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Die letzte Wahl

Bischöfin Käßmanns Trunkenheitsfahrt. Hei! da grinst man unwillkürlich. Schon allein der Name Käßmann in Verbindung mit der Kirchenhierarchie. Hahaha. Paßt wirklich super. Und dann noch eine Bischöfin, also eine Frust-Emanze, die am Krieg in Afghanistan nichts Gutes finden kann und den Namen Käßmann trägt und dazu auch noch Margot heißt. Paßt prächtig zu soner frommen Frust-Emanze, die natürlich völlig überfordert ist mit ihrem Job, und deshalb sturzbetrunken in ihrem Mittelklassewagen durch die Straßen schlingert. Hahaha. Jetzt hat man sie geschnappt, diese Friedensf***e. Haha.

Beinahe unwillkürlich dachte Mann so, als Mann das hörte und las: Bischöfin Käßmanns Trunkenheitsfahrt oder auch nur Alkoholfahrt oder Bischöfin betrunken am Steuer. Unauslöschlich haben sich die Bilder eingeprägt: Margot rast wie eine Irre und rammt -zig parkende Autos, Straßenschilder und Laternenpfähle, bis sie endlich gestoppt werden kann, durch tüchtige Polizisten. Aber so, wie es uns die Sprache suggeriert, war es eben gar nicht. Die Bischöfin hat bloß ca. 0,6 Liter Wein getrunken und das getan, was tausend andere auch tun, jede Nacht aufs neue, mit 0,0 Promille und im Schutz der Dunkelheit: sie hat vor einer roten Ampel nicht gehalten, sondern ist einfach weitergefahren. Und dann ... allein zu Haus ... Der Frauenversteher Franz Josef Wagner schrie es in die Medienwelt hinaus:
Schreien Sie sich Ihr Leben als Frau heraus.

Eine Frau, die sich nachts betrinkt, eine Frau, die sich glücklich trinkt. Eine Frau, die nicht Bischöfin ist, sondern eine Frau.
Und also wie (wie im Grunde alle alle Frauen) viel zu schwach, die Bürde eines Amtes wie das der EKD-Ratsvorsitzenden zu tragen, meinte Wagner zwischen den Zeilen. Einen ganz anderen Brief schrieb er kürzlich an Guido Westerwelle:
Natürlich haben Sie recht, dass eine Krankenschwester mehr verdienen muss als eine Hartz-IV-Bezieherin. [...] Ich mag Sie. Sie haben etwas Heldenhaftes. Sie sind mit der Diskriminierung der Schwulen fertig geworden. Sie sagen klare Sätze. Sie sind mein Bruder.
Und deshalb sollte er den Guido nun mal ganz warm darum bitten, ihm und uns allen zu erklären, wen er wirklich mit den Leuten meint, die anstrengungslos zu Wohlstand kommen. Etwa die 1-€-Jobber, die hier in Bremen den Bürgerpark säubern, auch jene Gebüsche, in denen es, sobald die Witterung es erlaubt, besonders spätrömisch-dekadent zugeht? Oder meint er vielleicht doch sich selbst? Seit gestern abend scheint es klar zu sein. Guido Westerwelle schämt sich ganz gewiß insgeheim dafür, daß er für ein bißchen Spaß mindestens 7000 € kassiert, von denselben Banken und Konzernen, die den Mittelstand ruinieren. Nur hat er nicht den Mumm, das zuzugeben. Und Wagner? Der hätte nie nicht den Mumm, seinem Bruder zu schreiben: Guido, du bist eine Memme, wenn du nicht den Anstand hast, jetzt zurückzutreten. Nimm dir ein Beispiel an der Bischöfin. Oder auch an Herrn von Gravenreuth.

Aber Guido wird den Teufel tun. Er wird weiterhin den Helden spielen und sein Amt beschädigen: und wenn schon, dann doch hoffentlich so lange, bis die FDP auch den letzten Wähler aus dem Mittelstand verloren hat.

À propos ein bißchen Spaß. Den auf tagesschau.de erwähnten Artikel gibt es noch als PDF-Datei. Darin ist auch nachzulesen, was Guido einst Hans-Dietrich Genscher gehört hat: "Hüten Sie sich vor Menschen mit verkniffenem Gesicht. Personen, die nicht lachen können, haben nämlich alles Übel auf der Welt verursacht und konnten noch nie Probleme lösen."

Habt ihr Guido schon mal lachen sehen? So richtig lachen? Ohne Wangenkrampf? Ich nicht, noch nicht einmal bei Zimmer frei, wo er sichtlich unglücklich mit Hippieperücke und Bundeswehrparka am Lagerfeuer Lieder singen musste. Doch vielleicht war das ja seine humorige Absicht, und ich bin nur zu verkniffen für Guidos rheinländische Fröhlichkeit, zumal während der verflossenen Karnevalstage.

[Nachtrag] Es sei noch hingewiesen auf eine lesenswerte Kolumne des Historikers Götz Aly über Guido. Zitat:
Westerwelle und ein erheblicher Teil der FDP-Spitze repräsentieren eine Generation von Plastikmännern und -frauen, die in den fettesten Jahren der westdeutschen Republik im anstrengungslosen Wohlstand aufgewachsen sind und außer Sprüchen wenig geleistet haben. Im Jahr 2001 erhielt Guido Westerwelle seine bislang bedeutendste Auszeichnung: Krawattenmann des Jahres.
Möge er zum Fallschirmspringer dieses Jahres werden.

sei nichts als eine vage Erinnerung, schrieb gestern Claus Christian Malzahn in seinem Kommentar zur Wahl. Damit hat er recht. Aber noch nicht ganz. Denn auf die Bonner Republik folgte ja die Berliner Republik, die 1998 von Gerhard Schröder ausgerufen wurde und dadurch gekennzeichnet war, daß die Politik keine res publica mehr war, also keine öffentliche Angelegenheit, sondern nur noch das Gemauschel in irgendwelchen Kommissionen, die uns Hartz IV, Ich-AGs und die Kampagne Du bist Deutschland bescherten, dies alles im Namen der SPD, die nur noch dem Namen nach sozial und demokratisch war. Nun haben all die neoliberalen Fuzzis ihr eigentliches Ziel erreicht. Der längst ausgehöhlten SPD sind die alten Wähler so massenhaft davongelaufen wie noch nie. Damit ist die SPD zerschlagen und mit ihr auch die Illusion, sie wäre eine Oppositionspartei gewesen. Übrig sind jetzt nur noch die sogenannten Bürgerlichen, von denen seit gestern so verdächtig oft die Rede ist, als ginge es darum, allen anderen den Bürgerstatus abzuerkennen. Und genau darum geht es auch. Als Bürger wird bald nur noch gelten, wer ohne Widerworte genau das tut, was man von ihm verlangt. Wer nicht kuscht, der wird als Kommunist gebrandmarkt werden. Deshalb auch heißt es heute schon in der Springerwelt, geschrieben von Bettina Röhl:
Die Konservativen in der SPD müssen aus der Reserve, aus der Deckung heraus treten und ihre Stimme erheben und auch ihre Positionen und Posten besetzen, und dürfen sich nicht notorisch dem linken Flügel irgendwie auf eine höchst unspezifische Art und Weise unterlegen fühlen, intellektuell, ideologisch.
Ja, jetzt sind sie aufgerufen, all die Konservativen, denen selbst Angela Merkel noch zu links ist; denn sie wollte ja noch gestern die Kanzlerin aller Deutschen sein, also nicht nur aller deutschen Bürger. Deshalb wird auch sie jetzt ganz erheblich unter Druck geraten und sich vielleicht sogar vorwerfen lassen müssen, sie als ehemalige Bürgerin der DDR habe noch sozialistische Flausen im Kopf. Also weg mit dieser Kanzlerin. Ein starker Mann muß her. Die Konservativen in der CDU und CSU, aber auch in der FDP müssen eben nicht nur aus der Reserve, aus der Deckung heraustreten, sondern aus der Deckung heraus treten. Das hat Bettina Röhl, die Vatertochter, ganz gewiß nicht so offen sagen wollen, doch sie hat es so geschrieben, und so wird es auch geschehen. Alle in der CDU und CSU, deren soziales Gewissen noch nicht völlig verkümmert ist, werden so zu Boden getrampelt werden wie alle FDP-Mitglieder, die noch ernstlich meinen, ihre Partei sei eine Bürgerrechtspartei. Nein, das ist sie nicht. Sie ist eine Bürger-Rechtspartei, deren jungdynamischer Führer nun seine große Chance wittert. Kein Wunder also, daß die FAZ in alledem nun die Wucht eines Jahrhundertergebnisses sieht. Diese Wucht machen Laibach spürbar:
Ein Mensch, ein Ziel
und eine Weisung.
Ein Herz, ein Geist,
nur eine Lösung.
Deutschland schwimmt auf der Westerwelle!
So reicht mir eure Hände
und gebt mir eure Herzen.
Ich warte.
Es gibt nur eine Richtung,
eine Erde und ein Volk, jawoll.
Ein Leitbild.

Nicht Neid, nicht Streit.
Nur die Begeisterung.
Die ganze Nacht
feiern wir Einigung.
Jawoll! Ja! Jawoll!
Das war heute nacht. Die Berliner Republik ist tot. Aber Berlin bleibt doch Berlin. "Jetzt", rief Guido gestern triumphierend in die Kameras hinein, "geht die Arbeit richtig los, für Deutschland und für unser ganzes Volk!"


Foto: geldoderleben

mit der SPD, und das hat sie Gerhard Schröder und seinen Spezis zu verdanken, darunter auch diese Herren:



"Was ham wir eigentlich dann falsch gemacht?" fragte Klaus Wowereit gerade eben. Tja, was ham sie falsch gemacht? Hamse das noch immer nich jemerkt, die Herren?

Und nun bläht Guido Westerwelle seine Brust und spricht sogar davon, daß die Bürgerrechte endlich wieder respektiert werden. Auch das Recht der Arbeitslosen auf ihre Menschenwürde? Und will Angela Merkel, die die Bundeskanzlerin aller Deutschen sein möchte, auch die Bundeskanzlerin der Arbeitslosen und der sog. Geringverdiener sein? Ach! es ist müßig, diese Fragen zu stellen. Denn weiter gehts im Kampf der Globalisierer gegen die Völker der Welt. Die Internationale bekämpft das Menschenrecht. Doch heute schien die Sonne, und es herrschte Volksfeststimmung vor meinem Wahllokal:



- wo die Kinder eifrig klampften und ihre Geschäfte betrieben. "Na, wie läufts denn heute?" fragte ich. "Heute ist genau der richtige Tag", sagte mir ein Mädchen. "Heute gehn ja viele Leute hier, da drüben wird gewählt, und wir verkaufen viel Kuchen und auch ziemlich viele Bücher." Ich sah hinunter auf die Wolldecke und bemerkte Titel wie Die Nikitin-Kinder und Verbietet die Verbote!. À propos Verbote. "Ich kann das nicht mehr ertragen", sagte eine meiner Nachbarinnen, als wir uns vorm Wahlengehen im Treppenhaus begegneten. "Überall Verbote, nur noch Verbote. Ich glaube, die Piraten werden ganz schön viele Stimmen kriegen."

"Mein Sohn hat die Piraten auch gewählt", sagte mir meine Eso-Freundin, die mich aus Süddeutschland anrief, "um meinen Frust mit dir zu teilen. Ist das nicht schrecklich? CDU und FDP regieren?"

Der Schrödergerd wird das nicht halb so schrecklich finden, und auch nicht Joschka Fischer. Diese beiden Aufsteiger haben alle ihre persönlichen Ziele erreicht. Und darauf kam es ihnen schließlich an. Jetzt ist ein weiterer Aufsteiger dran: die Schwesterweller, unser künftiger Außenminister. "Guido Weterwelle hat alle Ziele erreicht", sagte eben der TV-Sprecher. Ja, als Schwuler hat er es geschafft, unser Land vor der Welt repräsentieren zu können. Das hat er auch Underdogs wie meinen Freunden und mir zu verdanken. Doch er wird auf uns scheißen, so wie all die anderen Funktionsträger der Macht.

Ja, unser Land kann wirklich nicht mehr. Es kann nicht leben und nicht sterben. Also siecht es qualvoll dahin, regiert vom untersten Mittelmaß. Was ham wir eigentlich dann falsch gemacht?

dachte ich, als ich an jenem spätsommerlichen Donnerstag das Haus verließ und an den Mülltonnen vorüberging. Stunden später, in Hamburg, las ich in der taz, daß Rio Reiser gestorben sei; an den Folgen seines Suffs, wie man damals munkelte. Und Tage später, wieder zu Hause, erfuhr ich, daß unser neuer Mieter im Souterrain gestorben sei, an den Folgen seines Suffs; doch das habe man eben erst nach Tagen bemerkt, deshalb der bestialische Gestank im ganzen Haus.

Das ist nun über 13 Jahre her, und ich werd' es nie vergessen, so wie ich auch nie vergessen werde, als mir Claudia Roth einmal begegnete. Es war wieder einmal Wahlkampf, in der Schauburg sollte eine Veranstaltung der Grünen stattfinden, und ich bemerkte Claudia inmitten einer Menschenmenge. Die war mal Managerin der Scherben, zuckte es mir durch den Kopf, und bevor ich weiterdenken konnte, hatt' ich auch schon gerufen: Ah, da iss ja Claudia Roth, diese alte Kifferin! Nie werde ich vergessen, wie sie mich daraufhin ansah: heftig errötend, aber nicht vor Wut, sondern seltsam traurig wirkend, mit großen Augen wie ein Reh. Dies ging mir so zu Herzen, daß ich mich heftig schämte und mich noch immer schäme, wenn ich sie sehe, so auch in diesen Tagen, aber aus anderem Grunde: ist es mir doch furchtbar peinlich, daß sie und die Grünen auf Stimmenfang gehen, indem sie Rio Reiser benutzen: ausgerechnet Rio Reiser, der im November 1990 der PDS beitrat und nun als Toter dafür sorgen soll, daß die Wähler der Linkspartei wieder scharenweise zu den Grünen überlaufen, und das, obwohl Joschka Fischer während seiner Zeit als Vizekönig von Deutschland die Vorarbeit dafür geleistet hat, was sich unsere Friedenskämpfer jüngst in Afghanistan geleistet haben. Das wird von Cem Özdemir zwar nicht gebilligt; denn die Grünen sind ja auch nicht an der Macht. Aber sie sind und bleiben eine Kriegspartei, in deren Namen unser aalglatter Quotentürke Quotendeutscher mit türkischem Migrationshintergrund sagt: "Wenn ein Land von einer terroristischen Vereinigung besetzt wird, ist auch unsere Sicherheit bedroht."

Und deshalb wohl müssen wir mit den Kollateralschäden leben. Das ist die Logik der Menschenfresser. Doch
wenn Menschenfresser weinen
tut ihnen alles schrecklich leid.
Doch sie können's ja nicht ändern,
es ist halt 'ne harte Zeit.
Und in solchen Zeiten können die Grünen nicht auf Claudia Roth verzichten, der ich gestern abend im Concordia die Schmach erspart habe, wieder heftig zu erröten, weil ich mich wieder einmal nicht hätte beherrschen können. Und diesmal hätte ich mich nicht geschämt, sie auf meine Art und Weise an die Leiche zu erinnern, die sie im Keller hat.

Draußen zwitschern die Vögel, alles grünt und blüht, und sogar manche Politiker zwitschern:
tagesschau.de: Sie nutzen sehr intensiv Twitter, sind oft bei Facebook unterwegs. Warum?

Reinhard Bütikofer: Beim Ausprobieren habe ich entdeckt, dass diese Kommunikationswege neue Zugänge eröffnen. So habe ich bei Twitter beispielsweise die israelische Zeitung Haaretz abonniert. Ich käme nicht dazu, Haaretz im Netz nachzuschlagen. Aber so bekomme ich einen leichten Zugang zu Diskussionen, die in dieser Zeitung abgebildet werden - und kann mir Artikel herauspicken. Das gilt auch für andere Quellen.
Auch für Jyllands Posten, die größte dänische Tageszeitung? Wir erinnern uns: hatte im September 2005 zwölf Karikaturen über Mohammed veröffentlicht und damit eine Kontroverse ausgelöst, ja sogar eine politische Krise zwischen der EU und diversen islamischen Staaten. In einer Pressemitteilung vom 8. Februar 2006 erklärten Bütikofer und Claudia Roth, die damaligen Bundesvorsitzenden der Grünen:
Mit dem Aussetzen der Handelsbeziehungen zu Dänemark eskaliert die iranische Regierung die Auseinandersetzung über die ursprünglich in der dänischen Zeitung Jyllands Posten veröffentlichten Karikaturen. Die Antwort Europas hierauf kann nur ein klares Zeichen der Solidarität mit Dänemark sein. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich aktiv dafür einzusetzen.
Abgesehen von dem Grammatikfehler (man kann nicht etwas eskalieren) war das ganz in Ordnung. Es ging, wie auch der Spiegel titelte, um die globale Meinungsfreiheit, und fast alle waren solidarisch mit dem bürgerlich-konservativen Blatt aus Jütland. Doch wäre es auch heute so?

Jyllands Posten nämlich hat, wie ich heute mal wieder via Freeman erfuhr, bereits am 4. April über die Sprengstoffspuren im World Trade Center berichtet; und nicht nur Jyllands Posten, sondern auch eine Reihe anderer dänischer Medien bis hin zum TV 2 in seiner Nachrichtensendung. Der Link zu dem betreffenden Ausschnitt mit einem Interview des dänischen Wissenschaftlers Niels Harrit sowie eine Liste dieser dänischen Medien finden sich hier. Doch bei uns ist etwas fauler als im Staate Dänemark. Denn unsere Mainstream-Medien schweigen noch immer, und unsere Fernsehsender zeigen lieber Hollywoodfilme über den 11. September 2001, jenen Tag also, da man uns sagte, nichts mehr werde so wie vorher sein, und George W. Bush allen den Krieg erklärte, die against us seien. Es war der Tag, an dem die Welt zerbrach; eine Pyroshow, auf die sich heute noch alle berufen, die mit militärischen und nachrichtendienstlichen Mitteln die gesamte Welt beherrschen und rund um die Uhr kontrollieren wollen. Nichts, was an diesem Tag und davor und danach rund um das WTC geschah, darf uns also gleichgültig sein. Doch auch die Grünen, denen verfolgte Minderheiten doch so sehr am Herzen liegen, lassen nun kein Wort darüber verlauten, daß die offizielle Darstellung der Geschehnisse vom 11. September, die zu einer beispiellosen Hetze gegen alles Muslimische führten, nun ganz offenbar wissenschaftlich widerlegt ist und überall, wo man bloggt und twittert, wieder heftigst diskutiert wird. Das jedoch scheint Bütikofer und seine Kollegen aus den anderen Parteien nicht zu interessieren. Er will die deutsche Blogosphäre für sich instrumentalisieren, vor allem auch Twitter:
tagesschau.de: Ersetzt es damit die legendären Stammtische von Lobbyisten, Journalisten und Politikern?

Bütikofer: Ich finde das Bild zutreffend. Es ist die Wiederkehr des Stammtisches auf digitalem Niveau. Dementsprechend ohne die Begrenzung des Stammtisches nach Ort und Zeit, aber mit den inhaltlichen Begrenzungen, die der Stammtisch hat.
Was auch die Grünen aber nicht mehr daran hindert, mit den einst so verachteten Stammtischbrüdern zu kungeln, sofern sie sich nur instrumentalisieren oder gar korrumpieren und inhaltlich begrenzen lassen: auf all das, was sie denken und dann auch schreiben sollen. Die deutschen Mainstream-Medien plappern es ihnen vor. Doch wehe, einer dieser Stammtischbrüder wagt es, über sein Bierglas hinauszublicken! Er muß damit rechnen, aus der Stammtischbruderschaft ausgestoßen oder gar von ihr verfolgt zu werden. Weistu was, so schweig.

Was aber weiß solch ein Vogel Reinhard Bütikofer? Hat er nicht doch schon etwas davon zwitschern hören, was alle Spatzen von den Dächern pfeifen? Und wenn ja: warum hat er sein jüngstes Interview mit der Tagesschau nicht genutzt, um öffentlich darauf hinzuweisen und die Bundesregierung sowie die deutschen Mainstream-Medien aufzufordern, sich aktiv für die Aufklärung der Ereignisse um 9/11 einzusetzen, anstatt mit ihnen Kriegs- und Überwachungspolitik zu machen?

Inzwischen zwitschern die Vögel draußen im Garten nicht mehr. Es ist Nachmittag geworden. Doch die Sonne scheint noch immer, über den Dächern ist Ruh, zumindest über den deutschen. Was darunter vorgeht, ist eine andere Sache. Der MDR Sachsen etwas meldet:
In der Offizierschule des Heeres der Bundeswehr in Dresden haben Unbekannte am Morgen des Ostermontags mehrere Fahrzeuge in Brand gesteckt. Es entstand ein Sachschaden von etwa drei Millionen Euro. Das Landeskriminalamt (LKA) ermittelt.
- und bild.de berichtet über einen Vierfach-Mord in Eislingen, der schon am Karfreitag geschah. Ein 18jähriger soll, zusammen mit seinem Freund, seinen Vater, seine Mutter und seine beiden Schwestern erschossen haben: eine jener Taten, über die angeblich so sensationslüstern berichtet wird, von der ich jedoch nur per Zufall las; denn Gemetzel wie diese zählen schon längst zum deutschen Alltag.
Die Beamten werten auch den Computer des Sohnes aus. Ob darauf auch Gewaltspiele installiert waren, konnte die Polizei noch nicht sagen.
Da Millionen diese Ballerspiele spielen, wird man ganz gewiß auch in Eislingen welche finden. Und dann ist die deutsche Welt wieder in Ordnung. Die Egoshooter sind an allem schuld, aber nicht die Egoisten in den Konzernetagen und in den Parlamenten. Sie spielen ihre War Games (über das neueste berichtete gestern Telepolis) und feuern immer weiter. Millionen Arbeiter und Angestellte fliegen auf die Straße, Millionen Menschen werden durch Bomben in die Luft gejagt, aber das alles nur für den globalen Wohlstand in Freiheit und Frieden. Und während ich dies tippe, zwitschert ein Volgel dazwischen. Aber das wird nichts zu bedeuten haben.

könnte ich, wenn ich lese, mit welchen Argumenten unsere Politiker die neue EU-Richtlinie über die Freigabe der Verpackungsgrößen für Lebensmittel dem Volke schmackhaft zu machen versuchen:
Die Freigabe eröffne den Herstellern "mehr Spielraum für Innovationen und Ideen", so das Minsterium. Sie könnten künftig flexibler auf Kundenwünsche reagieren. Die Kunden könnten in Zukunft unter zahlreichen Verpackungsgrößen diejenigen wählen, die am besten zu ihren individuellen Bedürfnissen passten - etwa kleinere Packungen für Singles.
Glauben unsere Volksvertreter wirklich diese Scheiße, die ihnen von den Lobbyisten der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie eingetrichtert wurde und die wir jetzt schlucken sollen? Halten sie uns wirklich für so dumm, daß wir nicht wissen, worum es wirklich geht: um massive Preiserhöhungen, so wie damals, als der Teuro kam? Nein, sie halten uns gewiß nicht für so dumm. Sie wissen nur, daß wir nicht auf die Straße gehen werden. Niedriglohnmalocher haben keine Zeit zum Demonstrieren, Arbeitslose sind zu isoliert und zu depressiv; und all die Millionen Kranken, Alten und Gebrechlichen? Die sind froh, wenn sie es noch bis zum nächsten Supermarkt schaffen, um dort für immer weniger Ware und immer mehr Verpackungsmüll immer mehr Geld zu bezahlen. Denn auch wenn sie noch länger stehen könnten und das Kleingedruckte lesen wollten: sie können es meist gar nicht mehr. Eine neue Brille wäre viel zu teuer. Und die jungen Leute, die kann man ja auch nicht immer fragen. Viele finden ja selbst nicht mehr durch.

Und damit meine ich auch mich. Früher konnte ich den Omis immer helfen. Aber heute? Oft dauert es 10 Minuten, bis ich zwischen all den Milchprodukten die wenigen gefunden habe, die noch ordentlich Fett enthalten, so wie es sich gehört. Diese Sucherei macht mir regelmäßig schlechte Laune, weil ich währenddessen unentwegt jene Zicken vor mir sehe, die uns am allerliebsten alles verbieten würden, was sie sich nicht oder nur klammheimlich gönnen. Bald aber werde ich wohl nur noch Haß verspüren. Haß auf die widerliche Mischpoke, die uns zwischen den unterschiedlichsten Verpackungsgrößen wählen lassen will, mehr aber auch nicht.

plagt so ziemlich jeden, der den größten Teil seiner Freizeit, sobald er sich unbeobachtet wähnt, vorm Rechner verbringt, um Pornos zu kucken. Wohin also mit seinem Ekel vor sich selbst, noch dazu in einer Zeit, da es völlig uncool ist, sich über Homosexualität oder exotische Sexualpraktiken aufzuregen? Doch zum Glück für alle, die von Zeit zu Zeit Dampf ablassen müssen, gibt es ja die Pädos. Vor ihnen kann man sich so richtig gruseln, quer durch alle Parteien. Deshalb auch ist es sehr viel effizienter, den Haß auf Pädophile politisch zu nutzen als den meist nur verbalen Abscheu gegen Nazis. Wie effizient es sein kann, zeigt die Empörung um den SPD-Politiker Jörg Tauss, der in den Verdacht geraten ist, ein verkappter Pädo zu sein und deshalb gegen den Plan seiner Widersacherin Ursula von der Leyen, Kinderpornoseiten zu sperren und damit einen Präzedenzfall für jene zu schaffen, denen es weniger um das Wohl unserer Kinder geht als um ihr eigenes politisches und wirtschaftliches, kurz: um die totale Überwachung der Kommunikation im Netz. Jörg Tauss war stets dagegen, so daß sich viele Freiheitsfreunde auf ihn berufen konnten; doch seit heute ist das anders. Wer dem Staat das Recht abspricht, Internetseiten zu sperren und die gesamte virtuelle Kommunikation zu kontrollieren, wird (dies wenigstens hoffen die Freunde der Schäubepartei) sich allein deshalb dem Verdacht aussetzen, ein Kinderficker zu sein. Und wer will schon damit leben? Also tut jeder gut daran, die Zensurmaßnahmen gegen Pädos und damit auch alle anderen, um die es eigentlich geht, lautstark zu befürworten, um nur ja mit kurzfristig entlastetem Gewissen weiter seinen Gelüsten folgen zu können. All die Frauen, die sich ihm zur Schau stellen, sind schließlich über 18 und handeln allesamt aus freiem Willen. Sie haben doch ihren Spaß daran. Aber diesen Kinderfickern, denen sollte man ihren verderben. Freies Internet? Von wegen! Das könnte denen so passen, und den Terroristen! Solange mir keiner das Recht nimmt, das zu sehen, was ich sehen will, ist doch alles in Ordnung. Ich will schließlich nichts anderes sehen als jeden Tag ein wenig Frischfleisch und die Aktienkurse, und ich will nichts anderes treiben als alle anderen Normalen auch. Also sollen sie doch sperren, was sie sperren wollen. Ich habe ja nichts zu verbergen. Nur meine Familie, die braucht nicht alles zu wissen, und auch nicht mein Chef oder die Kollegen. Aber dafür, daß nicht alle alles über mich erfahren, wird der Staat schon sorgen. Also, wo liegt das Problem? Ist doch alles in Ordnung.

Ja, alles ist in Ordnung, solange es Politiker gibt, die man den Medien zum Fraße vorwerfen kann, um hinterher einen mit ihnen zu trinken. Und wahrscheinlich nicht nur das.

[Nachtrag] Kaum hatt' ich dies geschrieben, schon las ich das - und höre schon wieder all jene quaken, die ein Interesse daran haben, jede unbequeme Frage und jeden Zweifel am Gebaren unserer sog. Eliten mit dem Totschlagargument Verschwörungstheorie abzutun. - Und schon melden sich die ersten, die ganz im Sinne derer reagieren, denen daran liegt, ihre Kontrollprogramm durchzuboxen; siehe z.B. hier. Das RA-Blog hat es auf den Punkt gebracht: Jeder ist gegen Kinderpornos. Deswegen muss auch jeder für jede Maßnahme dagegen sein. Vgl. hierzu noch ma ehm Volkes Stimme aus dem Zockernetz. Und, oh! schon wieder ein Indiz: Jörg Tauss auf Augenhöhe mit ahnungslosen Kindern ...

[Nochwas] Auch die Kinderschutzorganisation CareChild spricht sich gegen die Kontrollpläne Schäubles aus und ließ bereits im Januar verlauten, daß es ihm und seiner Partei darum gehe, mit der als Gutmensch geltenden Familienministerin um Sympathie für den Überwachungsstaat zu werben.

ist noch nicht amtlich; doch eines ist klar: die Kneipenwirte und Raucher haben der FDP ihren Erfolg beschert: war die FDP doch leider die einzige Partei, die sich gegen die Rauchverbote ausgesprochen hat. Kein Wunder also auch, daß die Linkspartei noch bei 5 % herumdümpelt.

"Es ist Zeit für den Kongress, den sexuellen Appetit Amerikas wieder aufzufrischen. Der einzige Weg dahin ist die Unterstützung der Pornoindustrie - und zwar rasch", mahnt, wie hier nachzulesen ist, der Wichsvorlagenverleger Larry Flynt, -

- notiere ich lustlos, nicht nur angesichts dieser Visage, sondern vor allem weil all das, was früher einmal Satire war, heutzutage wirklich wahr ist, so auch das Projekt 18 der SPD mit ihrem hessischen Supermann, den man so leicht verarschen kann. Wen zum Teufel würde ich wählen, wenn ich heute 18 wäre und auf der Suche nach einem Politiker, den ich respektieren könnte?

Ja, ihr Idioten quer durch alle Parteien! Wie heißt das Zauberwort? R.E.S.P.E.K.T! Jugendliche nämlich sehnen sich, wie einst Holden Caulfield, nach Erwachsenen, denen sie R.E.S.P.E.K.T. entgegenbringen können, nach Persönlichkeiten also. Wenn sie jedoch Comic-Abziehbilder vorgesetzt bekommen, fühlen sie sich abgestoßen, weil für dumm verkauft. Und glaubt nur ja nicht, daß die Jugendlichen aus den bildungsfernen Schichten eure Spielchen nicht durchschauen. Sie werden euch mal wieder den Stinkefinger zeigen, euch und euren Werbeagenturen. Aber nicht nur die Jugendlichen. Das ganze Volk sehnt sich nach Typen wie Willy Brandt, Herbert Wehner, Ludwig Erhard oder Franz-Josef Strauß, die so unterscheidbar waren wie die Inhalte, die sie vertraten. Klar, gelogen haben sie alle. Aber das mit Klasse und Stil. Sie waren echte Stars, weil allesamt vom wirklich wahren Leben gezeichnet und nicht am Mac entworfen, so wie die Witzfiguren heute, über die man nicht einmal mehr herzlich lachen kann, wie einst über Heinrich Lübke, den meine Mutter so gut parodieren konnte, beim Bohnenkaffee nach dem Mittagessen. Sie waren nicht nur widerlich oder lächerlich. Sie waren interessant und haben mein Interesse für Politik geweckt. R.E.S.P.E.K.T!

Das jedoch ist lange her. Die Gesichter auf den Wahlplakaten sind verwechselbar, so wie die Phrasen in den Werbespots der Parteien und die Rockmusiker, die sich dafür hergeben, ihnen den Soundtrack zu liefern. Rock oder HipHop? Scheißegal. Alles der gleiche Dünnpfiff. Alles so verwechselbar wie die Angebote der Pornoindustrie. Mit wem ich auch spreche; fast alle stöhnen lustlos: Help, we can't!

zu feiern war noch nie mein Ding. Am 31. Oktober sitze ich, einst evangelisch-lutherisch, lieber in meinem Zimmer und höre Krummhörner schnarren:
Ein feste Burg ist unser Gott,
Ein gute Wehr und Waffen;
Er hilft uns frei aus aller Not,
Die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind,
Mit Ernst er's jetzt meint,
Groß Macht und viel List
Sein grausam Rüstung ist,
Auf Erd ist nicht seinsgleichen.
Die Melodie zu diesem Text von Martin Luther kennt keiner mehr, na klar. Sie aus den schönen Sätzen der alten Meister herauszuhören will ich keinem zumuten, ebensowenig wie den schrägen Gottesdienstgesang der Deutschen; und was bleibt? Mal wieder nur die eine oder andere amerikanische Version, z.B. diese fiese. Tja, wir sollten unser kulturelles Erbe schützen.

Was ich am Reformationstag sonst noch so gehört habe, ist ein Thema für sich. Abgesehen von politisch unkorrekter Musik auf jeden Fall, daß nun herausgekommen ist, wie die letzten Präsidentschaftswahlergebnisse in den USA gefälscht wurden, nämlich aller Wahrscheinlichkeit nach durch einen Man in the Middle:
Newly obtained computer schematics provide further detail of how electronic voting data was routed during the 2004 election from [...] Ohio to SmarTech Inc., a Chattanooga Tennessee IT company known for its close association with the Republican Party, before the 2004 election results were displayed online.
Das weckt nicht nur meine allerschlimmsten Befürchtungen. Einige amerikanische Autorinnen und Autoren, an erster Stelle Erica Jong, glauben sogar, es könnte, sofern die Reps (je nun:) gewinnen, zu einem zweiten Bürgerkrieg kommen. Doch sind nur die Amis so verrückt? Mitnichten.

Eben las ich, das Bundesverfassungsgericht habe die für legal erklärt. Tatsächlich aber hat es nur ein Urteil des Amtsgerichts Köln vom 9. August 2004 an das Landgericht zurückverwiesen. Und was war passiert? Ein brauner Kamerad war zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er auf einer Kundgebung gesagt hatte:

Von Geburt an. Die Frage ist – sind wir als Deutsche Arschlöcher, die sich hier von diesem System einmachen lassen? Oder stehen wir zu unserer Fahne? Und damit meine ich auch nicht die schwarz-rot-senf. Unter diesen Umständen. Oh, Entschuldigung, schwarz-rot-gold, könnte mir ja womöglich falsch ausgelegt werden.

Nein, der Kläger hat es ihm gewiß ganz richtig ausgelegt. Doch anders als im Urteil und auch von Heribert Prantl in der SZ dargelegt, wurde die Bezeichnung Schwarz-Rot-Senf für die Flagger der Republik nicht nur von sog. Rechtsextremen gebraucht, sondern auch von denen, die später keine Nazis wurden, sondern nur den alten Kaiser Wilhelm wiederhaben wollten, wobei mir gerade einfällt, daß wir Kinder noch um 1960 dieses Lied gesungen haben, einfach so wie Caterina Valente / hat n Arsch wie eine Ende / hat zwei Augen wie ne Kuh / und ab bist du. Ja, das haben wir in der Sandkiste gekräht, und keiner hat es uns verboten. Heute aber soll man, wie Heribert Prantl auch zu meinen scheint, nicht mal sagen dürfen, was der Redner auf der Kundgebung gesagt hat und was ich, jawoll! zum erstenmal bei Walter Kempowski gelesen habe, und zwar in Tadellöser & Wolff, wenn ich mich recht erinnere? War Kempowski vielleicht doch ein verkappter Nazi, weil er dergleichen Sprüche seinen braven Bürgern in den Mund gelegt hat, ohne dazuzuschreiben, daß es ganzganz rechte Sprüche seien, die man verurteilen müsse?

Aber nicht doch! höre ich jetzt all die Leute schreien, die noch vor 20 Jahren auf Kempowski eingedroschen haben. Man könne ihn doch nicht mit einem Neonazi auf die gleiche Stufe stellen.

Nein, das kann und sollte man auch nicht. Aber genausowenig sollte man dafür plädieren, alles zu verbieten, was auch nur im entferntesten als verfassungsfeindlich interpretiert werden könnte, aber niemandem auf dieser Welt irgendeinen Schaden zufügt: anders als all das, was jene Verfassungsfreunde treiben, die unser Land und die ganze Welt nachweislich ruinieren. Wohin, zum Teufel, kämen wir, würde man dafür bestraft, wofür der Beschwerdeführer bestraft werden sollte? Wir befänden uns wieder dort, wo wir schon einmal waren, und das sehr viel schneller als durch die Umtriebe all der Jungs aus der rechten Szene, die nun einmal leider das ist, was die linke früher war: ein Sammelbecken für Unangepaßte, schon lange nicht mehr für die Dümmsten ihrer Art. Genau das war abzusehen. Und es wird noch heftiger kommen, je autoritärer all jene, die sich als die Erben der 68er verstehen, mit all jenen umspringen, die es gründlich satt haben, sich bevormunden zu lassen: von genau den Leuten, die einst gegen die staatliche Bevormundung angetreten sind. Ach! mit diesen Leuten hatte ich, obwohl ein Sympathisant, schon damals jede Menge Ärger. Unvergessen ist mir ihr Haß auf alles, was sie als bürgerlich empfanden. Diesem Haß widersetzte ich mich, indem ich 1979/80 folgendes Sonett schrieb:
Wer wollte nicht sich selber in Büchern wiederfinden,
gemeinsam mit dem Autor was gut, was schlecht erkennen, von ihm sich leiten lassen, die Dinge zu benennen,
das objektiv Reale rein subjektiv ergründen?

Wer wollte nicht, daß Worte nur von den Wahrheit künden,
daß deren sprecher nicht mehr ins Dunkel sich verrennen,
bloß über ihrer Psyche, ihr eignes Ego flennen,
anstatt auch zu beschreiben, wie sehr sich andre schinden?

Wer sagte nicht: Ästhetik ist bodenloser Hohn.
Verschleiern hilft das Schöne die Exploitation.
RADIKALER BRUCH
MIT KÜNSTLERISCHEN NORMEN!
- ?

Ich sag das nicht. Das Hadern mit aller Tradition
schafft wieder neue Zwänge. Die Fesseln schmerzen schon.
Doch wie befreiend wirken zuweilen strenge Formen!
Ja, liebe Leute: das habe ich geschrieben, lange bevor es den Neofolk mit seinem Uniformkult und all dem martialischischen Getrommel gab; und hätte ich damals schon den Buchtitel Revolte gegen die moderne Welt gehört, dann hätte ich das Buch gelesen. Aber nein, ihr lieben Leute: ein Faschist wäre ich deshalb noch lange nicht geworden. Ich wäre geblieben, was ich war und was ich noch heute bin: ein Selbstdenker, der eben deshalb zu intelligent und zu redlich ist, alles von vornherein abzulehnen, was seine politischen Gegner sagen. Troy Southgate ist solch ein Gegner. Aber er hat tausendmal recht, wenn er sagt:
Harry Haller becomes the Steppenwolf. And Jekyll turns into Hyde. To forms, one being.
Außerdem sagt er es sehr schön, und das zu einer Musik, die um Klassen besser ist als das allermeiste, was heutzutage von denen kommt, die sich als Hütern einer Aufklärung verstehen, deren Geschichte ihnen seit jeher so scheißegal war wie die Geschichte des Niedergangs der Weimarer Republik. Ich habe es erlebt und erlitten und mich tausendmal mit ihnen gestritten. Heute aber streite ich mich mit keinem mehr. Ich lese und höre noch immer, was all denen nicht behagt, die mit dem Strom schwimmen, und bin noch immer ich und niemand sonst, also das, was ich einst werden wollte, als ich The Turtles 1965 singen hörte:
Please don't mistake me or try to make me
The shadow of anybody else
I ain't the him or her you think I am
I'm just trying hard to be myself
Oh, society's goal is to be part of the whole
That may sound good to you, not to me

Let me be, let me be
To think like I want to
Let me be, let me be
That's all I ask of you
I am what I am and that's all I ever can be
Ja, nicht zuletzt mit diesem simplen Song von P.F. Sloan begann die Geschichte meiner Pubertät; und noch heute kann ich sagen, daß ich froh darüber bin, diesen Song gehört und auch verstanden zu haben, anders als so viele meiner Altersgenossen damals und heute. Das behaupte ich. Denn wenn sie jemals verständen hätten, worum es darin geht, dann hätten sie schon längst kapiert, worum es heute geht, und das mehr denn je. We don't need no education, wie don't need no thought control. Wir sind nun mal alle Jekyll und Hyde zugleich. Das lehrt uns die Geschichte der Religion und der Reformation, und das lehrt uns sogar ein Fest wie Halloween. Two forms, one being. Wer das akzeptiert, ist kein Feind der Freiheit. Aber wer das leugnet und uns in die eine oder in die andere Richtung drängen will, so daß wir aus dem Gleichgewicht geraten, der ist ein blinder Weltverbesserer, vielleicht sogar einer mit groß Macht und viel List. Ich fürchte mich vor diesen Wektverbesserern. Und deshalb werde ich gleich noch einmal meine geliebten Krummhörner hören und mir dabei vorstellen, wie schon die Zukunft hätte werden können, wären wir Menschen nicht so blöd gewesen, den Himmel auf Erden schaffen zu wollen. Behüt uns Gott vor allen, die jetzt drauf und dran sind, uns zu unserem Glück zu zwingen. Laßt uns wider die Tyrannenbrut das schöne alte Lied von Luther singen.

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