ihren widerlichen Trubeljubel in die Kameras hinein, sie schrien und sie brüllten, sie klatschten und sie trampelten, sie schlugen sich auf die Schenkel und trommelten auf die Tische und rissen die Arme empor, sie bölkten Alles ist vorbei! zur Melodie von Yellow Submarine, sie lachten grob, sie stammelten Entschuldigungen, gaben ihre Erklärungen ab, schnatterten und schnauzten, blafften und blökten, zeterten und zickten, einer fiel dem andern ins Wort, die Christiansen ließ es geschehen, und wir im Internet palaverten und protestierten, wir schrieben gegen den Irrsinn an, bis wir alle nicht mehr konnten, und ich schaltete die Glotze aus und den Computer, verkroch mich hinter einem Buch, endlich Ruhe, nur Ruhe! doch auch beim Lesen fand ich keine Ruhe, denn ich las in einem Buch über die Geschichte der Musik, was ist hohe Kunst, was nicht, jeder gegen jeden ... mach dir nichts draus ... schau nicht hin ... im Leben geht alles vorüber, ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn ... und es geschah das Wunder, morgens gegen halb fünf, die Vögel begannen zu zwitschern, nein! zu singen, nein! zu jubilieren, ja! zu jubilieren! und ich legte das eitle Menschenwerk beiseite, trat auf den Balkon, hörte ihnen zu, diesem Jubel zwischen den Bäumen und den Sträuchern, der über den ganzen Hinterhof schallte und zwischen den Häusern widerhallte und den Schöpfer pries, aber welchen Schöpfer? fragte mich der Zweifel, doch die Vögel tschiepten, tirilierten, zwitscherten und jubilierten weiter, das ist die Wahrheit! dachte ich, all das andere ist Lüge, und ich bin ein Teil der Lüge, denn ich bin ein Mensch, sowie man spricht, beginnt man schon zu irren, dachte ich, und wieder hörte ich die Stimmen aus der gottverdammten Glotze, diese elende Kakophonie, wann haben diese verkorksten Wesen zuletzt den Sternenhimmel betrachtet, wann haben sie zuletzt auf die Stimmen der Vögel geachtet, haben sie jemals Jean Paul gelesen, dachte ich und blätterte in den Blumen-, Frucht- und Dornenstücken, während draußen eine Krähe krächzte, und mir träumte, ich stehe in der zweiten Welt; um mich war eine dunkelgrüne Aue, die in der Ferne in hellere Blumen überging und in hochrothe Wälder und in durchsichtige Berge voll Goldadern - hinter den krystallenen Gebirgen loderte Morgenroth von perlenden Regenbogen umhangen - auf den glimmenden Waldungen lagen statt der Thautropfen niedergefallene Sonnen, und um die Blumen hingen, wie fliegender Sommer, niedergefallene Nebelsterne ... wer kann heute noch so schreiben, dachte ich, niemand! dachte ich, wir alle sind verdorben, rettungslos, das lehren uns die jubilierenden Vögel, die uns das Wort Jubel lehrten, als wir noch hören und jubeln konnten, und wohl uns, wenn wir jetzt noch hören können, dann ist noch nicht alles Leben verloren, auch die alten wahren Bücher sind noch nicht verloren, doch wer wird sie noch lesen können, und das nicht nur mit den Augen, auch mit den Ohren, mit allen Sinnen, mit dem Verstand und mit dem Herzen, ja! mit dem Herzen, diese Sprachmusik:
quirinus - am Montag, 23. Mai 2005, 06:21 - Rubrik: Musik und Artverwandtes
wvs_at_re-actio.com meinte am 23. Mai, 12:57:
Wenn wir auch ....
in der grundsätzlichen Einschätzung des Ergebnisses der NRW-Wahl unterschiedliche Auffassungen vertreten, so sind wir doch in der Betrachtung der o.g. Sendung einer Meinung: Es ist lächerlich, wie mit einem an sich sinvollen demokratischen Vorgang umgegangen wird. Kein gutes Vorbild für jene Zuseher/-innen, die noch kein ganzes Leben voll Erfahrungen - vor allem zu teilinformierten oder dümmlichen Politikern, die nur auf ihren persönlichen Vorteil bedacht sind - aufzuweisen haben ....Was mich an unserem System am meisten erschreckt ist die Dreistigkeit, mit der etablierte Politiker mit ihm umgehen können. Abhilfe sehe ich höchstens, wenn das Parteiengesetz geändert werden könnte, die Wahlperioden synchronisiert wären und die Zeit, für die man ein Mandat halten kann, drastisch beschränkt würde .... dann hätten möglicherweise auch die Abgewählten wieder eine Chance, sich frühmorgens auf das zu konzentrieren, was bleibt - auch nachdem sie schon lange in der Erde modern:
Die natürliche Umgebung, die uns Alle erhält!
Hoffentlich ist das auch in Zukunft so ....
quirinus antwortete am 23. Mai, 16:55:
Ach! es ging
mir ja eben nicht bloß um die o.g. Sendung und die Herren Politiker, sondern um die epidemisch sich ausbreitende und alles Leben abtötende Quasselei, an der wir alle beteiligt sind. Besonders abscheulich ist, na klar, das Polit- & Wirtschaftsgeschwätz derer, die über Wandrers Nachtlied (Ein Gleiches) von Goethe gewiß kein Wort zu sagen wüßten. Und unser parlamentarisches System? Es krankt bereits daran, daß es ganz gewiß keine Partei gibt, in der (von überschaubaren ländlichen Gebieten und kleineren Städten vielleicht abgesehen) nicht schon an der Basis die allerscheußlichsten Schwätzer das Wort führen: Leute, die Politik als Hobby betrachten, nicht nur als Mittel zum guten Zweck, vor Machtgeilheit sabbern und ein Menschenbild haben, das weniger mit der Wirklichkeit zu tun hat als mit ihnen selbst und mit dem jeweiligen Zeitgeist, der sie trägt.
