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Dead Souls

fragte mich einer meiner Freunde aus der Kunstszene, nachdem ich ihm vorgestern diese Zeilen vorgelesen und und zu raten aufgegeben hatte, von wem sie stammen könnten:
Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab
Und dann fick ich euch in' Arsch so wie ihr's mit den Kleinen macht
Ich bin nur traurig und nicht wütend trotzdem will ich euch töten
Ihr tötet Kinder und Föten und dir zerquetsch ich die Klöten

Ihr habt einfach keine Größe
(Und eure kleinen Schwänze nicht im Griff)
Warum liebst du keine Möse?
(Weil jeder Mensch doch aus einer ist)

Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer?
Wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?
Wo sind unsere Kämpfer, unsere Lebensretter?
Unsere Fährtenspürer...(Aha!) Wo sind sie jetzt?
Für alle, die es noch nicht wissen: diese Reimereien stammen nicht von der berüchtigten Schulhof-CD der NPD, sondern von zwei Teilnehmern der Bertelsmann-Politkampagne Du bist Deutschland. Es singt der Christ Xavier Naidoo, es rappt der Muslim Kool Savas. Beide zusammen nennen sich Xavas, und ihre erste gemeinsame CD, auf der die holprigen Verse als Hidden Track zu hören sind, war gleich nach Erscheinen die Nr. 1 der deutschen Album-Charts. Inzwischen hat Bushido sich diesen Platz erobert, und 'solid sowie queer.NRW haben gegen Naidoo und Savas Strafanzeige erstattet, denn: "Dieser Song transportiert Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Homophobie."

Das ist richtig, auch wenn es aus Kinderfreundlichkeit geschah; und es ist so offensichtlich, daß das eigentliche Ärgernis darin besteht, wie lange es gedauert hat, bis auch jene, die so gern laut gegen Nazis sind, auf den Text reagiert haben. Wie peinlich, daß der erste kritishe Artikel ausgerechnet in der Springerwelt erschien, und das bereits am 21. September. Noch peinlicher allerdings ist, was weder 'solid noch queer.NRW noch irgendwer sonst für erwähnenswert gehalten hat. Die Zeile Warum liebst du keine Möse? ist nämlich weniger schwulen- als vielmehr frauenfeindlich. Einen Schwulen zu fragen, warum er keine Frauen liebt, ist zwar taktlos und in diesem Kontext als Vorwurf zu verstehen; doch noch ungeheuerlicher ist es, daß Frauen im betreffenden Vers auf ihre Vagina reduziert werden und die Erstatter der Anzeige das nicht bemerkt zu haben scheinen. Frauen sind, wie so oft, nur mal wieder mitgemeint, wenn von Menschenfeindlichkeit die Rede ist. Schwule Männer hingegen beanspruchen, wie ebenfalls so oft, einen Sonderstatus: als Opfer einer in den USA erfundenen psychischen Störung namens Homophobie. Doch auch das ist noch nicht alles. In einem Interview mit FFN sagte Naidoo (zitiert nach Spiegel online): "Da geht es um furchtbare Ritualmorde an Kindern, die tatsächlich ganz viel in Europa passieren, über die aber nie jemand spricht, nie jemand berichtet."

rm Was, wie jeder YouTube-Nutzer weiß, kompletter Blödsinn ist. Der 2001 und 2003 ausgestrahlte ARD-Zweiteiler Höllenleben ist ein Dauerbrenner in diversen Videoportalen, so wie das Thema Ritualmorde, wo von Satan die Rede ist, mit mehr oder minder deutlichen Hinweisen auf jene Weltverschwörer, die angeblich dahinterstecken. Auch den latenten Antisemitismus des Hidden Tracks scheint noch niemand bemerkt zu haben. Der gesamte Text steht hier, unter Bonus Track.

Yo Alda, diss iss Doitschelan. Legionen 'linker' Pädagogen & Politiker glorifizieren den HipHop seit über 20 Jahren als CNN der Unterdrückten, und das haben sie nun davon: Zehn-, ja vielleicht Hunderttausende oder gar Millionen hören diesen nun nicht mehr hidden Dreck, der kein Einzelfall für dieses Genre ist, sondern leider die Regel. HipHop ist, trotz seiner respektablen Anfänge, kein musikalisches Phänomen. HipHop ist ein Kopffick.
rap.de: Dein Album heißt "Kopffick mit Niveau". Wer oder was ist denn ein Kopffick mit Niveau?

D-Bo: Also, Kopffick mit Niveau ist eigentlich nur ein Wortspiel, weil es sich zusammensetzt aus zwei großen Themen, die mich als Künstler und auch dieses Album auszeichnen. Es geht um Optik im übertragenen Sinne, also um Probleme, die den Kopf ficken und die Seele belasten. Und das andere ist halt das Niveau, was mein Anspruch musikalisch ist. Und das zusammen ist Kopffick mit Niveau.
Im Politsprech liest sich das so:
Heute habe ich die Neuköllner Röntgenschule zur Abschlusspräsentation des Projektes "Hip Hop macht Schule" in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung besucht. [...] Im Mittelpunkt des Projektes stand zu zeigen, dass Politik auch Spaß machen und Veränderungen zum Beispiel in der Schule oder im Kiez bewirken kann.
Welche Art von Veränderungen all die Kieztypen wollen, deren Sprachrohr unsere von der Politik hofierten Rapper sind: das ist nun publik geworden. Wird man daraus lernen, was zu lernen wäre? Nein. Kopffick macht Schule. Auf höchstem Niveau.

In Bremen ist es kurz vor 3 Uhr nachts, es ist windig und es regnet, und ich höre B-103, Long Island's Greatest Hits, büschen Country, büschen Rock, alles nur in Dur, vermischt mit Werbespots und kurzen Reportagen von der Sturmfront: Windgeschwindigkeiten, Überschwemmungen, Schulausfälle und all das. Von Toten höre ich nichts. Die sind den US-Medien nicht der Rede wert; denn schließlich sterben in einer gewöhnlichen Nacht in New York -zigmal mehr Menschen durch Menschenhand als in dieser Nacht durch einen Hurrikan namens Sandy. Auch auf der Startseite der New York Times wird nicht erwähnt, was in Deutschland mittlerweile jeder weiß, der die Nachrichten verfolgt. Schon 4 Tote in den USA und Kanada! Und 1 Baukran umgestürzt! Die Freiheitsstatue im dunkeln! Weshalb nun schon seit Jahren die deutsche Online-Medienhysterie, sobald in einer US-Metropole das Wetter ungemütlich wird?

Auf diese Frage läßt sich mehr als nur eine Antwort geben. Aber alle Antworten laufen schließlich auf die gleiche hinaus. Wir sollen nicht mehr wissen, wo wir sind und wer wir sind. Und wir sollen es beizeiten lernen, die Natur als unseren größten Feind zu betrachten und nicht die Irren, die sie zerstören.

... except in this case", sagt der Superhero in die Kamera hinein. Und gleich darauf:
Mirror, mirror framed in gold,
in your depths a story, old,
of a rock star who became a MONSTER!
Das ist nun schon lange her. Aus welchem Jahr genau der Clip stammt, weiß ich nicht; denn ich war nicht nur nie ein Fan von Gary Glitter, sondern habe ihn verabscheut, seit mir sein erster Hit zu Ohren kam. Für mich war er der personifizierte Niedergang meiner geliebten Popmusik, und das sagte ich damals jedem, mit dem ich über Popmusik sprach. "Je mehr sie von Rock'nRoll singen, desto weniger nachen sie", sagte ich und verwies immer wieder auf Glitters primitive Stampfstücke mit den schmierig-anzüglichen Texten, die ganz offensichtlich geschrieben worden waren, um Dreizehnjährige zu sexualisieren. Damals allerdings, mit meinen 17 Jahren, war ich noch so naiv zu glauben, es gehe nur ums Geld, und wechselte sofort den Sender, wenn ich ein Stück von Gary Glitter hörte. Inzwischen aber weiß ich, worum es diesem Macker (der das Gehabe der musikalisch nicht minder unbegabten Gangsta-Rapper vorwegnahm) auch noch ging: um die stetige Zufuhr von Frischfleich für ihn und seine Pädo-Gang. Wer das nicht glaubt, der sehe sich den verlinkten Werbespot ganz genau an und lese die Texte zu seinen Hits. Sie sind allesamt das Selbstbekenntnis eines notorischen Kinderfickers und seiner Kinderfickerbande, die jahrzehntelang in aller Öffentlichkeit top of the pops poppers war, genauer: die Spitze des Eisbergs, der nun allmählich aus dem Meer des Schweigens aufzutauchen beginnt.

Als ich zum erstenmal einen sog. Pädophilen sah, war ich knapp 11 Jahre alt. Weil er nie enttarnt wurde und ich keine Beweise habe, darf ich hier nur sagen, daß dieser allseits beliebte evangelische Kirchenmann sehr honorig wirkte, mir jedoch sofort seltsam unheimlich war, ohne daß ich einen konkreten Grund dafür hätte nennen können. Seine Zugewandtheit uns Kindern gegenüber habe ich als unecht empfunden: sie hatte etwas so Lauerndes, daß ich ihn und seinen ersten Blick auf unsere Krippenspielgruppe noch heute mit Schaudern vor mir sehe.

Zur selben Zeit - im November 1965 - begann ich exzessiv das englischsprachige Programm von Radio Luxemburg zu hören. Auch dort gab es einen Mann, den ich wegen seiner Art intuitiv nicht ausstehen konnte. Es war der DJ Jimmy Savile, dessen unablässiges Gutelaunegequatsche mir so derart auf die Nerven ging, daß ich mir stets einen anderen Sender suchte. Hier ist es zu hören. Und es folgt, na was'n Zufall, der Hit The Pied Pieper a.k.a. Der Rattenfänger von Hameln. Als ich Savile Jahrzehnte später zum erstenmal sah, als Moderator der alljährlichen NME-Poll-Veranstaltung, wußte ich noch nichts davon, was in Großbritannien längst alle Spatzen von den Dächern pfiffen. Ich war nur froh, diesen offenbar krankhaft narzißtischen Hampelmann als Kind nicht gesehen zu haben. Er wäre mir zutiefst unsympathisch gewesen und hätte mir die gesamte Beatmusik vermiest, so wie wenig später sein Kollege Dave Lee Travis beinahe den gesamten Beat-Club. Auch dieser DJ wird inzwischen der sexuellen Anmache junger Mädchen beschuldigt. Ob das stimmt oder nicht, ist hier nicht von Belang. Wichtig ist nur wieder einmal, daß sich all die Jungs auf den kulturellen Zeitgeist der 60er und 70er Jahre berufen werden. Und der wurde, wie inzwischen offensichtlich ist, maßgeblich von Typen wie Savile geprägt, sei's in der Verkleidung als Psychiater, Psychologe, Popstar, Pädagoge, Priester oder Politrevoluzzer. Die sexuelle Revolution, so scheint es, war zu einem beträchtlichen Teil das Projekt einer pädosexuellen Minderheit, die zusammenhielt, wenn es darum ging, die sexuelle Gewalt gegenüber Minderjährigen salonfähig zu machen, und zerstritten war, sofern es darum ging, einander die Beute abzujagen.

Als bemerkenswert empfinde ich die Reaktion der deutschen Medien auf die Vorgänge rund um die BBC. Es gibt zwar diverse Berichte, doch es wird der Anschein erweckt, als handele es sich bei allem nur um ein britisches Phänomen. Richtig daran ist, daß es Leute wie Savile oder Gary Glitter hierzulande nicht gegeben hat. Doch unsere Gewalttäter waren nur nicht so glamourös maskiert. Es waren unzählige Pfaffen und unzählige Pädagogen, aber ganz gewiß auch diverse spätere Politiker. Von Daniel Cohn-Bendit wissen wir, wie experimentierfreudig auch jene Männer (und zuweilen Frauen) waren, die wir heute als Achtunsechziger bezeichnen. Seine diesbezüglichen Schilderungen hat er später als Provokationen und Fiktionen abgetan. Doch sie entsprachen genau dem, was in manchen auch mir bekannten 'aufgeklärten' und 'alternativen' Kreisen gang und gäbe war. Hier ist das betreffende Kapitel des autobiographischen Buchs Der grosse Basar (1975 bei Trikont erschienen) im vollen Wortlaut von 1975 nachzulesen. Doch die Opfer des gar zu praxisorientierten Teils der SexPol-Bewegung werden sich wohl niemals zu erkennen geben; denn die Odenwaldschule, so wird es uns größtenteils vermittelt, sei ja nur einer von wenigen bedauerlichen Einzelfällen außerhalb der katholischen Kirche gewesen. Über das tatsächliche Ausmaß der pädosexuellen Umtriebe zu munkeln wird, wie so vieles andere auch, den tatsächlichen und vermeintlichen Rechten überlassen. Wir bekommen zwar gelegentlich auch in 'linken' Zeitungen Artikel oder Interviews zu lesen, die uns stutzig machen könnten, dürfen jedoch nicht einmal zu denken wagen, daß Macht und sexuelle Gewalt und infame Heuchelei offenbar zusammengehören, nicht nur in der katholischen Kirche und auch nicht nur in Großbritannien, als Edward Heath Premierminister war.

Ich sage immer wieder: An ihrer Sprache sollt ihr sie erkennen; und das gilt auch gerade dann, wenn sie nur Witzchen zu machen oder zu übertreiben scheinen, so wie Jimmy Savile 1975 in Top of the Pops. Nach einem Auftritt von Gary Glitter verkündet er den jubelnden Teenies: "He's mad, I tell you."

Schon lange habe ich nichts mehr geschrieben, weil ich nicht mehr weiß, was ich noch schreiben soll. Im Prinzip habe ich ja alles schon tausendmal gesagt. Also rate ich denen, die hier noch vorbeikucken, heute nur dringend, diese wichtige und hervorragend gemachte ARTE-Dokumentation über die jetzige und zukünftige Rolle der Maschinen in unserem Leben sowie die Trans- und Posthumanisten keinesfalls zu verpassen. Am Samstag (27. Oktober) wird sie um 14.25 Uhr wiederholt; danach ist sie noch 7 Tage auf ARTE+7 zu sehen.

Und wer noch mehr über die Religion der Technikfetischisten wissen will, der sehe sich einmal dies hier an.

Iran ist kein mittelalterliches, sondern ein hochmodernes Land. Die Wirtschaft boomt! Trotz Sanktionen! Teheran ist moderner als Berlin, es gibt 20spurige Stadtautobahnen, die auch nachts um 12 Uhr noch verstopft sind, und einen 2007 erbauten Fernsehturm, der höher als der auf dem Alexanderlatz ist. Die Bautätigkeit ist atemberaubend: Auf Schritt und Tritt werden neue Hochhäuser hochgezogen, so etwas habe ich nicht einmal in Berlin in den Jahren nach der Wiedervereinigung erlebt. Bettler, Prostituierte, Elend, Schmutz – all das sucht man vergeblich.

Und wer hat das geschrieben? Kein anderer als Jürgen Elsässer nach seiner Privataudienz beim iranischen Präsidenten.

Dazu fällt mir nur noch ein, was Freunde von mir berichteten, nachdem sie 1975 in Tirana gewesen waren. Dort sei es sehr sauber, und es gebe keine Kriminalität. Sogar R.s ganzer Stolz, ein vereiterter Fußnagel in einer Streichholzschachtel, die auf seinem Nachttisch lag, sei vom Zimmermädchen, das jeden Tag Staub gewischt habe, nicht achtlos weggeworfen worden.

Das Osterfest 2012 steht unter einem schlechten Stern: als Osterfest der alten Männer, die noch kurz vor ihrem Tode alte Rechnungen begleichen wollen und wütend aufeinander eindreschen, und all der jungschen Typen, die ihnen dabei zusehen und brüllen: Hautse, hautse feste auffe Schnauze!

Günter Grass war mir stets unsympathisch, ganz so wie Wolf Biermann. Grass lesen zu müssen bereitet mir die gleiche Qual wie Biermann hören zu müssen. Und wenn ich sie sehe, kann ich sie kaum voneinander unterscheiden. Noch schwieriger wohl wäre es, könnt' ich diesen Wendehälsen hinter die Fassade blicken. Doch manchmal hat der eine recht, dann wieder der andere. In diesen Tagen sind sie beide einander ziemlich nah. Biermann berichtet in der Springerwelt:
Alle, mit denen ich hier in Israel spreche, sagen dasselbe: Ein Krieg gegen die iranischen Atomfabriken wäre nicht nur brandgefährlich, sondern auch zwecklos, weil ein solcher Militärschlag das Problem nicht löst, sondern nur verschiebt und auf Dauer sogar verschärft.
Und er sagt, was unabhängig von aller Politik längst hätte gesagt werden müssen, zum Schutze der Lyrik vor talentlosen Autoren und schamlosen Deutschlehrern:
Eine Dichtung ist das nicht. Es ist eine beleidigende Aufschneiderei, dass Günter Grass seine stümperhafte Prosa am Ende auch noch zerstückelt hat, dass er uns seine Satzfetzen untereinander setzte und der Menschheit nun verkauft als freie Rhythmen, als reimlose Lyrik. Das ist eine literarische Todsünde.
Von einer sehr ähnlich gearteten Sünde, die ebenfalls der von den Flachköpfen falsch verstandenen Aufklärung entsprang, sprach der Papst in seiner nächtlichen Ostermesse:
Heutzutage können wir unsere Städte so hell erleuchten, dass der Himmel nicht mehr zu sehen ist. Ist das nicht ein Bild der Probleme, die von unserer Version der Erleuchtung hervorgerufen wurde?
Diese Erleuchtung ist (schon die Sprache sagt es) genauso illusorisch wie jene, daß man Prosa nur zerschnippeln müsse, um ein Gedicht zu erhalten. Deshalb wäre es für alle, die Aufkläricht mit Aufklärung verwechseln, dringend an der Zeit, endlich die reimlose Lyrik von Johann Wolfgang Goethe zu lesen, so wie Immanuel Kant, an den uns ausgerechnet der alte Mann im Vatikan erinnert:
Zwey Dinge erfüllen das Gemüth mit immer neuer und zunehmenden Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beſchäfftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. Beide darf ich nicht als in Dunkelheiten verhüllt, oder im Ueberschwenglichen, außer meinem Gesichtskreise, suchen und blos vermuthen; ich sehe sie vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewußtseyn meiner Existenz. Das erste fängt von dem Platze an, den ich in der äußern Sinnenwelt einnehme, und erweitert die Verknüpfung, darin ich stehe, ins unabsehlich-Große mit Welten über Welten und Systemen von Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer. Das zweyte fängt von meinem unsichtbaren Selbst, meiner Persönlichkeit, an, und stellt mich in einer Welt dar, die wahre Unendlichkeit hat, aber nur dem Verstande spürbar iſt, und mit welcher (dadurch aber auch zugleich mit allen jenen sichtbaren Welten) ich mich, nicht wie dort, in blos zufälliger, sondern allgemeiner und nothwendiger Verknüpfung erkenne. Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit, als eines thierischen Geschöpfs, das die Materie, daraus es ward, dem Planeten (einem bloßen Punct im Weltall) wieder zurückgeben muß, nachdem es eine kurze Zeit (man weiß nicht wie) mit Lebenskraft versehen gewesen. Der zweyte erhebt dagegen meinen Werth, als einer Intelligenz, unendlich, durch meine Persönlichkeit, in welcher das moralische Gesetz mir ein von der Thierheit und selbst von der ganzen Sinnenwelt unabhängiges Leben offenbart, wenigstens so viel sich aus der zweckmäßigen Bestimmung meines Daseyns durch dieses Gesetz, welche nicht auf Bedingungen und Grenzen dieses Lebens eingeschränkt ist, sondern ins Unendliche geht, abnehmen läßt.
Doch wozu noch darüber meditieren, was die Alten geschrieben haben? Jeder Hohlkopf ist inzwischen so erleuchtet, daß er überall eine Keule finden kann, um alle zu erschlagen, die noch selbständig zu denken und sich zu irren wagen, so wie Georg Schramm, wenn er (wie hier ab 12:30) über Armageddon spricht:



Frohe Ostern allerseits.

Daß die wirklich so heißen.

Und wieder scheint die Sonne, wenigstens die Sonne über uns, und wieder wird gegen die Banken und den Kapitalismus demonstriert, hier in Bremen erst um 15 Uhr. Also noch mal eben kucken, was denn so getwittert wird, auch an dieser Stelle. Abgesehen davon, daß man den Kapitalismus in der Pfeife rauchen und ein Zionistentreffen boykottieren und die Anti-Antifa denunzieren müsse, fand ich diesen Aufruf von gestern:

fd1

Und diesen neuen Feiertag gibt es tatsächlich. Dazu aufgerufen hat eine Ikone der Pornoindustrie, der wir nun alle folgen sollen, im Namen der Befreiung der gesamten Pornowelt von Diskriminierungen aller Art. Das ist feministisch, das ist queer, das ist revolutionär. Das ist keine Satire. Deshalb wird auch wohl ganz ernst gemeint sein, was diesen Tweets unmittelbar voranging:

fd2

Und die Sonne scheint und scheint. Für manche aber scheint sie nur noch out of our behinds. Und das soll von nun an jedes Jahr gefeiert werden. Happy World.

Und jetzt geh ich demonstrieren, gegen alle Arschlöcher, kurz: gegen Sodom & Gomorrha.

Dies wird seit diesem Jahr auf Plakaten gefordert, oft mit der Übersetzung von Immanuel Kant: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Und auf den Straßen verteilt man Kronen. Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen sei ein jeder sein eigener König. Wohl kaum einer allerdings ahnt, auf welche Weise mein hochverehrter Arthur Schopenhauer beides zusammenbringt, in seinem Aufsatz Selbstdenken (Erstausgabe 1851):
Das charakteristische Merkmal der Geister ersten Ranges ist die Unmittelbarkeit aller ihrer Urtheile. Alles was sie vorbringen ist Resultat ihres selbsteigenen Denkens und kündigt sich, schon durch den Vortrag, überall als solches an. Sie haben sonach, gleich den Fürsten, eine Reichsunmittelbarkeit, im Reiche der Geister: die Uebrigen sind alle mediatisirt; welches schon an ihrem Stil, der kein eigenes Gepräge hat, zu ersehn ist.

Jeder wahre Selbstdenker also gleicht insofern einem Monarchen: er ist unmittelbar und erkennt niemanden über sich. Seine Urtheile, wie die Beschlüsse eines Monarchen, entspringen aus seiner eigenen Machtvollkommenheit und gehn unmittelbar von ihm selbst aus. Denn, so wenig wie der Monarch Befehle, nimmt er Auktoritäten an, sondern läßt nichts gelten, als was er selbst bestätigt hat. – Das Vulgus der Köpfe hingegen, befangen in allerlei geltenden Meinungen, Auktoritäten und Vorurtheilen, gleicht dem Volke, welches dem Gesetze und Befehle schweigend gehorcht.
Das Volk jedoch, das ist - laut Schopenhauer - mediatisirt. Heutzutage würde er schreiben: durch die Medien verblödet. Weil der geniale Alte jedoch nicht mehr lebt, schreibe ich es seit Jahren, und ich sage es auch immer wieder und habe es am 15. Oktober 2011 auf der Demo in Bremen gesagt und am Tag danach auf dem Ulrichsplatz im Viertel. Diese beiden Tage muß ich hier nicht schildern; ich verweise auf den einschlägigen Beitrag meines Kollegen monoma und meine Kommentare dazu und die Videos und Fotos bei Facebook und YouTube.

Selbstverständlich habe ich auch am Montag gesagt, was die Weisen seit Jahrtausenden sagen. Ich saß nach der Büroarbeit zusammen mit zwei jüngeren Akademikern, sehr sympathischen Menschen aus der sog. Generation Golf. Und wieder geschah das Unvermeidliche. Einer der Erstgenannten schüttelte den Kopf und sagte recht erbost, nachdem ich die Demonstranten gelobt, jedoch vobn der Verblödung ganzer Generationen gesprochen hatte: "Quiri, du polarisierst!" Nicht alle seien verblödet. Der zweite nickte sehr energisch. Ich saß also, wie seit Jahrzehnten immer wieder, auch heute auf der Anklagebank: ausgerechnet ich, der einzige, der sich den jungen Demonstranten angeschlossen und am nächsten Tag an ihrer öffentlichen Nachbesprechung teilgenommen hatte.

Ja, so funktionierte und funktioniert die Massenverblödung ganz speziell unter Deutschlands Akademikern. Man darf nicht verallgemeinern. Man muß stets den Einzelfall betrachten. Man darf nur die Bäume sehen, aber nicht den Wald. Man darf nicht im Geiste der Aufklärung denken; nicht im Geiste des großen Christoph Martin Wieland, der die Redewendung geprägt hat: den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Doch nur wer den Wald zu sehen wagt, der wagt selbst zu denken, und nur wer davon zu reden wagt, ist ein Monarch im Sonne Schopenhauers. Wer es aber nicht wagt, der ist ein Demokrat im Sinne dessen, wozu wir durch die Medien erzogen wurden. Er wähnt sich äußerst kritisch, ist jedoch nichts anderes als ein geduckter Untertan.

Nachdem ich meinen Kontrahenten sehr unwirsch übers Maul gefahren war: es sei mir zu dumm, unter doch eigentlich intelligenten Menschen jede meiner Bemerkungen zu relativieren, um nur ja nicht anzuecken, kehrte allmählich wieder Ruhe ein; und es geschah, was ich schon tausendmal erlebt habe. Einer meiner Gesprächspartner bestätigte genau das, worum es mir gegangen war. Er sagte nämlich: "Also, ich kriege ja viel von diesen jungen Leuten mit. Meine Tochter ist jetzt 18. Und sie und ihre Freunde, die erlebe ich ja oft zusammen. Manchmal finde ich die richtig toll. Aber dann? Oh nee. Soll toll die alle sind, die leben alle irgendwie in einer Traumwelt. Die sind alle total durch das Fernsehen geprägt, diese schrecklichen Serien, die am Vorabend laufen, diese Medienrealität, die nichts zu tun hat mit der Wirklichkeit."

"Siehste woll", sagte ich. "Damit hast du das gesagt, was ich hatte sagen wollen." Und auch jetzt geschah, was stets geschieht. 2011_09300034-250 Das Gespräch mußte abgebrochen werden, nur aus Termingründen, na klar, und es wird nicht fortgesetzt werden, sofern ich nicht darauf bestehe. Bestünde ich darauf, vielleicht auch nur indem ich meinen Kontrahenten den hier verlinkten Text von Schopenhauer schicken würde, ginge der Streit gewiß wieder los. Denn meine Kontrahenten haben erfahrungsgemäß ganz gewiß schon längst vergessen, worum es am Montag ging. Sie haben Termine, rund um die Uhr, oder wollen ganz einfach relaxen. Was Schopenhauer sagt, werden sie nicht mit unserem Gespräch in Verbindung bringen können: nicht etwa aus Dummheit nicht, sondern weil sie so geprägt sind, daß ihnen, was wichtig ist, als völlig nebensächlich erscheint. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Deshalb übersetze ich Sapere aude! inzwischen auch so: Habe den Mut, die Bäume und den Wald zu sehen.

Aber wer versteht noch diese Sprache?

hat zum Thema Papst im Bundestag eine lesenswerte Kolumne geschrieben. Darin steht unter anderem:
Wir brauchen den Papst zum Beispiel, weil das deutsche Forschungsministerium mit öffentlichem Geld die Entwicklung eines Tests fördert, der ohne jedes Risiko für die Mutter feststellt, ob ihr Baby das sogenannte Down Syndrom aufweist. Dieser Test hat nur einen Zweck: Selektion. Ethik und Politik sind nämlich nur manchmal deckungsgleich. Es kann nicht schaden, in Rom einen sitzen zu haben, der mit uns über die Conditio humana in einer Zeit spricht, in der wir glauben, uns mit nichts abfinden zu müssen, in der wir für alles vorsorgen wollen und keine Gefahr mehr laufen mögen - und am Ende doch alle sterben.
Vergessen hat er leider, darauf hinzuweisen, daß diejenigen, die der LSVD vertritt, mit zu den ersten zählen werden, die der Selektion zum Opfer fallen; und daß all die Feministinnen, die gestern protestierten, zu jenen zählen, die nicht leben würden, wo es Usus ist, weibliche Föten abzutreiben oder weibliche Säuglinge gleich nach der Geburt zu töten. Doch das Hexen- & Tuntenvolk und die Nachbeter von Karlheinz Deschner merken nicht, wo der Hammer hängt, und verbreiten solche Aufkleber:
LIEBER 100 GURUS ALS EIN PAPST,
LIEBER 100 SEKTEN ALS EINE ALLEINSELIGMACHENDE KIRCHE!
Den besten Kommentar hierzu schrieb ein Herr jeanluc in das Antville-Blog, worin der Spruch dokumentiert ist: "Lieber 100 Flyer kleben als einmal nachdenken."

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