will mir nicht so in den Kopf, wie wir sie offenbar glauben sollen. Ich sehe mir diese Partybilder an und denke: solche Typen haben jede Menge braunen Matsch im Kopf und sind gewiß zu Mord & Totschlag fähig, aber nicht diszipliniert genug, jahrelang durch unser Land zu reisen, mit höchster Präzision ein Opfer nach dem anderen auszuspionieren und zu killen und nach dem letzten Mord fünf Jahre lang unerkannt im Untergrund zu leben, als verschworenes Trio. Denn Haß auf Ausländer allein genügt nicht, um 1 verkrachten Abiturienten, 1 Hilfsarbeiter sowie 1 Bravoleserin über lange Zeit hinweg derart zusammenzuschweißen, daß keiner von ihnen die Nerven verliert. Auch ein Netzwerk ähnlicher Typen hätte dies wohl kaum garantieren können. Schon aus psychologischen Gründen muß es also etwas gegeben haben, das stärker war als alles, was das Trio und dessen Unterstützer aus der Szene hätte auffliegen lassen können.
Auch kann ich partout nicht glauben, daß das Motiv des Trios nichts anderes gewesen sein soll als brauner Matsch im Kopf. Weshalb ist es durch das ganze Land gereist, um ausgerechnet die Besitzer kleiner türkischer Läden zu killen? Nach welchem Kriterium hat es diese Läden ausgewählt? Und wie war es möglich, daß es den Mördern gelang, unfehlbar stets die Besitzer zu töten? Woher wußten die Neonazis so genau, wer der jeweilige Ladeninhaber war und wann anzutreffen sein würde? Ich bin seit 30 Jahren Kunde in diversen solcher Läden. Und doch wüßte ich nicht zu sagen, welcher der Männer, die dort Döner oder Elektrokram verkaufen, jeweils der Besitzer ist. Um das herauszufinden, ohne Argwohn zu erregen, bräuchte jeder Kunde, der nicht bekannt ist in der türkischen Community und kein Wort Türkisch spricht, eine Menge Zeit: noch dazu wenn er so neonazimäßig aussieht wie die Typen aus der Killerbande. Woher also hatten sie alle Informationen, die sie brauchten, um einen Ladenbesitzer nach dem anderen gezielt abknallen zu können? Von Gesinnungsgenossen aus der lokalen Szene, noch dazu von solchen, denen sie bedingungslos hätten vertrauen können?
Wer das glaubt, der mag es glauben. Auch der allerdümmste Neonazi wird niemals so dumm sein, jede Menge Risiken einzugehen und noch dazu diverse Banken zu überfallen, nur um jahrelang immer wieder mal den Besitzer eines kleinen Türkenladens umbringen zu können. Auch dem allerdümmsten Neonazi wäre dieser Aufwand zu hoch. Und ein Trio aus drei Neonazis, noch dazu ein Freundestrio, das dem ungeheuren Druck standhielte und nicht mit der Zeit darüber in Streit geriete, ob dieser Aufwand sich lohne, kann zumindest ich mir nicht im entferntesten vorstellen, genausowenig wie den perfekten Zusammenhalt nach Abschluß der Mordserie. Dieser Grad an Konspiration, also an eiskalt rationalem Verhalten, ist keiner Gruppe zuzutrauen, die nichts anderes antreibt als 'nur' Haß auf Türken. Und weshalb eigentlich zählen, von dem Griechen abgesehen, nur Türken zu den Opfern? Auch das ist mir völlig schleierhaft: machen doch gewöhnliche Neonazis keine Unterschiede zwischen Türken, Kurden oder Arabern. Einzig und allein rassistische Mordlust, kann nicht das Motiv gewesen sein. Denn eine solche Mordlust ist irrational und pathologisch und paßt nicht zu dem offenbar sehr rationalen Vorgehen der bis jetzt bekannten Täter. Es müssen sehr spezielle Gründe für die Wahl der Opfer vorgelegen haben, auch für die vielen Banküberfalle. Deshalb hege ich den Verdacht, daß das Neonazi-Trio nichts war als ein Tatwerkzeug: und demgemäß erpreßbar für seine Hintermänner, die es offensichtlich nur auf Türken abgesehen hatten, und zwar höchstwahrscheinlich auf ganz bestimmte Ladenbesitzer.
Zu fragen wäre also, wer diese bis jetzt unerkannten Hintermänner waren und wie weit ihr Einfluß reichte und womöglich noch immer reicht. Nur bis in den Verfassungsschutz hinein? Bis in das LKA? Oder sogar bis weit darüber hinaus? Denn wir sollen ja nun offensichtlich glauben, es handele sich 'nur' um den Terror einer weitverzweigten Neonazi-Bande und keinesfalls um eine Serie von Verbrechen, die zwar von Rassisten verübt, aber vielleicht von Leuten gesteuert worden sein könnte, deren Motive ganz andere waren, z.B. wirtschaftskriminelle und politische, die ganz anderen Interessen gedient haben könnten als 'nur' neonazistischen. Wäre ich am Netzwerk beteiligt, vielleicht als Mitglied einer deutschtürkischen Mafiabande, und wären ein paar Leute zu beseitigen, die weshalb auch immer zuviel wissen, dann würde ich sagen: Laßt uns ein paar geeignete (also bereits einschlägig bekannte) Neonazis kaufen und sie die Drecksarbeit machen. Wenn die Sache auffliegt, sind sie tot. Wir liefern noch ein paar Beweise, und alle Politiker und Journalisten werden ganz schockiert sein und nur noch über Deutschland und seine alten und neuen Nazis reden.
Dazu ist es nun gekommen; und wer daran zweifelt, daß nicht mehr dahintersteckt, der könnte gar leicht in den Verdacht geraten, mit den Neonazis zu sympathisieren und ihnen ablenken zu wollen. Doch selbst in Teilen der in der türkischen Community wurde es - anders als so mancher Medienbericht es in diesen Tagen suggeriert - bisher durchaus für wahrscheinlich gehalten, daß türkische Nationalisten hinter den Morden stecken. Und es ist auch kein Geheimnis, daß diese Nationalisten, z.B. die Grauen Wölfe, längst in der deutschen Politik angekommen sind, also dort, wo Korruption inzwischen an der Tagesordnung ist. Wenn's auf dieser Ebene um Geld geht, ist es nicht mehr wichtig, welche Typen dafür sorgen, daß man es sich in die Taschen stopfen kann, seien es nun schwarz, rot, gelb, grün oder braun gefärbte Deutsche, graue Türken oder andere. Wenn's um Geld geht, schweigt das Gewissen, und ideologische Reinheitsgebote sind einen feuchten Kehricht wert.
Angesichts all dessen, was jetzt allmählich ans Tageslicht kommt, erscheint es mir höchst unglaubhaft, daß die sog. Pannen derer, die für die Ermittlungen verantwortlich waren, nur zustandekamen, weil einzelne Mitarbeiter ganz offensichtlich mit den Neonazis verbandelt waren. Es muß eine Menge Geld geflossen sein. Und wer eine Menge Geld zahlt, der tut das ganz gewiß nicht nur, damit ein in den Neonazi-Untergrund abgetauchtes dubioses Freundestrio diverse Banken ausraubt, scheinbar völlig wahllos unbescholtenen türkischen Ladenbesitzern das Hirn aus dem Schädel bläst und all jenen, die davon gewußt haben, mittels Bestechung ein so gutes Leben zu ermöglichen, daß sie allesamt beharrlich schweigen.
Wie es wirklich war, das werden wir gewiß nie lückenlos erfahren. Und wir werden wohl auch nie erfahren, weshalb unsere Medien sich so sehr beeilt haben, die Geschichte so zu erzählen, wie sie bis jetzt erzählt worden ist: als eine, die ausschließlich von deutschen Tätern und von deutschen Mitwissern handelt. Wenn der Faschismus nämlich mehr ist als nur eine Meinung oder eine Ideologie, also ein Verbrechen, dann kennt er - so wie andere Verbrechen - keine Grenzen, weder in Europa noch in der gesamten Welt.
Auch kann ich partout nicht glauben, daß das Motiv des Trios nichts anderes gewesen sein soll als brauner Matsch im Kopf. Weshalb ist es durch das ganze Land gereist, um ausgerechnet die Besitzer kleiner türkischer Läden zu killen? Nach welchem Kriterium hat es diese Läden ausgewählt? Und wie war es möglich, daß es den Mördern gelang, unfehlbar stets die Besitzer zu töten? Woher wußten die Neonazis so genau, wer der jeweilige Ladeninhaber war und wann anzutreffen sein würde? Ich bin seit 30 Jahren Kunde in diversen solcher Läden. Und doch wüßte ich nicht zu sagen, welcher der Männer, die dort Döner oder Elektrokram verkaufen, jeweils der Besitzer ist. Um das herauszufinden, ohne Argwohn zu erregen, bräuchte jeder Kunde, der nicht bekannt ist in der türkischen Community und kein Wort Türkisch spricht, eine Menge Zeit: noch dazu wenn er so neonazimäßig aussieht wie die Typen aus der Killerbande. Woher also hatten sie alle Informationen, die sie brauchten, um einen Ladenbesitzer nach dem anderen gezielt abknallen zu können? Von Gesinnungsgenossen aus der lokalen Szene, noch dazu von solchen, denen sie bedingungslos hätten vertrauen können?
Wer das glaubt, der mag es glauben. Auch der allerdümmste Neonazi wird niemals so dumm sein, jede Menge Risiken einzugehen und noch dazu diverse Banken zu überfallen, nur um jahrelang immer wieder mal den Besitzer eines kleinen Türkenladens umbringen zu können. Auch dem allerdümmsten Neonazi wäre dieser Aufwand zu hoch. Und ein Trio aus drei Neonazis, noch dazu ein Freundestrio, das dem ungeheuren Druck standhielte und nicht mit der Zeit darüber in Streit geriete, ob dieser Aufwand sich lohne, kann zumindest ich mir nicht im entferntesten vorstellen, genausowenig wie den perfekten Zusammenhalt nach Abschluß der Mordserie. Dieser Grad an Konspiration, also an eiskalt rationalem Verhalten, ist keiner Gruppe zuzutrauen, die nichts anderes antreibt als 'nur' Haß auf Türken. Und weshalb eigentlich zählen, von dem Griechen abgesehen, nur Türken zu den Opfern? Auch das ist mir völlig schleierhaft: machen doch gewöhnliche Neonazis keine Unterschiede zwischen Türken, Kurden oder Arabern. Einzig und allein rassistische Mordlust, kann nicht das Motiv gewesen sein. Denn eine solche Mordlust ist irrational und pathologisch und paßt nicht zu dem offenbar sehr rationalen Vorgehen der bis jetzt bekannten Täter. Es müssen sehr spezielle Gründe für die Wahl der Opfer vorgelegen haben, auch für die vielen Banküberfalle. Deshalb hege ich den Verdacht, daß das Neonazi-Trio nichts war als ein Tatwerkzeug: und demgemäß erpreßbar für seine Hintermänner, die es offensichtlich nur auf Türken abgesehen hatten, und zwar höchstwahrscheinlich auf ganz bestimmte Ladenbesitzer.
Zu fragen wäre also, wer diese bis jetzt unerkannten Hintermänner waren und wie weit ihr Einfluß reichte und womöglich noch immer reicht. Nur bis in den Verfassungsschutz hinein? Bis in das LKA? Oder sogar bis weit darüber hinaus? Denn wir sollen ja nun offensichtlich glauben, es handele sich 'nur' um den Terror einer weitverzweigten Neonazi-Bande und keinesfalls um eine Serie von Verbrechen, die zwar von Rassisten verübt, aber vielleicht von Leuten gesteuert worden sein könnte, deren Motive ganz andere waren, z.B. wirtschaftskriminelle und politische, die ganz anderen Interessen gedient haben könnten als 'nur' neonazistischen. Wäre ich am Netzwerk beteiligt, vielleicht als Mitglied einer deutschtürkischen Mafiabande, und wären ein paar Leute zu beseitigen, die weshalb auch immer zuviel wissen, dann würde ich sagen: Laßt uns ein paar geeignete (also bereits einschlägig bekannte) Neonazis kaufen und sie die Drecksarbeit machen. Wenn die Sache auffliegt, sind sie tot. Wir liefern noch ein paar Beweise, und alle Politiker und Journalisten werden ganz schockiert sein und nur noch über Deutschland und seine alten und neuen Nazis reden.
Dazu ist es nun gekommen; und wer daran zweifelt, daß nicht mehr dahintersteckt, der könnte gar leicht in den Verdacht geraten, mit den Neonazis zu sympathisieren und ihnen ablenken zu wollen. Doch selbst in Teilen der in der türkischen Community wurde es - anders als so mancher Medienbericht es in diesen Tagen suggeriert - bisher durchaus für wahrscheinlich gehalten, daß türkische Nationalisten hinter den Morden stecken. Und es ist auch kein Geheimnis, daß diese Nationalisten, z.B. die Grauen Wölfe, längst in der deutschen Politik angekommen sind, also dort, wo Korruption inzwischen an der Tagesordnung ist. Wenn's auf dieser Ebene um Geld geht, ist es nicht mehr wichtig, welche Typen dafür sorgen, daß man es sich in die Taschen stopfen kann, seien es nun schwarz, rot, gelb, grün oder braun gefärbte Deutsche, graue Türken oder andere. Wenn's um Geld geht, schweigt das Gewissen, und ideologische Reinheitsgebote sind einen feuchten Kehricht wert.
Angesichts all dessen, was jetzt allmählich ans Tageslicht kommt, erscheint es mir höchst unglaubhaft, daß die sog. Pannen derer, die für die Ermittlungen verantwortlich waren, nur zustandekamen, weil einzelne Mitarbeiter ganz offensichtlich mit den Neonazis verbandelt waren. Es muß eine Menge Geld geflossen sein. Und wer eine Menge Geld zahlt, der tut das ganz gewiß nicht nur, damit ein in den Neonazi-Untergrund abgetauchtes dubioses Freundestrio diverse Banken ausraubt, scheinbar völlig wahllos unbescholtenen türkischen Ladenbesitzern das Hirn aus dem Schädel bläst und all jenen, die davon gewußt haben, mittels Bestechung ein so gutes Leben zu ermöglichen, daß sie allesamt beharrlich schweigen.
Wie es wirklich war, das werden wir gewiß nie lückenlos erfahren. Und wir werden wohl auch nie erfahren, weshalb unsere Medien sich so sehr beeilt haben, die Geschichte so zu erzählen, wie sie bis jetzt erzählt worden ist: als eine, die ausschließlich von deutschen Tätern und von deutschen Mitwissern handelt. Wenn der Faschismus nämlich mehr ist als nur eine Meinung oder eine Ideologie, also ein Verbrechen, dann kennt er - so wie andere Verbrechen - keine Grenzen, weder in Europa noch in der gesamten Welt.
quirinus - am Freitag, 18. November 2011, 17:49 - Rubrik: Deutschland einig Merkelland
Gambetti meinte am 20. Nov, 03:13:
Ein sehr gelungener Artikel!
Und da Sie einen schon im ersten Satz geradezu mit der Nase darauf stoßen, möchte ich gleich meine absolut abwertende Meinung über die Bildzeitung und andere so genannte Medien loswerden. Es ist unfassbar, wie unreflektiert auch hier wieder auf den Fall losgegangen wird. Auch der "Spiegel" stellt seine Meinung als Tatsache dar. Die Bösen sind die Bösen, selbst wenn noch kein Urteil gefällt wurde und in Deutschland eigentlich die Unschuldsannahme ein anerkanntes Gesetz ist. Leider kehrt uns auch hier die Aufklärung den Rücken, man müsste ja rational denken und handeln, sogar Verständnis für die Täter aufbringen, über die Täter nachdenken. Das haben Sie sehr gut gemacht und zumindest mich damit erfreut. Über die perverse Geschmacklosigkeiten der Bild möchte ich mich gar nicht aufregen. Das ist einer der Faktoren, der die Gesellschaft erst durchdringt und somit zum Denken unfähig macht und sie dann verfallen lässt.Danke für den Artikel Quirinus.
quirinus antwortete am 21. Nov, 20:48:
Danke für Ihr Lob, Gambetti. Wir sind uns darin einig, daß man Verbrechen jeglicher Art am besten aufklären kann, indem man in die Haut des Drachen schlüpft. Wer sich in den letzten Tagen darum bemüht hat, wird auch nicht verwunderlich finden, was der Spiegel als "eine verblüffende Wende" bezeichnet: daß es sich bei dem Mord an der Polizistin um keinen Zufallstreffer handelt. Mal sehen, wie viele Überraschungen es noch in den nächsten Wochen geben wird. Die Bildzeitung allerdings kann schreiben was sie will. Angesichts dessen, was sich in der Welt so tut, wird es immer schwieriger sein, die Leser abzulenken, nicht einmal mit Geschichten über Sex & Crime plus Nazis.