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Creative Creationists

Heute findet sich auf Spon ein informativer Artikel über die Umtriebe der US-Kreationisten. Darin heißt es:
Die Speerspitze der modernen Kreationisten ist der Center of Science and Culture (CSC) des 1990 gegründeten Discovery Institute. Die Organisation hat nicht weniger zum Ziel als die Zerstörung der Wissenschaft selbst, die sie als "Quelle des Materialismus" verortet. "Wenn man die vorherrschende materialistische Wissenschaft als riesigen Baum betrachtet, soll unsere Strategie wie ein Keil funktionieren", heißt es in einem CSC-Papier mit dem Titel "The Wedge Strategy". "Der Keil ist zwar relativ klein, aber er kann den Stamm spalten, wenn er an seine schwächsten Stellen gelegt wird."
Auf der Website des CSC wiederum findet sich ein PDF-Dokument mit dem Titel A Scientific Dissent from Darwinism. Es handelt es um einen kurzen Text; und der geht so:
Public TV programs, educational policy statements, and science textbooks have asserted that Darwin’s theory of evolution fully explains the complexity of living things. The public has been assured, most recently by spokespersons for PBS’s Evolution series, that "all known scientific evidence supports [Darwinian] evolution" as does "virtually every reputable scientist in the world."

The following scientists dispute the first claim and stand as living testimony in contradiction to the second. There is scientific dissent to Darwinism. It deserves to be heard.
Zu den 100 Unterzeichnern dieses gottgefälligen Aufrufs gehört, wie könnte es anders sein! selbstverständlich auch Siegfried Scherer, der christliche Glaubensbruder des Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU). Bei der vermeintlichen Wissenschaftsdebatte in den USA handelt es sich also nicht nur um einen lächerlichen Streit, der uns nichts anginge: ist der Kreationismus in all seinen Formen (ob es seinen Verfechtern bewußt ist oder nicht) doch Teil einer ideologischen Mobilmachung im Dienste des war against terror, der tatsächlich nichts anderes ist als eine self-fulfilling prophecy: der biblische Endkampf gegen das Böse, worin - wie G.W. Bush & Co. glauben, das Gute den Sieg davontragen und die Weltherrschaft erringen werde. In den USA wie hier verfolgen die Kreationisten i Dienste der Bush-Doktrin vor allem ein Etappenziel:
"Intelligent Design" soll in der Öffentlichkeit als alternative wissenschaftliche Theorie wahrgenommen werden.

Gefühlte Debatte um die Evolutionstheorie

Dieses Ziel haben die Kreationisten mittlerweile erreicht. Forscher können noch so lange das Gegenteil betonen: Die Öffentlichkeit hat den Eindruck gewonnen, um die Plausibilität der Darwinschen Theorie tobe eine wissenschaftliche Debatte - und was für eine.
Auch bei uns dürfte ein Teil der Öffentlichkeit längst diesen eindruck gewonnen haben. Eben deshalb muß allen klar sein, worum es eigentlich geht: um die seitens der Bushregierung angestrebte Unterhöhlung der geistigen Fundamente unseres alten Kontinents und die Re-Barbarisierung Europas. Auch deshalb werden wir die Medienberichterstattung über das sog. Intelligent Design ebenso aufmerksam verfolgen müssen wie die amerikafreundliche Politik der herzlichst mit Dieter Althaus verbundenen christlichen Naturwissenschaftlerin Angela Merkel.

Gestern gab Spon Herrn Dieter Althaus (CDU) die Gelegenheit, seine von der Druckerschwärze des Scherer-Schulbuchs* befleckten Hände öffentlich in Unschuld zu waschen. Hier die entscheidende Passage des Interviews:
Althaus: Es geht nicht darum, den Kreationismus zu propagieren, das ist eine böswillige Unterstellung. Es gibt verschiedenste Theorien, über deren Berechtigung man diskutieren können muss. Dazu gehört die Frage, wie sich der christliche Glaube mit der Evolutionslehre vereinbaren lässt.

SPIEGEL: Dennoch setzen Sie sich dem Vorwurf aus, religiösen Fundamentalisten den Boden zu bereiten.

Althaus: Das ist absoluter Blödsinn. Die Kreationisten lehnen wissenschaftlich erklärbare Theorien wie die Evolutionstheorie von Grund auf ab. Das ist nicht meine Position. Aber eine Diskussion über unterschiedliche Theorien muss möglich sein. Ich habe in der DDR erlebt, dass ideologische Ausrichtungen so stark definiert waren, dass es keine Debatte mehr geben durfte. Ich bin eigentlich froh, dass wir diese Zeit hinter uns gelassen haben.
Ginge es nach jenen Evangelikalen, in deren Umfeld das strittige Buch erschien, käme solch eine Zeit bald wieder; im Sinne Reiches Christi auf Erden. Ob Herr Althaus sich nach einem evangelikalen Staat sehnt, weiß ich allerdings nicht. Ich weiß nur, daß ihm mit Vorsicht zu begegnen ist; denn er scheint, obwohl er Scherer doch schon seit Jahren kennt, weniger über ihn zu wissen als ich nach ein paar Minuten. So sagt er gleich eingangs:
Althaus: Scherer ist nicht mit dem Kreationismus gleichzusetzen.
Das mag sein. Kein Mensch ist mit irgendeinem Ismus gleichzusetzen. Doch weshalb betätigt Herr Scherer er sich so gern als Redner auf kreationistischen Konferenzen & Kongressen, etwa 1994 als Gast der kreationismusgläubigen Christian Science Fellowship? Und weshalb hat der Althaus-Interviewer es versäumt, mal eben schnell nach scherer + creationist zu googeln? Wer nicht zu faul ist, wird rasch feststellen, daß Scherer nicht nur von US-amerikanischen Kreationisten als ihresgleichen akzeptiert wird: so etwa auf der Website www.answersingenesis.org, deren Motto lautet: Upholding the Authority of The Bible From the Very First Verse. Und er wird auch darob erstaunt sein, daß es eine in der Kreationistenszene nicht minder geschätzte Frau Dr. Sigrid Hartwig-Scherer gibt. Sie sei "his wife", las ich zuerst auf www.creationresearch.org. Und das Motto dieser Website? For in six days the LORD made the heavens and the earth, the sea, and all that is in them...

Wer's glaubt, wird selig. Siegfried & Sigrid Scherer zählen ganz offensichtlich schon lange zu den Seligen. Und Herr Althaus, der sich seit Jahren so auffallend für das Scherer-Schulbuch und nun für den untadeligen wissenschaftlichen Ruf seines Glaubensbruders Diskussionsteilnehmers einsetzt, wird wohl wissen, weshalb er es tut. Schließlich hat er anläßlich der Verleihung des Schulbuchpreises 2002 an Scherer und dessen Co-Autor eine Rede mit dem Titel Der Beitrag von Schule zur Werteerziehung gehalten. Darin heißt es (ich zitiere zeichengetreu; Hervorhebung):
Natürlich spielt der Religionsunterricht dabei eine wichtige Rolle. Im Religionsunterricht können Jugendliche erfahren, dass unsere Welt Schöpfung Gottes ist und der Mensch ein teil dieser Schöpfung – in seiner hand ruhend. Hier erfahren sie, dass der Mensch heilsbedürftig bleibt, doch durch Gottes in Christus offenbarter Liebe erlöst und zu einem Leben berufen wurde, das auch den Tod überdauert.
Und er zitiert aus der Vorrede des Schulbuchs:
Niemand kann über diese Fragen nachsinnen, ohne zu glauben – doch jeder wird wählen müssen, was er glauben will. Wenn dieses Buch dazu beigetragen hat, die Unumgänglichkeit dieser Wahl (neu) bewusst zu machen, hat es seinen Zweck erfüllt.
Wer den Schülern predigt, jeder müsse wählen zwischen Evolutionstheorie oder Schöpfungsgeschichte, der setzt sie unter Druck und sagt ihnen implizit, er müsse sich zwischen Gott oder Teufel entscheiden. Und wer solch ein Buch, das offensichtlich von Kreationisten* stammt, mit diesen Worten preist:
Die Evolutionsgläubigen verallgemeinern ihre scheinbar in sich schlüssige Theorie und lassen für die Möglichkeit der Schöpfung keinen Raum. Ihr Buch ist offen und lässt keinen mit einfach, scheinbar in sich schlüssigen Erkenntnisketten allein, sondern zeigt Brüche, wirft Fragen auf und weist auf Antworten hin. Bemerkenswert!
- der gibt sich zwischen den Zeilen zumindest als Sympathisant des Kreationismus zu erkennen. Aufschlußreich ist neben der Rede auch dies (kursive Hervorhebungen von mir):
Jüngere Wissenschaftler, die an dem Buch mitgewirkt haben, möchten nicht namentlich genannt werden, um ihre berufliche Karriere nicht zu gefährden. Scherer konnte aber auf die Mitwirkung seiner an dem Festakt teilnehmenden Ehefrau, einer promovierten Biologin, und des Geschäftsführers der evangelikalen Studiengemeinschaft "Wort und Wissen" (Baiersbronn) Dr. Reinhard Junker hinweisen. Ohne die Unterstützung der Studiengemeinschaft wäre die Schaffung des Buches nicht möglich gewesen.
Am deutlichsten jedoch wird Wolfram Ellinghaus, der Vorsitzende des Vereins, der den Schulbuchpreis verleiht, in seiner Begrüßungsansprache, bei der es sich auch um die Übersetzung eines evangelikalen Ami-Pamphlets handeln könnte. Ich zitiere (Hervorhebungen von mir):
Es ist nicht einzusehen, dass wir untätig zusehen müssen, wie in anderen Ländern dem Nachwuchs eine religiöse Orientierung vermittelt wird – sei es in der Schule, sei es im ganzen privaten und öffentlichen Leben – während bei uns geistig-moralisch und wirtschaftlich alles den Bach hinuntergeht, weil es bei uns daran fehlt, in den öffentlichen Schulen angeblich aus verfassungsrechtlichen Gründen, und das obwohl unsere verfassungsrechtliche Ordnung christlich fundiert ist. Dadurch sind bei uns viele Menschen nicht einmal fähig zum Dialog mit Vertretern anderer Religionen, etwa des Buddhismus, wo ein Vater lieber seine Kinder von Ratten auffressen lässt, als diese Ratten zu erschlagen, oder des Hinduismus mit seinem menschenverachtenden Kastensystem und den Parias, vom Islam ganz zu schweigen.
Womit Herr Ellinghaus seine Fähigkeit zum Dialog mit den Vertretern anderer Religionen, kurz: seine christliche Toleranz höchst eindrucksvoll unter Beweis gestellt hätte. Wie amerikanisch sein Christentum ist, zeigt der folgende Satz:
Von Japan abgesehen sind alle wohlhabenden und wirtschaftlich, technisch und wissenschaftlich führenden Länder der Welt christlich verwurzelt.
Im Klartext: Das Christentum ist die Basis des modernen Kapitalismus. Und die Evolutionslehre?
Eine skandalöse Irreleitung der orientierungsbedürftigen, hilflosen Kinder. Tote Materie kann nicht von selber lebendig werden, das können nur Atheisten meinen. Für sie gibt es nur einen Fall, wo Totes nicht lebendig werden konnte, nämlich der tote Jesus Christus, er konnte nach Meinung der Atheisten nicht wieder lebendig werden.
Wer Ohren hat, der höre. Und wer Augen hat, der sehe. Das Logo des Vereins Lernen für die Deutsche und Europäische Zukunft e.V. zeigt nicht irgendein aufgeschlagenes Buch. Wer die evangelikale Szene auch nur ein wenig kennt, der weiß, daß es die Bibel symbolisiert; und er weiß, daß alles, was so weltoffen daherkommt: als Schulbuch, Schulbuchpreis, Rede oder Diskussionsbeitrag, nicht christlich-abendländisch ist, also nicht vom Geist der Aufklärung geprägt, sondern evangelikal-amerikanisch und eben deshalb auch gar geschäftstüchtig überschrieben mit Unser Unternehmen. Und, oh! es ist ein expandierendes. So jauchzte denn auch jesus-online:
Die Kanzlerkandidatin der CDU/CSU, Angela Merkel, hat eine Reihe engagierter Christen in ihr Kompetenzteam berufen. Die CDU-Vorsitzende - selbst evangelisch - stellte am 17. August in Berlin die Expertenriege vor, die sie im Wahlkampf unterstützen soll. Dem Team, das laut Merkel kein Schattenkabinett sein soll, gehören sechs Katholiken und drei Protestanten an.
Darunter selbstverständlich auch unser frommer Herr Althaus, der sich wärmstens für die Stationierung deutscher Truppen im Irak ausgesprochen und es in Washington fertiggebracht hat, Gott in einer kurzen Rede gleich viermal Dank zu sagen. Aber der wußte schon, weshalb er den Menschen verboten hat, seinen Namen unnütz im Munde zu führen. /> />


Für eines aber müssen wir auch diesen Christen dankbar sein: daß sie auf all das hinweisen, was die neunmalklugen 68er in ihrem kalten Polit-Orgasmus jahrzehntelang versäumt haben. Und das ist, G**t sei's geklagt! eine ganze Menge. Wir sollten es nicht denen überlassen, die uns jetzt geistlich aufrüsten wollen zum letzten Gefecht wider das Böse.

____

* Vgl. hierzu und zum Thema Kreationismus con variazioni die materialreiche Website von Thomas Waschke, die ich erst nach Fertigstellung meines Beitrags entdeckt habe. Wer googelt, der findet.

Jung, dynamisch, amerikanisch: so präsentiert sich Dieter Althaus, CDU, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, auf seiner Website. Jung, dynamisch und amerikanisch geht es auch in Erfurt zu:

Der Erfurter Dialog will einen Beitrag leisten, die geistige Erneuerung in Deutschland voran zu bringen. Er soll den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere der jungen Generation, ein Forum des Aufeinanderzugehens, der Orientierung, des Austausches von Ansichten und Meinungen bieten.

Besonders gelegen ist Herrn Althaus nicht erst neuerdings an der Verbreitung eines bibeltreuen Schulbuchs, dessen Co-Autor Siegfried Scherer er als Referenten eingeladen hat. Hierzu heißt es auf der gemäßig-christlichen Seite livenet.ch:
Auch um ein mit dem Deutschen Schulbuchpreis 2002 ausgezeichnetes evolutionskritisches Lehrbuch ist eine heftige Kontroverse entbrannt. Der Verband Deutscher Biologen und biowissenschaftlicher Fachgesellschaften hat in einem Schreiben an alle Kultus- und Wissenschaftsministerien vor dem Buch gewarnt. Von dem im Giessener Lehrmittelverlag Ulrich Weyel erschienenen Werk "Evolution – ein kritisches Lehrbuch" wurden bisher rund 36.000 Exemplare verkauft. Herausgeber ist die evangelikale Studiengemeinschaft Wort und Wissen (Baiersbronn/Schwarzwald), die die Schöpfungslehre vertritt.

Der thüringische CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende, Dieter Althaus, hatte in seinem Festvortrag bei der Verleihung des Schulbuchpreises im November [2002, Qu.] den beiden Hauptautoren, Prof. Siegfried Scherer (München) und Reinhard Junker (Baiersbronn), zu "diesem ausgezeichneten Lehrbuch" gratuliert. Er hoffe, dass es nicht nur von Biologielehrern für den Unterricht verwendet werde, "sondern auf eine weit darüber hinausgehende Leserschaft trifft", so der ehemalige thüringische Kultusminister.
Wer sich ein Bild von diesen bibeltreuen Christen machen möchte, der inspiziere das Programm des Verlags, der von dem evangelikalen Theologen Reinhard Junker offenbar einzig und allein zu dem Zweck gegründet wurde, unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit den Glauben an die Bibel als das absolut wörtlich zu nehmende Wort Gottes in Deutschland zu verbreiten. Wer meint, das alles sei nicht weiter ernst zu nehmen, der klicke die Links auf der Seite an. Vor allem aber mache er sich mit den Evangelikalen in den USA vertraut und begreife, daß es hier um mehr geht als um christeninterne Streitereien. Diese Evangelikalen, zu denen bekanntlich auch G.W. Bush zählt, sind nicht minder radikal als die islamischen Fundamentalisten. Sie werden mit dazu beitragen, die Welt in jenes Chaos zu stürzen, das uns die Offenbarung des Johannes schildert.

An einer Stellungnahme unserer Kanzlerin in spe, der Bush-Getreuen und promovierten Physikerin Angela Merkel, sowie aller übrigen Spitzenpolitiker der Union wäre ich sehr interessiert.

Und, noch einmal, liebe Leute: Wehret den Anfängen!

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