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Über diese Frage wurde vor einigen Tagen bei Semmel gestritten, wenn auch lächerlicherweise: denn selbstverständlich wird niemand, der noch bei Verstand ist, alle Amis für irre, alle Araber für Terroristen, alle Deutschen für Nazis und alle Schweden für schwul halten.

Pastor Fred Phelps von der Westboro Baptist Church* in Topeka, Kansas, ist solch ein Irrer, der es mit seinem pathologischen Haß speziell auf Schwule und Lesben zu einiger Berühmtheit und einer ausführlichen Würdigung in der Wikipedia gebracht hat. Aber sieht man es ihm an? Nein. Zumindest auf Fotos wirkt er, einer respektablen Familie entstammend, wie ein typischer wohlhabender Südstaatler. Hört man seine sermons, ohne ihn je gesehen zu haben, stellt man ihn sich unwillkürlich anders vor. Ein alter Spinner eben, denkt man als Deutscher, amüsiert sich und findet es vielleicht sogar angenehm exostisch. Im freiesten Land unter Gottes Sonne ist eben alles möglich. Doch diese Demokratie, so wird es uns immer wieder gesagt, verfüge über eine ungeheure Selbstregulierungskraft. Politische und religiöse Extremisten hätten keine Chance. So manch ein Amerikaner jedoch sieht das anders. Sorgenvoll blickt er nach Washington auf G.W. Bush, der trotz seiner täglichen Gebete nicht ganz bei Trost zu sein scheint, beobachtet den völlig freien Markt der religiösen Eitelkeiten und warnt seine noch nicht völlig durchgedrehten Landsleute und die ganze westliche Welt:
Like it or not, this is the reality (or prevailing unreality) with which we are faced. The 2004 elections, regardless of outcome, will not change that. Nor will it necessarily bring ever-tolerant liberals to openly acknowledge what is truly happening in this country, the thing that has been building for a long, long time---a holy war, a covert Christian jihad for control of America and the entire world. Millions of Americans are under the spell of an extraordinarily dangerous mass psychosis.
Joe Bageant aus Virginia, der den christlich-fundamentalistischen Sektenspuek schon seit langem beobachtet, geht sogar noch weiter:
Pardon me, but religious tolerance be damned. Somebody had to say it.
Wer als (vermeintlich) aufgeklärter Mitteleuropäer solche Artikel liest, mag noch daran zweifeln, daß Bageant recht hat; doch wer nicht zu träge ist, sich im Internet umzutun, wird sich schon alsbald ungläbig an den Kopf fassen. Ist es wirklich wahr, daß es mitten in Amerika moderne Business-Typen gibt, die auf absolut professionell gemachten Webseiten* dazu aufrufen, erst in den USA und dann auf der gesamten Welt einen bibeltreuen Christenstaat zu etablieren, worin Abweichler aller Art, also auch Frauen (nur Frauen, versteht sich) für vorehelichen Geschlechtsverkehr gesteinigt werden? Denn die Steinigung, sei der biblisch-ehrwürdigste und kostengünstigste Weg, einen Sünder oder eine Sünderin zu Tode zu befördern.

Ja, es ist wahr. Es ist wirklich wahr. Und es ist auch wahr, daß diese Art von Wahnsinn in den USA via TV, Radio, Buchhandel und Internet millionenfach weiter verbreitet wird; vor allem mittels der beliebten christlich-religiösen Fernsehserie Left Behind*, einschlägigen Mobile Prophecies und Soundtrack-CDs mit sanft dahinplätschernder Mainstream-Mucke. Daß die christlichen Moralapostel in diesem Milliardengeschäft keinen Widerspruch zu ihrem Glauben erblicken, dürfte allgemein bekannt sein. Doch es lohnt sich, ihre Webseiten zu besuchen und mit eigenen Augen zu sehen, wie selbstverständlich sie Gott & Geld miteinander identifizieren. So bietet Gary North auf seiner Website* Specific Answers zu seinen Wealth-building strategies und schreibt
The Bible mandates free market capitalism. [...] When Christianity adheres to the specifics of the Bible, it produces free market capitalism.

On the other hand, when Christianity rejects the specifics of the Bible, it produces socialism or some politically run hybrid "middle way" between capitalism and socialism, where politicians and bureaucrats make the big decisions about how people's wealth will be allocated. Economic growth then slows or is reversed. Always.

Capitalism produces long-term economic growth.
Das glaubt nicht nur Gary North. Millionen Amerikaner glauben es; und diese Amerikaner sind eben nicht, wie die meisten Deutschen noch immer glauben, harmlose Hillbillies oder Spinner wie Fred Phelps, dessen Website äußerlich lachhaft wirkt, sondern wie die hl. Krieger des Propheten Mohammed durchaus auch Typen, deren Frauen nach der neuesten Mode gestylt sind und die jede verfügbare Technik perfekt zu nutzen wissen, um ihren Fanatismus einem Massenpublikum zu verkaufen: und dies auch in Old Europe. Sie nutzen die vielgepriesene amerikanische Freiheit, um sie abzuschaffen, nicht nur in den USA. Und schon jetzt nutzen sie diese Freiheit skrupellos.

Was lernen wir daraus? Daß wir uns unser eigenes Grab schaufeln würden, glaubten wir, die Amis würden uns vor den Islamisten schützen. Die Trennlinie zwischen Wahnsinn und Vernunft ist keine geographische. Sie verläuft quer durch alle Länder dieser Welt. G.W. Bush, so gemäßigt er auch wirken mag, ist ein Mann des religiösen Wahnsinns; und die Mehrheit der amerikanischen Wähler könnte schon bald dafür sorgen, daß dieser Wahnsinn, der dem islamistischen in nichts nachsteht und hierzulande vielen politisch & ökonomisch opportun erscheint, immer offener zutage treten kann. Also kommt es darauf an, uns vor diesem Wahnsinn zu schützen: und uns deshalb nicht auf die guten Amis zu verlassen, die uns einst völlig altruistisch mit Care-Paketen bombardiert und mit Hollywood, dem Rock'n'Roll, Frank Zappa, Michael Jackson, Madonna, Soap Operas wie Holocaust, Dallas und Denver oder Bildung Marke Sesamstraße & Reality TV beglückt haben. Wie aber können wir uns schützen? Nicht zuletzt durch eine Rückbesinnung auf die europäische Kultur und den Austausch mit jenen Menschen, gleich in welchem Land, die diese Kultur erhalten wissen möchten.

Nun höre ich den einen oder anderen naserümpfend fragen, welche Kultur ich damit meine. Allein diese Frage zeigt bereits, wie weit der Wahnsinn bereits an Boden gewonnen hat. Muß man wirklich Leuten, die auf diese Website geraten, des Deutschen mächtig sind und wissen, wie eine Universität von innen aussieht, lang & breit erklären, daß und weshalb ein gewisser Postkartenmaler aus Wien mit der europäischen Kultur herzlich wenig zu schaffen hat, um so mehr jedoch mit deren Zerstörung? Ich denke nicht daran, sondern sage an dieser Stelle nur: Wer die europäische Kultur für überlebt hält und die Amerikaniserung inkl. Neolib & Neocon für wünschenswert, setzt (wenn auch ohne es bewußt zu wollen) das Zerstörungswerk der alten Nazis fort und macht sich zum Hampelmann der neuen, die uns freundlich grinsend vorm islamischen Terror beschützen, es aber kaum erwarten können, alle Völker dieser Erde amerikanisch-christlich zu versklaven.

_____

* Von allen mit einem Sternchen gekennzeichneten Webseiten distanziere ich mich mit Nachdruck, verteidige jedoch das Recht eines jeden Internetnutzers, sie besuchen und sich mit eigenen Augen & Ohren darüber informieren zu können, welches Maß an Irrsinn im freiesten Land der Welt immer weiter um sich greift.
DavidUSA meinte am 4. Sep, 20:03:
Als Amerikaner kann ich nur hoffen, dass uns Katrina von diesem Alptraum erloest. Die massive Kritik an Bush und sein Versagen als Krisenmanager- auch von rechten Seiten - gibt Grund zur Hoffnung. 
quirinus antwortete am 4. Sep, 22:19:
Alle nicht bushbesoffenen Deutschen hoffen ganz gewiß mit. Doch ich bin nicht sonderlich optimistisch; denn auch unsere Politiker sind ja in vielen Dingen alles andere als lernfähig: so wie die Menschheit insgesamt ... 
quirinus meinte am 4. Sep, 22:15:
Thoralf
wird es vielleicht nicht glauben; doch offenbar habe ich seinen Kommentar versehentlich gelöscht. Deshalb hier meine Antwort, bei deren Eingabe es passiert zu sein scheint:

Mit meinen Links habe ich bereits genügend Spuren gelegt, die jeder mit ein wenig Englischkenntnissen & Geduld weiterverfolgen kann. Zu den Informationen betr. Steinigung etwa bin ich über den Artikel von Bageant gekommen. Er nennt diverse Namen & Begriffe, die bei Google eingeben mag, wer sich dafür interessiert. So kann jeder finden, was ich gefunden habe. Linklisten versende ich nicht, da ich aus Gründen der Hygiene nicht jeden Dreck speichere, über den ich gestolpert bin, aber auch kein Interesse daran habe, unentgeltlich Recherchearbeiten für andere zu übernehmen. Was in meinem Blog steht, muß genügen. 
dointime meinte am 4. Sep, 22:39:
Zum Glück glaube ich nicht, dass dieser aggressive Fundamentalismus nach Europa überschwappen wird. Zwar wachsen auch hier die Freikirchen, aber ich habe viele evangelikale Freunde, die ganz anders denken als die von dir genannten Negativbeispiele amerikanischer Christen, auch wenn sie vielleicht Homosexualität ablehnen und Kreationisten sind. 
quirinus antwortete am 4. Sep, 23:16:
Noch betrachte ich die Gefahr auch nicht als sehr groß. Doch die immer depperter werdenden Deutschen werden in den nächsten Jahrzehnten ihre spezifische Art des Ausrastens finden. Und des völligen Wertevakuums wegen werden religiös-esoterische Versatzstücke dabei eine größere Rolle spielen als je zuvor. Mir graust schon jetzt davor, von denen regiert zu werden, die heute zwischen 20 und 30 sind. 
monoma meinte am 5. Sep, 19:18:
hier möchte ich dann doch...
...widersprechen:

"...und weshalb ein gewisser Postkartenmaler aus Wien mit der europäischen Kultur herzlich wenig zu schaffen hat, um so mehr jedoch mit deren Zerstörung? Ich denke nicht daran, sondern sage an dieser Stelle nur: Wer die europäische Kultur für überlebt hält und die Amerikaniserung inkl. Neolib & Neocon für wünschenswert,..."

erstens gehört es imo gerade zu den gerne verschwiegenen seiten der europäischen kultur, dass sie sehr wohl hitler hervorgebracht hat - seine "karriere" begann bereit jahrhunderte vor seinem auftreten, und zwar paradoxerweise mit dem siegeszug der sog. wissenschaftlichen aufklärung, die ein welt- und menschenbild geprägt hat, bei dem schwere schäden für die davon betroffenen realen menschen quasi unausweigerlich sind (und ich empfehle zu diesem thema mal eine nähere beschäftigung mit der biographie von isaac newton als repräsentanten dieser art aufklärung).

zweitens aber: die usa sind immer noch ein kind europas, zumindest gerade die klassen, die dieses land beherrschen - und sie führen die alten unheilvollen traditionen von rassismus, imperialismus etc. fort wie schüler, die ihre lehrer übertrumpfen wollen. es ist schlicht illusion, davon auszugehen, dass die europäischen pendants zu bush und co. hier grundsätzlich anders handeln würden, falls sie die entsprechenden machtmittel hätten.

gruß von blog zu blog (und danke für die verlinkung!)

mo 
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