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Die Antiquiertheit des Menschen

Gleich nachdem ich aufgewacht war und in den Nieselregen hinausgesehen hatte, griff ich zu einem der Bücher neben meinem Bett und las:
Ahnst du, was vorgeht in jenem Raume, den wir vielleicht eines Tages durchstürzen werden, und der sich zwischen der Erkenntnis des Unterganges und dem Untergang erstreckt?
Als ich das gelesen hatte, kochte ich mir erstmal einen Kaffee, ging online, las die Google News, stieß auf diese Überschrift:

Beatles oder Stones

- und las, was der SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier angeblich selbst geschrieben hat, über sein Leben mit den Rolling Stones, deren Verläßlichkeit er preist:
Sie kopierten nicht den allgegenwärtigen amerikanischen Rock'n'Roll, versuchten sich auch nicht im Beat als dessen englischer Spielart, sondern zogen ihre Kraft und Energie aus ursprünglichem und archaischem Blues. Wenn Jagger vom Street Fighting Man sang, war das der musikalisch ausgedrückte Wille, etwas anders zu machen und an die Wurzeln zu gehen. Das ist das eigentlich Politische der Rolling Stones, und das hält ihre Fans zusammen, damals wie heute.
Daran ist fast alles falsch, was nur falsch sein kann. Stonemeier, nur 1 Jahr jünger als ich, scheint die ersten Scheiben seiner Lieblingscombo nicht zu kennen. Schon daran nämlich läßt sich ablesen, daß die Stones vor 1968 gar nicht wußten, was sie wollten, außer: Ruhm und Geld. Sie waren eine machtgeile Band. Deshalb haben sie alles kopiert, von Chuck Berry über The Drifters bis hin zu Bob Dylan, The Yardbirds, The Who und den Beatles. Satisfaction war ihr erstes originelles Stück. Was folgte, waren wieder nur Kopien und Selbstkopien, bis hin zu Their Satanic Majesties Request. Erst 1968, nach dem Mißerfolg der LP, fanden sie zu ihrem Stil, beflügelt vom Erfolg amerikanischer Bands wie Grateful Dead und The Doors. Musikalisch waren sie alles andere als revolutionär; und textlich? Street Fighting Man handelt zwar davon, daß einer - wie Stonemeier schreibt - etwas anders machen will; doch er tut es nicht. Denn:
Well now what can a poor boy do, 'cept to sing for a rock & roll band?
Cause in sleepy London Town there's just no place for a street fighting man, no
Weil das in Westdeutschland nicht anders war, begann der Marsch durch die Institutionen: Seit' and Seit' mit den Stones, die den Soundtrack dazu lieferten. Dementsprechend öde klangen sie schon wenig später. Als Helmut Schmidt in Deutschland Kanzler wurde, sangen sie Mick Jagger pragmatisch: It's only Rock and Roll, but I like it. Als sich die heutigen Grünen formierten, versuchten sich die Stones zu regenerieren und machten unter dem Einfluß von Disco und Punk auf der LP Some Girls noch einmal etwas Dampf, aber nur musikalisch und auch nur, um ihr massenkompatibles Image nicht zu verlieren. The Rolling Stones waren und sind nichts anderes als die SPD der Rockmusik.

Und die Beatles? Mit denen war nie Politik zu machen, weil sie weder für noch gegen etwas marschierten. Sie waren einfach da, so wie das Leben, und wurden geliebt oder gehaßt, von 'Rechten' wie 'Linken' gleichermaßen. Deshalb galten sie als aalglatt, anders als die Stones. Sie waren nicht zu fassen, weil sie trotz ihrer Herkunft vier britisch-aristokratische Individualisten waren und zusammen ein Anarch, der sich allen widersetzt, die ihm seine Freiheit nehmen wollen, in wessen Namen auch immer. Dies erinnert an Ernst Jünger, den ich eingangs zitiert habe. Wer nach anarch + ernst jünger googelt, findet jede Menge ähnlicher Zitate, aber nur in englischer Übersetzung, so wie auf dieser Internetseite. Sie zeigen, daß und warum auch Jünger nicht gealtert ist, genausowenig wie die Beatles. Eines paßt ganz besonders gut zu dem Zitat von oben, aber auch zu den Beatles, die mittlerweile unbestritten als Inbegriff der Lebensfreude der 60er Jahre gelten:
Today only the person who no longer believes in a happy ending, only he who has consciously renounced it, is able to live. A happy century does not exist; but there are moments of happiness, and there is freedom in the moment.
All jene, deren (mit Steinmeier zu reden:) kultureller Kanon nicht sehr viel mehr enthält als das, was 1968 allerhöchste Mode war, werden nun wieder sagen, Jünger sei ein Faschist gewesen; die Sätze seien nichts als pure Ideologie. Tatsächlich aber verweisen sie nur darauf, was Goethe seinen Faust im fünften Akt von Teil II sagen läßt:
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
[...]
Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft' ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Äonen untergehn.
Dies wußte auch schon Konfuzius: Der Weg ist das Ziel. Und vor ihm wußten andere, daß und warum es kein Paradies auf Erden geben kann und die Geschichte der Menscheit eine Tragödie ist, die niemals happy enden wird. Politik jedoch scheint nur möglich zu sein, wenn man den potentiellen Wählern vorgaukelt, bald würde alles gut für alle, nur nicht für die jeweils Bösen. Das sagt Steinmeier zwar nicht, schließlich ist er weder 'rechts' noch 'links'; doch er versucht die von der SPD und den Grünen und der Linkspartei enttäuschten Wähler aus der akademischen Mittelschicht wiederzugewinnen, indem er an die Legende anknüpft, die Rolling Stones seien revolutionär gewesen, und sich als deren Fan zu erkennen gibt.
Der musikalische Wille, den Blues und die Energie walten zu lassen, ist ungebrochen. Die Rolling Stones wollen noch immer auf- und mitmischen. Das ist die Botschaft ihrer Single.
Was aber durchaus nicht stimmt. Die Stones wollen, wie der Text zu Doom And Gloom und ihre immergleichen Riffs beweisen, absolut gar nichts aufmischen. Sie wollen nicht die Verhältnisse, sondern nur uns zum Tanzen bringen, und zwar (was sich von selbst versteht) nur zum Rock der Stones:
Sitting in the dirt
Feeling kind of hurt
Aaaaall I hear is doooom and gloom
And aaaaall is darkness in my room
Through the light your face I see
Baby take a chance
Baby won't you dance with meeeeee
Nichts anderes sagt uns Walter Steinmeier mit seinem Artikel. Alles ist Scheiße, und darin sollen wir mit ihm und mit Peer Steinbrück tanzen. Doch der Rock dieser und anderer Stones ist mir schon seit Jahrzehnten viel zu angepaßt. Ich höre lieber die Beatles oder Joy Division oder Muse oder Rome und lese statt all der Buchnovitäten, die keine Saison überdauern, lieber mit Maßen Ernst Jünger. Das ist zwar politisch nicht korrekt, hilft mir jedoch, angesichts des Untergangs die Contenance zu bewahren.

Ach! was ich nicht alles schreiben könnte. Doch wozu? Es ist ja alles schon gesagt. Fast alles. Doch was ich jetzt anzumerken habe, soll nicht untergehen im Skandal um Günter Grass, der in Wahrheit ... aber lassen wir's. Es ist mir wirklich zu blöd, hier über U-Boote zu schreiben. Doch es gibt ja auch welche, die in Talkshows sitzen.

Vorgestern abend war Renate Schmidt zu Gast bei Markus Lanz. Ebenfalls zu Gast waren Benjamin von Stuckrad-Barre sowie Christopher Lauer von der Piratenpartei. Und das Thema? ADHS. Beide leiden - nein! sie leiden nicht daran. Vor allem der Pirat findet ADHS sogar toll. In seinem Blog schrieb er am 24. Januar 2012:
Vor allem möchte ich, dass in der öffentlichen Diskussion die Vorteile von ADHS in den Vordergrund rücken. Nichtlineares, asynchrones Denken ist eine Bereicherung für alle. ADHS im Erwachsenenalter ist ein wichtiges Thema. Ich bin wegen, nicht trotz ADHS so wie ich bin.

Ich habe ADHS – und das ist auch gut so.
Vor allem für die Pharmaindustrie. Doch selbstverständlich geht es nur mal wieder um die Betroffenen und die Kinder. Letzteres betonte unsere Ex-Familienministerin, die mit Begeisterung eine Kampagne des auf ADHS spezialisierten Pharmakonzerns Shire unterstützt. ADHS sei keine erfundene Krankheit, sondern komme bei etwa 5 % der Menschen aller Kulturen vor und sei in hohem Ausmaß genetisch bedingt, na klar. Der Pharma-Fan Christopher Lauer sprang ihr bei und nahm vorauseilend die Industrie in Schutz: Methylphenidat sei schließlich ein Generikum, jaja. Renate Schmidt warb schließlich für Trainings wie das Neurofeedback, na wie schön. Für jeden was. Und immer profitiert die Industrie, nun aber auch die Piratenpartei, die nicht länger nur mehr die Partei der Nerds sein, sondern offensichtlich auch die Partei der ADHS-Gestörten ADHS-Begabten werden möchte. Wer sie dabei mit Spenden unterstützt, weiß ich nicht zu sagen. Doch ich kann es mir denken. Der Wahlkampfauftakt der Berliner Piraten wurde denn auch sinnigerweise im Club ADS gefeiert, mit electro, dubstep und viel BASS. Das macht so schön hibbelich, wie Stuckis ADHS Olympics am 29. März, wo auch Christopher wieder auf der Lauer lag als Testimonial auftrat. In etwas seriöserem Rahmen war er am 6. März im Radio SWF zu hören. Weil's ihm und den Piraten ganz besonders um die Kinder geht.

Auf der Seite meines Nachbarbloggers monoma weist ein Kommentator mit dem Nicknamen Quetzalcoatl des öfteren auf Esoterik-Seiten hin; diesmal mit dem Zusatz: Neue Visionen von Franz Hörmann ... der immerhin tatsächlich ein Professor ist und im Staate Österreich als Kapazität zu gelten scheint. Über seine Visionen ist bei Wikipedia zu lesen:
Er kritisiert die Geldschöpfung, das existierende System der Banken und prophezeite 2009 das Verschwinden der Währungen bereits für 2011. Um diesen Übergang bewältigen zu können, sprach er sich für "spezialisierte elektronische Gutscheine" in einer Übergangsphase aus und favorisierte ein bedingungsloses Grundeinkommen in Form von Gütern oder Dienstleistungen.
Worauf das hinausliefe, können wohl nur Leute übersehen, die in einer esoterischen Traumwelt leben. Hörmann scheint ein wenig realistischer zu sein. Er weiß sehr gut, daß die Wenschen noch nicht so sind, wie sie sein sollten. Und deshalb fordert er - nachdem in dem von Quetzalcoatl verlinkten Interview:
Wir brauchen Psychologie, wir brauchen Soziologie, wir brauchen Technologie und wir brauchen ein anderes Menschenbild.
Gleich darauf sagt er:
Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften sind keine Wissenschaften. Weil etwas, das ich nicht überprüfen kann, das ich aber aus Gründen, die ich nicht erklären kann, anderen als Norm vorgeben will, kann man nicht mit Wissenschaft rechtfertigen. Das sind nichts anderes als Fassaden zur Aufrechterhaltung von Herrschaftsmustern.
Das ist fein beobachtet. Aber Psychologie und Soziologie sind Wissenschaften, deren Methoden und Ergebnisse jeder Überprüfung standhalten? Gehe ich recht in der Annahme, daß nach Meinung des Professors Psychologen und Soziologen im Verein mit Technologen über unser Menschenbild bestimmen sollten?

Was dabei herauskommt, wenn man diesen Leuten das Denken überläßt, zeigte schon vor Jahren auf besonders eindrucksvolle Weise die Stadt Wien. Im Zuge des Gender Mainstreaming wurden dort die altbekannten und jedermann jederschtean verschteandlichen Piktogramme wie Baustelle oder Fluchtweg oder Fahrradweg gegen neue ausgetauscht, so daß nun endlich auch Frauen überall sichtbar sind. Und woran sind sie nach der Meinung all derer zu erkennen, die für die Kampagne verantwortlich sind? Ganz einfach. Frauen, so die Botschaft dieser Piktogramme, unterscheiden sich von Männern, weil sie stets, sogar als Bauarbeiterinnen, schulterlange Haare, Rock und Stiefel tragen:

schild_baustelle_big


Dieses Piktogramm - ich muß es betonen - ist kein Teil einer Kunstaktion. Es ist überall in Wien (und nicht nur dort) zu sehen, so wie dieses:

schild_fluchtweg_big

Meine Freund- und Bekannt_innen vermag ich in diesem Bilde nicht wiederzuerkennen, sehr wohl jedoch jene Pubertäterinnen, die 1966 für Nancy Sinatra schwärmten, 1976 in die Frauengruppen stiefelten, 1986 in der Politik und in den Ämtern ankamen und uns nun, verbündet mit den ihnen genehmen Neutren, zu mehr Geschlechtersensibilität erziehen wollen, indem sie jedschtean niedertrampeln, dschtean sich ihrer kosmetischen Behandlung widersetzt. Viele ihrer Kritiker halten das Gender Mainstreaming für links und kommunistisch. Tatsächlich aber ist es nur dumm und anmaßend obendrein; eines der vielen Symptome des Verfalls der westlichen Welt und ihrer sogenannten Demokratien.

Ein anderes Symptom ist, wie jedschtean aufmerksame Beobachtschtean weiß, der Niedergang des Fernsehens, das (wie nicht anders zu erwarten war) zu einem Medium verkommen ist, worin jedschtean Blödschtean sich und schtean Geschwätz rund um die Uhr präsentieren kann. Bei Harald Schmidt war gestern zu sehen, welche Kapriolen das Infotainment schlägt, sobald etwas Historisches passiert wie jüngst die Tötung des Top-Terroristen. Wie war nochmal sein Name? Wir erfahren es in diesem Video ab 2:58. Hörenswert ist allerdings auch die Anmoderation. Ab 5:10 bekommen wir zu hören und zu sehen, was Helmut Schmidt und Peter Scholl-Latour am Montag bei Beckmann zu sagen hatten; ab 8:04 ist für die Nachwelt dokumentiert, wann der Anschlag auf das World Trade Center stattgefunden hat. Wer diese Welt verstehen will, sollte das verlinkte Video also keinesfalls verpassen.

Was mich betrifft, so habe ich inzwischen einen schönen Maimorgen verpaßt; was auch daran liegt, daß der Kunstfrühling gestern begann und ich entsprechend verkatert bin, wenn auch nicht von den zwei Beck's, die ich abends getrunken habe. Darüber jedoch vielleicht später mehr.

du die Überschrift zu diesem Text gelesen hast, wirst du gewiß über die Sterne gestolpert sein, so wie ich einst gestolpert bin, als ich zum erstenmal Migrant_innen las.

Ein Bekannter klärte mich vor ca. drei Jahren über den Sinn des vermeintlichen Tippfehlers auf. Wohl weil mir das alles zu absurd schien, vergaß ich es gleich wieder und wunderte mich weiter, bis ich vorgestern endlich Google konsultierte und mich mit eigenen Augen von meiner Blindheit überzeugen konnte: hatte ich doch jahrelang übersehen, daß die Lücke _ etwas sichtbar machen soll, und zwar nicht nur irgendetwas, sondern Personen wie mich und so manch* meiner Freund* und Bekannt*. Dem gleichen Zweck dient auch der Stern. Die durch ihn oder den Unterstrich bezeichneten Lücken werden Gender Gap genannt, erfuhr ich bei Wikipedia.
Als Gender Gap (= "Geschlechter-Zwischenraum", manchmal auch als Gender_Gap geschrieben rsp. Gendergap bzw. nur Gap genannt) wird die meist durch einen Unterstrich gefüllte Lücke zwischen maskuliner und femininer Endung bezeichnet. Sie wird bei Wörtern eingefügt, welche Informationen über das soziale Geschlecht (Gender) enthalten können (z. B.: Lehrer_innen). Es ist eine aus dem Bereich der Queer-Theorie stammende Variante des Binnen-I. Der Gender Gap soll ein Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten, auch jener abseits der gesellschaftlich hegemonialen Zweigeschlechtlichkeit sein.
Darauf wäre ich nie gekommen, schon gar nicht bei Bezeichnungen wie Gesamtschüler_innenvertretung Bremen. Als ich das zum erstenmal las, mußt' ich mich unwillkürlich fragen, ob es neuerdings vielleicht auch eine Außenvertretung der Gesamtschüler gebe; so wie ich bei Lieb* Les* nicht etwa an Liebe Leserinnen und Leser, sondern Liebe Lesben denken mußte und absolut nichts mehr verstehen würde, hörte ich eine Rede, die genderpolitisch korrekt mit Liebschtean Demonstrantschtean begönne. Wenn ich so etwas lese oder höre, kann ich nur noch Sterne sehen, und mein Schädel droht vor lauter Lärm zu platzen. Intelligentere als ich hingegen, etwa jene Person, die ihren nicht eben geschlechtsneutralen Namen mit S_he abkürzt, - Intelligentere als ich hingegen finden das alles erotisch. Mit dem Unterstrich nämlich oder mit dem Schtean in gesprochenen Texten, so heißt es in schteanem Text Performing the Gap,
ist der Platz markiert, den unsere Sprache nicht zulässt, ein Raum spielerischer und erotisch-lüsterner Geschlechtlichkeit, den es in unserer Geschlechterordnung nicht geben darf.
Also:
Es ist der _ in Leser_In, Freund_In, Liebhaber_In, der genau diesen Raum bilden soll. Zwischen die Grenzen einer rigiden Geschlechterordnung gesetzt, ist er die Verräumlichung des Unsichtbaren, die permanente Möglichkeit des Unmöglichen.
Denn:
In einer queeren Perspektive geht es [...] darum, in diesen Raum zu floaten und dort zu verweilen, sich die dort liegenden Geschlechtsmöglichkeiten zu Eigen zu machen und sich darin zu räkeln und auszutoben. [...] Queer oder transig zu sein heißt, nicht mehr in die traditionellen Konzepte von Körper, Geschlecht und Begehren zu passen; es heißt, traditionelle Bilder zu entgrenzen. Eine Vorstellung, die Donna Haraway mit der berühmten Metapher der Cyborg belegt hat. Die Cyborg ist das Geschöpf einer Post-Gender-Welt, Hybrid aus Mensch und Maschine, welche die Grenzen zwischen natürlich/künstlich, innen/außen, normal/pervers oder männlich/weiblich zusammenbrechen lässt.
Und das soll erstrebenswert sein? Sicherlich für S_he und die Computer-, Medizin- und Pornoindustrie:
Denken wir beispielsweise an die Gummischwänze und Gummibrüste, wie sie von Crossdresser_Innen gerne getragen werden. Warum sollten sie nicht Teil des Körpers sein? Weil sie sich nicht echt anfühlen? Aber was soll denn bitte "echt anfühlen" heißen?
Das mögen sich die Cyborgs fragen. Ich aber bin kein Cyborg und habe nie daran gezweifelt, daß das Bein, das ein Chirurg einst meinem kriegsverletzten Vater amputieren und durch eine Prothese ersetzt sehen wollte, echter sei als das Artefakt. Ich habe mit meinem Vater um sein Bein gebangt, so wie meine Mutter. Doch nun weiß ich, daß die Sorge völlig unbegründet war. Wir hätten uns einfach sagen müssen:
Einen Körper zu haben heißt [...], ein Set an Inszenierungspraktiken zu beherrschen, das jederzeit abrufbar und einsetzbar ist.
Mein Körper ist also nur, was ich mir als meinen Körper denke:
Fühlen sich die abgebundenen Brüste einer butch etwa echter an als meine Gummititten? Ich fühle sie sehr wohl, ich spüre sie als Teil meines Körpers, es erregt mich, wenn meine Freund_In daran herumfummelt. Und dass sie nicht Teil meines Körpers sein sollten, auf diese Idee würde ich nicht kommen. Ich kann vielleicht keinen Brustkrebs bekommen, noch kann ich mein Baby stillen, aber sollen das etwas die Merkmale sein, die darüber entscheiden, ob meine Brüste ein Teil meines Körpers sind oder nicht?
Eine gute Frage, die sich bestens eignet, Unfall- und Kriegsopfern gestellt zu werden. Trauert doch nicht dem hinterher, was ihr verloren habt. Denkt ganz einfach anders über eure Ersatzteile. Denn:
Es gilt nicht, etwas Verlorenes, ursprünglich Eigenes wieder anzugeignen [sic]. Hier wird nicht aus der Perspektive der Entfremdung gesprochen, sondern aus der Perspektive lustvoller und ungewisser Neugierde. Aneignung bedeutet hier keine Rückkehr, kein Zurück zu einem Zustand, der jetzt schon zu benennen wäre. Vielmehr ist dieser Prozess durch seine Ungewissheit gekennzeichnet, wie sie eine undogmatisch-emanzipatorisch Linke besitzen sollte.
Für diese sogenannte Linke, in deren Texten ich vieles wiederentdecke, was windige Esoteriker uns seit Jahrzehnten als Weisheit verkaufen, steht eine Berliner Gruppe, die seit 1993 existiert und in deren Selbstdarstellung sich Sätze wie dieser finden:
Die Forderung nach der "Kultur" als Feld linker Interventionen hat sich im Gegenteil eher verselbständigt, so dass sich auf der einen Seite eine radikale Kulturkritik als einziges Moment und Medium der Thematisierung von progressiver Veränderung der Verhältnisse bzw. auf der anderen Seite der Rückzug auf reine Ideologie- und Wertkritik verstanden als konsequente Antipolitik entwickelt haben.
Wenn ich so etwas lese oder gar höre, fühle ich mich stets wie vor den Kopf geschlagen. Mein Schädel dröhnt und schmerzt, ich sehe nur noch Sterne, ich verstehe nichts mehr und habe panische Angst davor, hineingezogen zu werden in das tiefe schwarze Loch des Gender Gap, der nur eines sichtbar macht: den Irrsinn einer sog. undogmatisch-emanzipatorischen Linken, die gern von Bewegung spricht, aber Gruppen namens FelS gebiert und immer mehr zum Sammelbecken all der Borderliner zu werden droht, die den bereits etablierten Autisten das ideologische Rüstzeug dafür liefern, aus allen Menschen Objekte zu machen, die beliebig programmierbar und überall für alle Zwecke einsetzbar sind. Wer nicht mehr zwischen Gummititten und echten unterscheiden kann und das auch gar nicht will, der wird auch nicht oder bald nicht mehr zwischen seinen eigenen und fremden Gefühlen und Gedanken, Bedürfnissen und Zielen unterscheiden können oder wollen. Ist ein solchen Wesen erst ein paar Monate alt, finde ich es niedlich, wenn es einen Teddy mit der Mutterbrust verwechselt. Ist ein solches Wesen ein paar Jahre alt, finde ich es höchst bedenklich. Wenn aber ein an Jahren erwachsener Mensch allen Ernstes behauptet, er könne nicht zwischen einem Teil aus Gummi und seinem Körper unterscheiden, finde ich das pathologisch - so pathologisch wie alle Versuche, unsere in Jahrtausenden gewachsene Sprache den Bedürfnissen einer solchen Minderheit gemäß zurechtzubiegen: einer Minderheit, die einerseits die binäre Struktur unserer Sprache bekämpft, andererseits jedoch - wie S_he - an derselben Stelle fordert:
Die Aneignung queerer Lebensweisen muss weiterhin mit einer linksradikalen Position verknüpft bleiben, wenn sie eine radikale Gesellschaftskritik sein möchte.
Da ist es also wieder, das binäre Denken; nur diesmal in politischer Gestalt. Wollt ihr dieses total radikale Denken? Wollt ihr es, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir es uns heute überhaupt erst vorstellen können?

Diese Frage möge jeder für sich selbst beantworten, so wie es jedem freisteht, sich den Sprachregelungen all der Nazisten Narzißten anzuschließen, die bestrebt sind, unsere gesamte Sprache zu durchlöchern, um endlich sichtbar zu werden, und damit unser gesamtes Denken auf sich und sich und nochmal sich und sonst gar nichts zu konzentrieren. Doch in einigen Jahrzehnten möge keiner kommen und sagen: Ich habe wirklich nicht wissen können, daß nichts übrigbleiben würde als diese Trümmerwüste, die uns nun sichtbar macht, was wir verloren haben, als wir blind den Cyborgs in ihren totalen Krieg erst gegen die Sprache und schließlich gegen alle Menschen folgten.

aus dem realen und medialen Irrsinn des 21. Jahrhunderts überkam mich gestern das Bedürfnis, einmal wieder Goethe zu lesen. Ich griff mir also den Band 11 der Artemis-Gedenkausgabe, schlug das beinahe 1200 Seiten umfassende Buch an einer beliebigen Stelle auf und las sogleich diesen Satz:
Überhaupt aber ist dies die entschiedenste Wirkung aller Kunstwerke, daß sie uns in den Zustand der Zeit und der Individuen versetzen, die sie hervorbrachten.
Sehr eiligen oder sehr dummen Lesern wird dieser Satz nichts sagen, schon gar nichts über dessen Verfasser. Mir jedoch erschien er wie ein Evangelium, so wie die gesamte Passage aus der Italienischen Reise. Sie handelt von den antiken Statuen im Rom des Jahres 1788 und endet mit den Worten:
Kann man dergleichen Umbegung in Rom tagtäglich genießen, so wird man zugleich habsüchtig darnach; man verlangt solche Gebilde neben sich aufzustellen, und gute Gipsabgüsse, als die eigentlichen Faksimiles, geben hiezu die beste Gelegenheit. Wenn man des Morgens die Augen aufschlägt, fühlt man sich von dem Vortrefflichsten gerührt; alles unser Denken und Sinnen ist von solchen Gestalten begleitet, und es wird dadurch unmöglich, in Barbarei zurückzufallen.
Was inzwischen längst geschehen ist. Denn was sehen die meisten Menschen, wenn sie morgens aufwachen, ob auf dem Lande oder in der Stadt? Und was hören sie?

Heute nacht erzählte ich einem meiner wenigen noch verbliebenen Freunde aus besseren Tagen von meinem Erlebnis mit Goethe. In welchem Buch von heute, fragte ich, könne man auf jeder Seite solche Sätze finden? In den allermeisten Neuerscheinungen keinen einzigen, erst recht keinen sprachlich so angenehm klaren. Und bevor ich mich zu Bett begab, strich ich wiederum an meinem Regal entlang, griff mir den zweiten Band der Strahlungen von Ernst Jünger und las diesen Tagebucheintrag vom 7. August 1945:
Ich besuche meine alten Wohnungen oder vielmehr deren Schutthaufen. In der Seilerstraße, in die meine ersten Erinnerungen zurückführen, wurden Ruinen gesprengt. Als ich dort aus den schmalen Fenstern schaute, wurde an Flugzeuge noch nicht einmal gedacht.

Die Verbindung zum Mittelalter ist nun zerschnitten - ich meine das nicht nur architektonisch, sondern auch in Gedanken an die ununterbrochene Kette von Geschlechtern, die in den Fachwerkhäusern mit den gotischen Dächern und den vergoldeten Spruchbalken einander ablösten.
Inzwischen haben Sprengungen noch ganz anderer Art bewirkt, daß sich verdächtig macht, wer solche Zeilen liest oder gar zitiert. Denn was damit gesagt wird, zählt nicht mehr. Auf die Gesinnung des Autors kommt es an. Und wer war dieser Autor? Ein veredelter Faschist, resümierte Jutta Ditfurth 1998: und dies wohl gewiß nicht nach aufmerksamer Lektüre von Jüngers Tagebüchern. Denn wer wirklich liest (also wirklich zuhört, was ein anderer zu sagen hat) und nicht nur nach 'Stellen' sucht, um ein vorgefaßtes Urteil als objektives erscheinen zu lassen, der schreibt differenzierter; etwa so wie der Blogger Hartmut Finkeldey vor neun Tagen über das Menschenbild von Jutta Ditfurths Vater Hoimar von Ditfurth, aber auch von Konrad Lorenz. Beider Menschenbild ist kein sehr schmeichelhaftes, fußt es doch auf der naturwissenschaftlich begründeten und bis jetzt durch niemanden widerlegten Tatsache, daß wir alle, ob wir's wollen oder nicht, im Prinzip noch immer im wesentlichen wie Neandertaler funktionieren. So etwas lesen 'Linke' nicht gern; auch nicht in einem 'linken' Blog. Also hat Finkeldey schreiben müssen:
Das mag man jetzt als Naturalisierung, also als Ideologie, entlarven. Da wäre auch einiges dran – doch Vorsicht! So einfach ist die Sache nicht. Dithfurth plädiert ja massiv dafür, die höheren Etagen aufzusuchen. Er entschuldigt nichts; er beschreibt.
So ist es. Hoimar von Ditfurth beschreibt. Aus seinen Büchern weht nicht der Ungeist des Faschismus, sondern spürbar ein Rest des Geistes der Goethezeit. Ein intelligenter und gebildeter Blogger wie Hartmut Finkeldey läuft vor diesem Geist nicht wie ein Kind davon. Er schreibt:
Ich halte die Lorenz-Ditfurthsche Antwort – weil es etwas in uns anrührt, was seit Äonen in uns angelegt ist – zumindest für verhandelbar. Und die Ditfurthsche Antwort, wir müssten das erst einmal als Ist-Zustand so akzeptieren, dann aber ne Etage höher steigen, sogar für sehr verhandelbar! Das zumindest sollte – blödes Modewort, aber es stimmt – ergebnisoffen diskutiert werden. Wer hier undiskutiert "reaktionäre Ideologie" bei der Arbeit sieht, hat die Geschichte der letzten Hundert Jahre [sic] nicht zur Kenntnis genommen. [...] Warum die Herren Eltern es gewollt haben, war Ditfurths Frage. Ich wüsste es auch gerne. Er hat zumindest eine Antwort versucht. Es wäre gut, wenn "die" Linke – wer ist schon "die" Linke – sich mit diesen Antworten ein mal anders als per aggressiver Abwehr befassen würde. Es könnte die Debatte über diese Frage auch die Debatte über die Gründe für das linke Dauerscheitern befruchten.
Auch diese Sätze erschienen mir, als ich sie vorgestern las, verglichen mit denen in anderen Blogs oder Mainstream-Medien beinahe wie ein Evangelium. Endlich einmal wieder einer, der es gewagt hat, seinen Kopf aus dem Sande zu ziehen. Doch was würde Jutta Ditfurth dazu sagen? Könnte sie den Schreiber dieser Sätze (der gelegentlich auch zustimmend auf den großen und auch von Vater Ditfurth höchst geschätzten Arthur Schopenhauer hinweist), ohne ihn zu denunzieren) noch als 'Linken' anerkennen? Muß man, um in 'linken' Kreisen nicht als 'rechts' zu gelten, inzwischen wirklich ein aufgeblasener Flachkopf sein?

Diese Frage stellt sich mir schon seit Jahrzehnten, und sie bedrückte mich zutiefst, als ich am letzten Donnerstag Sahra Wagenknecht sah. Man höre ganz ergebnisoffen, wie sie Harald Schmidt gegenüber die Vorzüge des Kommunismus pries. Wem käme da nicht Finkeldeys Diktum vom Dauerscheitern der Linken wieder in den Sinn. Außer Thesen nix gewesen. Zumindest nicht in dieser Sendung.

Wie also kann es mit der 'Linken' weitergehen? Weiß der Teufel. Jedem Menschen aber, der noch bei Sinnen ist, wird klar sein, daß es nicht gut weitergehen kann, wenn 'Linke' ohne Scheuklappen andere 'Linke' immer wieder bitten müssen, das zu tun, was doch selbstverständlich sein sollte: Menschen aus anderen Zeiten und/oder mit anderen Ansichten wirklich ergebnisoffen zuzuhören. Ist das zuviel verlangt?

Ganz offensichtlich: ja. Schon wer als Nachgeborener noch Goethe liest, macht sich höchst verdächtig; und wer gar Ernst Jünger liest, anstatt nur erregt nach 'Stellen' zu suchen, sollte das besser heimlich tun. Eben darum aber muß immer wieder gesagt werden: daß es äußerst lehrreich ist, Jüngers Tagebücher seit dem Zweiten Weltkrieg mit Goethes autobiographischen Schriften zu vergleichen, aber auch mit den Schriften des 'linken' und von mir seit über 20 Jahren allen zur Lektüre empfohlenen Emigranten Günther Anders, der 1985 einen Aufsatz mit dem Titel Warum ich nicht mit Ernst Jünger in einer Zeitschrift erscheinen will veröffentlicht hat. Ich kenne diesen Aufsatz nicht, Anders jedoch gut genug, um ihn und seine Ansichten respektieren zu können. Er mußte Jünger naturgemäß verabscheuen, weil er Jüngers Zeitgenosse, Jünger aber (biographisch betrachtet) nicht sein Leidgenosse war. Die Nachgeborenen jedoch tun nicht gut daran, der einen oder anderen Führerfigur Vaterfigur zu folgen. Den 'rechten' und manchen 'linken' Autoren, sofern intelligent und aufmerksam genug, die Entwicklung der Technik und des Menschen genau zu verfolgen, war nämlich mehr gemeinsam, als zu übersehen wir uns haben leisten können. Mit der Katastrophe von Fukushima ist es noch stärker zutage getreten. Am 10. August 1945 notierte Ernst Jünger, nachdem er durch einen Herrn Koepp aus Göttingen vom Abwurf der ersten Atombombe über Japan gehört hatte:
Sogleich ergriff mich heftiger Kopfschmerz, der immer noch währt. Die letzten Jahre waren an solchen Nachrichten reich. Sie fallen ins Innere wie Gift in einen See. Die Pfanzen, die Fische, ja selbst die Ungeheuer, die dort leben, beginnen zu kränkeln; die Farben löschen aus.
Und zwei Tage später:
Die Massen sind ohnmächtig und werden es immer mehr. Man muß bedenken, daß die modernen Führer, besonders wenn sie durch die allgemeinen Wahlen emporgestiegen sind, ein ganz vorzügliches Gewissen aufweisen. Sie können ja nur dorthin gelangen, wenn sie von sich und ihren zwei, drei Gemeinplätzen völlig durchdrungen sind. Das führt zur Reduktion auf die einfachsten Umrisse. [...] Das eigentliche Tempo wird zudem von anderen Greminien bestimmt, in denen man nur in den ersten Rang kommt, wenn man Tausende auf dem Gewissen hat. Das ist die Auslese. Dort kennt man die Dämonenstärke, die das vergossene Blut, vor allem das Blut der Unschuldigen, verleiht. Da schreckt man vor Zahlen nicht zurück, wenn sie in den Kalkül passen.
Am Golf von Mexiko ist niemand davor zurückgeschreckt, nicht anderswo und auch nicht in Fukushima, und wir können täglich das Gift in unserem Innern spüren. All unser Denken und Sinnen ist begleitet von den Mißgestalten, die schon lauern, wenn wir morgens die Augen aufschlagen, und es wird dadurch unmöglich, für immer aus der Barbarei zurückzukehren.

2011_04100144-500

wehte mich heute an, als ich, bei laufendem Radio eingeschlafen, mit einem katholischen Gottesdienst aus der Gemeinde St. Remigius in Ingelheim erwachte. Gebetet wurde unter anderem für die Menschen in Ägypten, Bahrain, Libyen etc., für unsere Politiker und Wissenschaftler, aber auch für die Kirche. Was der Pfarrer sagte, mit Bezug auf die Bergpredigt, wirkte echt und überzeugend; immerhin so überzeugend, daß ich mir ein äußeres Bild von ihm machte, das - wie ich eben sah - diesem Bild entspricht. Möge der Katholik Karl-Theodor inzwischen einen so verständigen Beichtvater gefunden haben. Er hat ihn bitter nötig, so wie all seine politischen Gegner, die jetzt auf ihn eindreschen, jedoch nicht besser sind als er. Man sollte nur mal ihre sog. Referenten fragen.

Doch wie sollte es auch anders sein? Wir leben nunmal im Endstadium eines Systems, das von der Arbeitsteilung lebt; gemäß den Worten eines meiner widerlichsten Chefs von einst, der sich gern als Gutsherr aufführte: "Ich arbeite nicht. Ich lasse arbeiten."

Ich hege den Verdacht, daß es mittlerweile Chefs gibt, die ihren Angestellten sagen: "Ich denke nicht. Ich lasse denken." Was nichts anderes bedeutet als: "Ich lebe nicht. Ich lasse leben."

Welcome to the machine.

Wohl alle sind sich darüber einig, was in den Kommentaren zu meinem letzten Blogeintrag steht und was ich kursiv gesetzt habe. Der Schwarzmaler schrieb:
Wir leben in vorrevolutionären Zeiten, uns fehlen nur zwei Dinge - eine Vision - Idee, Ideologie, Religion -, und junge aggressive Kämpfer. Obwohl, wenn ich... Gnade uns Gott.
- und Sonnenfleisch schrieb:
Denn, wie der Schwarzmaler richtig bemerkt, es fehlen eben "Kämpfer", Leute, die alles riskieren, und eine einigende Ideologie (wollen wir die überhaupt?) – oder auch nur eine bloße Idee von dem, was "danach" kommen soll.
Letzteres muß wohl so sein, gäbe es doch bei jedem Danach mit Sicherheit einen Verlierer: unseren Planeten. Schon Pier Paolo Pasolini hat vor beinahe 40 Jahren geschrieben, die jungen Faschisten und die jungen Antifaschisten seien einander im Prinzip gleich: weil gleichgemacht durch die alles nivellierende totalitäre Konsumgesellschaft. Diese Beobachtung läßt sich 1:1 auf die Gegenwart übertragen. Die 'Linken' wie die 'Rechten', abgesehen von ein paar Hardcore-Ökofreaks auf jeder Seite, würden keinesfalls auf die Bequemlichkeiten unseres Lebens verzichten wollen, und die Massen schon gar nicht. Wir alle sind nicht einfach nur Menschen; wir sind längst Anhängsel der Technik und können uns ein menschenwürdiges Leben nur rückblickend vorstellen. Doch es gibt kein Zurück. Die Erde ist verwüstet, und die Werte derer, die aufbegehren würden, haben sich derart geändert, daß sie mit den Werten der Menschen um 1800 kaum noch etwas gemeinsam haben. Wohin auch immer uns ein Aufstand führen würde: es wäre ein Faschismus neuen Typs, ob von 'rechts' oder von 'links'. Und wohin auch immer wir ohne Aufstand gelangen werden: es wird ein Faschismus neuen Typs. Der ist ohne eine Technik, die unser aller Bewußtsein formt und täglich kontrolliert, nicht mehr zu denken. Und die größten Erfolgsaussichten hat ein weltweiter Faschismus, der die Menschen am wenigstens spüren läßt, daß sie nicht mehr sind, was sie um 1800 noch waren: Wesen, die zum größten Teil in Einklang mit dem Planeten Erde lebten. Der ist unserer längst überdrüssig. Und deshalb, so glaube ich, gibt es keine Idee und wird es keine davon geben, was nach einem Aufstand an Gutem für uns Menschen kommen könnte und weltweit und für jeden weltpraktikabel wäre. Es gibt kein Zurück zur Natur und kein Vorwärts in die Natur, jedenfalls nicht mit uns Menschen. Wir sind an unsere Grenzen gestoßen. Und unsere Tragik besteht darin, daß wir dennoch weiterleben müssen. Da wir es jedoch nicht als Menschen können, steuern wir mit immer größerer Geschwindigkeit auf unsere Selbstvernichtung zu: ein langer Abschied, der bereits für alle sichtbar, aber nicht von allen wahrgenommen, allerspätestens mit dem Zweiten Weltkrieg begann: also mit den jungen Kämpfern, die damals aufeinander losgingen, im Namen von Volk & Vaterland, des internationalen Sozialismus oder der Demokratie. Auch heute haben wir in den westlichen Ländern wieder diese jungen Kämpfer; nur daß diese jungen Kämpfer eben Produkte der Technik sind und vorerst größtenteils nur mit Worten aufeinander eindreschen. Was der 'rechte' Mob zu sagen hat, kennen wir zur Genüge; doch was sagen dessen Gegner auf der 'linken' Seite? Sie bestätigen auf besonders eindrucksvolle Weise Pasolinis These, ob als Journalisten oder Schreiber von Kommentaren wie diesem zu dem französischen Manifest Der kommende Aufstand:
Es handelt sich um ein reaktionäres Machwerk reaktionärer Kulturkritik. Da wird es dem Konservativen ganz warm ums Herz, geht es doch gegen die ganze böse Moderne und die Demokratie, auch wenn er die propagierten Methoden natürlich zurückweisen muss. [...] Wer ernsthaft meint, dass sei ein Beitrag zur linken theoretischen Debatte, dem haben sie kackbraun ins Hirn geschissen.
Hier wie auch an vielen anderen Stellen wird deutlich, daß als kackbraun nicht nur gilt, wer antisemitische, rassistische und sexistische Phrasen drischt und mit Gewalt die Vorherrschaft des nichtjüdischen weißen Mannes durchsetzen und erhalten will. Als kackbraun gilt den 'linken' Wortführern in der jetzigen Debatte bereits, wer tiefes Unbehagen an der Technik äußert sowie an einem Herrschaftssystem und einer Gesellschaft, die auf dieser Technik basieren und sie nicht im Sinne der Aufklärung nutzen, sondern zur Verblödung anderer und/oder ihrer selbst. Was dabei herauskommt, kann ich jeden Dienstag in meiner Ausbildungsstätte studieren: aggressive junge Männer, die an ihren elektronischen Geräten hängen wie die Junkies an der Nadel; Zwanzigjährige, die weder richtig lesen, schreiben und rechnen und sich (woher sie auch kommen) kaum verbal verständigen können; Menschen ohne Werte, antisoziale Wesen; Zeitbomben, die nur darauf warten, daß sie gezündet werden. Wer sie zünden wird, ist ihnen völlig gleichgültig. Sie sind bereit, Randale zu machen, nur um der Randale willen; und sie werden Randale machen und sich zuallererst gegen alle wenden, die für all das stehen, was sie hassen. Was aber hassen sie am allermeisten? Alles, was sie auch nur im entferntesten an all die Werte erinnert, ohne die ein menschliches Zusammenleben nicht möglich ist. Diese Werte werden von ihnen als die Werte irgendwelcher Fotzen wahrgenommen: so daß diese kleinen Gangsta-Rapper (deren vermeintliche Kultur von altlinken Sozialarbeitern schon seit 20 Jahren verklärt und gefördert wird) ihren Haß vor allem gegen alles richten werden, was ihnen schwach und weiblich vorkommt: Frauen, Schwule, Juden. "Alle Juden sind Spacken", sagte mir gestern einer meiner Kursteilnehmer. Ob er auch nur einen einzigen Juden kenne? fragte ich ihn. "Ja. Der wurde von allen verprügelt", sagte er, und sein Grinsen sprach Bände, so wie das Gesicht seines Kumpels, eines türkischen Migranten. Beide sind nicht rechts. Beide sind 'nur' früh verkümmert, vielleicht schon im Mutterleib. Sie sind antisozial, dumm und ungebildet; und das werden sie bleiben. Denn was für die gesamte Menschheit und für die Natur gilt, das gilt auch für die Individuen, trotz aller gegenteiligen Behauptungen. Man kann nicht noch einmal zurück zum Urzustand und dann alles besser machen. Das weiß jedes Kind, das sagt: Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen. Bestenfalls verhelfen sie den Doowen (denen also, die deaf sind für alles Soziale und Kulturelle im ursprünglichen Sinne), ihr Doofsein geschickt zu verbergen und sogar Karriere zu machen. Was dabei herauskommt, sehen wir täglich. Sie tanzen uns auf der Nase herum, ob in den Schulen, in der Wirtschaft oder in der Politik; und wer ihnen in die Quere kommt, der wird gemobbt und mundtot gemacht und notfalls mit Gewalt beseitigt. Und daran, daß die Doowen mit Hilfe ihrer Schläue und Brutalität stets an die Macht gelangen, egal ob unter 'rechtem' oder unter 'linkem' Vorzeichen, wird sich niemals etwas ändern. Deshalb auch gelten die allermeisten Denker als Reaktionäre, wenn es darum geht, ihre noch so fortschrittlichen politischen Theorien in die Praxis umzusetzen. Sie wissen, daß die Macher ihre Erkenntnisse nur nutzen werden, um sich an die Stelle der alten Unterdrücker zu setzen.

Deshalb bin ich konservativ, aber wider willen. Denn ich wünsche mir zutiefst eine Revolution. Doch wo sind die Revolutionäre, denen ich vertrauen und die ich unterstützen könnte? Wo sind die jungen Kämpfer, deren Aggressionen sich ausschließlich gegen all das richten, was uns kaputtmacht? Ich sehe unter denen, die im Internet und zuweilen auch auf den Straßen für die zukünftige Revolte üben, nur lauter Irre, die gegen all das kämpfen, wovon sie glauben, es hätte sie kaputtgemacht oder könnte sie kaputtmachen. Also werden sie alles zerstören, was sie an all das erinnert, worunter sie gelitten haben. Die einen werden alles 'Linke' zerschlagen, die anderen alles 'Rechte'. Und was wird übrigbleiben? Nichts außer der Technik; denn die ist weder 'rechts' noch 'links'. Dies jedoch wäre nicht im Sinne der Natur. Und deshalb, so fürchte ich für die Menschheit und hoffe ich für die Natur, wird der kommende Aufstand (der nichts anderes sein wird als ein weltweiter Kampf aller gegen alle) damit enden, daß nur Menschen übrigbleiben, die mit unserer hochentwickelten Technik und mit unseren Ideologien nichts anzufangen wissen und es diesem Planeten gestatten, sich von allem zu erholen, was die Menschheit im Namen der Aufklärung, des Fortschritts, der Demokratie und aller Ismen; sprich: der Moderne an ihm gesündigt hat.

Welch ein Jammer nur, daß es so kommen wird, früher oder später. Gnade uns Gott.

*

[Nachtrag, 16:04] Kaum habe ich diesen Artikel online gestellt, schon lese ich hier, jemand habe einen Obdachlosen angezündet:
Die Tat geschah am Donnerstag vergangener Woche auf dem Grundstück einer Obdachlosenunterkunft im Faßberger Ortsteil Schmarbeck-Grube. Ersten Erkenntnissen zufolge soll das Opfer stark angetrunken gewesen sein. Laut Ermittlungen hat der Täter den 48-Jährigen erst misshandelt und dann in Brand gesetzt. Warum er den Mann anzündete, ist noch völlig unklar.
Tja, diese Menschheit ist wirklich nicht zu retten.

Nämlich sapiens und neanderthalensis. Das hat die Wissenschaft nun endlich festgestellt, ein für allemal. Aber eben nicht nur das. Unsere Vorfahren waren allesamt schwul, konnten aber Kinder zeugen und sie austragen und gebären. Der Homo sapiens hat den passiven Part gespielt, und der dümmere Neandertaler, klar! war der geile Stecher. So ist es passiert:
Vor 80 000 Jahren an irgendeinem Tag im Nahen Osten wird man sich zunächst staunend gegenübergestanden haben: Der bullige Neandertaler und der zierlichere, aber beweglichere Homo sapiens sapiens. Ob sie auch gegeneinander gekämpft haben, die beiden so unterschiedlichen Söhne des Homo heidelbergensis, wissen wir nicht. Aber wir wissen jetzt, dass sie sich gepaart haben. Zeit genug dazu hatten sie: Beide lebten Zehntausende Jahre in denselben Regionen. Als Resultat dieser Begegnung haben wir ein bis vier Prozent Neandertal-Gene in uns.
Hätten die beiden Kerle es nicht miteinander getrieben, wäre uns manches erspart geblieben. Immerhin jedoch ist nun endlich bewiesen: Männer sind von Natur aus schwul und haben wie im Paradies gelebt, bis ihnen Eva in die Queere kam. Das hat der Neandertaler in ihnen bis heute nicht verwunden.

Und es ist so gekommen, wie es kommen mußte: Bischof Mixa wird nun auch der sexuellen Gewalt bezichtigt. "Dabei habe", so Spiegel online vor 1 Stunde, "die katholische Kirche selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, sagte eine Sprecherin des bayerischen Justizministeriums".

So vergeht der Ruhm des Abendlandes mitsamt seinem Patriarchat. Und was wird an dessen Stelle treten? Der aufgeklärte, edle Mensch? Wer das glaubt, der ist naiv. Die Geschichte wird sich wiederholen, nur mit anderen Darstellern in anderen Kostümen und inmitten anderer Kulissen. Die größten Kritiker der Pfaffen sind in Wahrheit auch nur Affen.

Donnerwetter! dachte ich, als ich das gestern abend las, und zwar nicht irgendwo, sondern mal wieder bei tagesschau.de, wo es in einem Kommentar zu dem zufälligerweise gerade jetzt erfolgten, zum Glück aber noch gerade vereitelten Fugzeugattentat heißt:
Die Anschläge des 11. September waren viele Jahre lang das Totschlagargument, mit dem sich Politiker und Geheimdienste praktisch alles erlauben konnten.
Das ist richtig. Doch wer es, wie Ulrich Wickert damals, auch nur anzudeuten wagte, dem wurde ein Maulkorb verpaßt. Wir alle hatten ja Amerikaner zu sein. Und ein Amerikaner war nur, wer alles guthieß, was G.W. Bush sagte und tat. Weiter heißt es in dem Kommentar:
Damit ist es jetzt vorbei, sie haben den Kredit verspielt.
Und selbstverständlich wird darauf hingewiesen, Barack Obama sei nicht schuld am Versagen der US-Sicherheitskräfte: als hätte dieser Wahnsinn nicht Methode.
Ein einzelner Mann hat es geschafft, die Welt in eine neue Terrorpanik zu stürzen,
heißt es bei DiePresse.com. Nun ja: ein einzelner Brandstifter, scheinbar mal wieder nur aus Versehen unterstützt von den Biedermännern der CIA. Doch der österreichische Kommentator ist sogar noch etwas mutiger:
Der "Hoffnungsbringer" Obama setzt hier nahtlos an die Bush-Politik an. [...] Geradezu reflexartig äußerte sich der US-Präsident zu dem Flugzeugbomber, kündigte noch am selben Tag bessere Maßnahmen an, bevor die genauen Umstände geklärt waren. Die Doktrin des Präventivschlags gilt wohl auch für die US-Innenpolitik.
Und für die Außenpolitik sowieso:
Laut britischer Regierung kamen Premierminister Gordon Brown und US-Präsident Obama überein, eine Polizeieinheit im Jemen zur Terrorabwehr zu finanzieren,
wurde inzwischen gemeldet, während Wolfgang Bosbach sich darüber freut, daß schon gar bald Ganzkörperscanner auch an deutschen Flughäfen zum Einsatz kommen werden. Der liebe Gott, der alles sieht, ist nun wieder über uns gekommen: in Gestalt des Staates und seiner Helfershelfer, z.B. Google. Hierzu diese Meldung:
Als eine Moderatorin des US-Fernsehsenders CNBC Google-Chef Eric Schmidt am Montagabend nach all den Daten fragte, die sein Konzern über Internetnutzer besitzt, sagte Schmidt einen denkwürdigen Satz: "Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun."
Hierzu bemerkt der Kommentator Christian Stöcker in seinem lesenswerten Artikel:
Dieses Weltbild - "wer nichts zu verbergen hat, braucht sich doch keine Sorgen zu machen", kennt man aus totalitären Staaten. Dass es nun vom Chef des größten Datensammlers der Menschheitsgeschichte öffentlich vertreten wird, ist besorgniserregend.
Doch es war voraussehbar; denn Eric Schmidt sagte ja nur, was die allermeisten Leute sagen. Seit sie sich von den Medien (und speziell von Serien wie Big Brother) dazu haben abrichten lassen, alle Hüllen fallenzulassen, macht es ihnen absolut nichts aus, rund um die Uhr überwacht und durchleuchtet zu werden. Sie haben ja wirklich nichts zu verbergen, nicht einmal ihre Dummheit und Geilheit, die sie nicht mit Scham, sondern mit Stolz erfüllen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es allein in diesem Land Millionen Menschen gibt, die insgeheim allenfalls darüber verärgert sind, daß die neuen Körperscanner ihre Genitalien, Intimpiercings & Tattoos nicht in allen Einzelheiten erfassen werden. Was erzählte mir doch gestern ein Bekannter über seinen um 1970 geborenen Chef? Der hat außer Geld nichts als Sex im Kopf und redet unausgesetzt davon, "manchmal im Minutentakt", sagte mein Bekannter. Wenn ein wichtiges Meeting mit Geschäftspartnern bevorsteht, pflegt der Chef zu sagen:
Und dann legen wir alle unsere Schwänze aufm Tisch, und dann wollnwer doch ma sehen, wer den längsten hat.
Dieser Chef ist einer jener naßforschen Typen, die von Airport zu Airport düsen und sich nicht im geringsten daran stören, ständig kontrolliert und durchleuchtet zu werden. Jammern werden diese Typen erst, wenn sich die gesundheitlichen Folgen zeigen. Die politischen und sozialen sind ihnen völlig gleichgültig, solange die Rendite stimmt. Ja, so wurden sie konditioniert, die Kinder von Marx & Coca-Cola und der sexuellen Revolution. Die meisten von ihnen sind völlig frei. Vor allem von Verstand. Nur einige von ihnen merken allmählich, was doch schon am 11. September 2001 offensichtlich war: daß dieser Angriff auf Amerika dazu dienen würde, all das durchzusetzen, was schon längst geplant war - nämlich die Abschaffung der Freiheit, die es den Herren von heute ermöglicht hat, an die Macht zu kommen.

Und im letzten halben Jahr hat sich auch wieder gezeigt, was Naomi Klein in ihrem von so vielen Rezensenten belächelten Buch The Shock Doctrine. The Rise of Disaster Capitalism geschrieben hat: wir werden systematisch einer Schockbehandlung unterzogen, die uns derart lähmt, daß wir all das mit uns machen lassen, wovon die Besserwisser unter uns einst meinten, sie wären dagegen gefeit. Ihnen entgeht kein Hakenkreuz und keine schwarze Sonne, und sie reagieren äußerst sensibel auf ein gerolltes R oder gar auf das, was sie faschistische Ästhetik nennen und überall zu erblicken glauben. Doch was unser Leben vor 20 Jahren zu prägen begann, nämlich die aalglatte Techno-Ästhetik, die Logos und die allem zugrundeliegende Ideologie der neofeudalistischen Menschheitsoptimierer, haben sie ebenso verpennt wie die nun allmählich auch in den Mainstream-Medien präsente Erkenntnis, daß mit 9/11 nicht nur der Krieg gegen den Terrorismus begann, sondern der Krieg gegen alle, die sich der Neuen Weltordnung widersetzen und damit auch den Plänen derer, die uns optimieren und schließlich abschaffen wollen. Ob es ein Zufall ist, daß auf einem ihrer Logos die New Yorker Freiheitsstatue zu sehen ist: die uns doch mittlerweile, Gott sei's geklagt! schon lange nicht mehr das verheißt, was sie einst zu verheißen schien?

Menschen, die kein Problem mit alledem haben, wovon gerade die Rede war, und die an ihrem Handy hängen wie ein Baby an der Flasche mit Muttermilchersatz, werden sich gern widerstandlos mit jener Riesenmaschine verschalten lassen, von der jene träumen, die sich und ihresgleichen gern Brights und/oder Humanisten nennen, aber bereits Transhumanisten sind. Ihr Ziel ist das Mind Uploading. Man muß schon sehr bright blöd sein, um nicht sofort zu merken, worum es wirklich geht: um die perfekte Mind Control.

Das Totschlagargument 9/11 ist jetzt schon von gestern. Das neue und finale heißt Gesundheit und Unsterblichkeit. Danach sehnen sich alle, Atheisten wie Monotheisten. Und deshalb hatte ich soeben eine gute Geschäftsidee. Doch leider ist die Firma Herbalife bereits darauf gekommen und hat die Domains reserviert. Was'n Scheiß. Ich glaubte doch ein so perfektes Totschlagwort und damit für meine Zukunft ausgesorgt zu haben: HEALTHALITY.

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