschreibung für faul", sagt Ästhetikpsychologe Leder. Piotr Winkielman ist da anderer Meinung: "Statt faul zu sein, belohnt unser Gehirn erfolgreiches und effizientes Verarbeiten." Ein Durchschnittsmuster sei leichter zu erkennen - und unser Hirn "happy", weil es "das Puzzle so schnell gelöst hat und sich anderen wichtigen Aufgaben widmen kann", sagt Winkielman.
Armes managerkrankes Hirn.

eines dieser häßlichen Kuverts, die inzwischen nicht mehr vom Sozialamt, sondern von Agenturen verschickt werden. Einer Gesetzesänderung wegen sollen meine Vermögenswerte überprüft werden, weil ich den ganzen Tag nur im Bett liege und warte, daß mir die gebratenen Tauben in den Mund fliegen ein Leistungsempfänger bin. Deshalb fordern wir Sie auf -

Mich mit diesem Sprachmüll weiter zu befassen hatt' ich keine Zeit; denn ich mußte ins Büro, um für 1 € pro Stunde zu jobben. Den Kaffee krich ich sogar gratis. Wen wundert's, daß unter diesen Umständen die Vermögenswerte der Leistungsempfänger sprunghaft ansteigen und deshalb einer dringenden Überprüfung bedürfen?

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