Schon öfter habe ich in diesem Blog auf einige Intellektuelle hingewiesen, deren Werke zu lesen noch vor wenigen Jahrzehnten unter deutschen Studenten zum guten Ton gehörte. Doch die Zeiten haben sich geändert; und wie sie sich geändert haben! Die folgenden Zitate* stammen aus einem Interview mit Herbert Marcuse (1898-1979), einem jüdischen Gelehrten also, der vor den Nazis in die USA flüchten mußte und dem man wohl kaum vorwerfen kann, was seit einigen Jahren all jenen vorgeworfen wird, die Big Brother zu kritisieren oder Vergleiche gegenwärtiger Entwicklungen mit denjenigen vor 1933 zu ziehen wagen: Antiamerikanismus oder Verharmlosung des Nationalsozialismus. Manches von dem, was Marcuse (und nicht nur er) bereits vor Jahrzehnten konstatierte, ist aktueller denn je und gilt mittlerweile schon längst nicht mehr für das Land unserer einstigen Befreier:
"Die Frage ist, ob in den USA der Faschismus herrscht. Wenn man darunter die allmähliche oder rasche Abschaffung der Reste des Rechtsstaats, ... , die Ausstattung der Polizei mit außerordentlichen Vollmachten versteht ... ; wenn man sich die beinahe schon direkte Zensur der Presse, des Fernsehens und des Rundfunks ansieht: dann kann man meiner Meinung nach mit voller Berechtigung von einem beginnenden Faschismus sprechen. – Dagegen wird immer wieder eingewandt, daß in Amerika immer noch viel mehr Spielraum für radikale Kritik existiert ... . Das ist richtig; es ist dies aber darauf zurückzuführen, daß die amerikanische Gesellschaft sich diese Kritik vorläufig noch gefallen lassen kann, weil sie wirkungslos bleibt."Der deutsche Faschismus des 21. Jahrhunderts wird wahrscheinlich der erste sein, die Endlösung der Feinstaubfrage herbeiführen will.
"Ich glaube nicht, daß ein charismatischer Führer heute notwendig zum Faschismus gehört. Wie jede andere Bewegung, jede andere Form der Unterdrückung ist auch der Faschismus abhängig von den Tendenzen der Gesamtgesellschaft. ... . Ein charismatischer Führer ist nicht mehr nötig. Ich erinnere Sie an eine ausgezeichnete Formulierung von Shirer, der weiß Gott kein Sozialist ist. Dieser Mann hat kürzlich gesagt, der amerikanische Faschismus werde wahrscheinlich der erste sein, der auf demokratischem Wege und mit demokratischer Rückendeckung zur Macht kommt."
"Ich glaube, daß es so etwas wie einen Präventiv-Faschismus gibt. ... Die allmähliche Austrocknung des Rechtsstaats in den USA rührt von den wachsenden Widersprüchen des amerikanischen Imperialismus her. Diese Widersprüche sind zwar im Augenblick noch ‚manageable‘, sie drohen aber selbst in das Bewußtsein der Indoktrinierten einzudringen: der Widerspruch zwischen dem ungeheuren gesellschaftlichen Reichtum und dem miserablen und destruktiven Gebrauch, der davon gemacht wird; der Widerspruch zwischen der Möglichkeit, die entfremdete Arbeit zu reduzieren, und ihrer systematischen Aufrechterhaltung; der Widerspruch zwischen der Möglichkeit Armut und Elend in der kürzesten Zeit abzuschaffen, und der ungeheuren Verschwendung. Diese Widersprüche lassen sich auf die Dauer nur mit Gewalt unterdrücken. ... Deswegen greift das System zu Maßnahmen, die der Opposition zeigen sollen: Sobald ihr gefährlich werdet, sperren wir euch ein, schlagen wir euch zusammen."Wie seit ca. 1990 in den Boot Camps:
Eltern, die ihre Kinder abliefern, unterschreiben meist eine Blanko-Erklärung, derzufolge sie mit allen Maßnahmen im Lager einverstanden sind. Viele Jugendliche berichteten laut "New York Times" von der täglichen Gewalt, gewaltsamen Übergriffen, sexuellem Missbrauch und menschenverachtenden Züchtigungsmethoden. Seit 1980 seien allein in elf Bundesstaaten mindestens 30 Teenager in "Boot Camps" ums Leben gekommen. Oft genug gebe es Selbstmordversuche.Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne. Doch zumal für Deutschland gilt, daß alle, die sich freiwillig isolieren, indem sie vorm TV oder am Computer sitzen, so wie ich in diesem Augenblick, noch nichts weiter zu befürchten haben als die Speicherung all ihrer elektronischen Verbindungsdaten. Wer es aber auch nur wagt, sich spaßeshalber in seine Stammkneipe zu setzen und dort rauchend zu politisieren, muß bereits jetzt mit polizeilichen Sanktionen rechnen; denn die neuen Denunzianten haben ihre Augen überall, und das noch nicht einmal 20 Jahre nach dem Mauerfall.
Einem jüngst vom US-Kongress vorgelegten Bericht zufolge starben seit 1990 zehn Jugendliche in "Boot Camps". Allein im Jahr 2005 habe es in diesen Lagern mehr als 1600 Missbrauchsfälle gegeben. "Kinder werden gezwungen, ihr eigenes Erbrochenes zu essen, in Urin oder Kot zu liegen. Sie werden getreten, geschlagen und zu Boden geworfen", berichtete ein Ermittler des US-Kongresses, Gregory Kutz, der Zeitschrift "Time".
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* Gefunden auf dieser Website.
quirinus - am Dienstag, 8. Januar 2008, 03:26 - Rubrik: Rauchfrei in den Orwell-Staat
Sonnenfleisch meinte am 8. Jan, 09:34:
Apropos Denunziation ...
creature antwortete am 8. Jan, 11:23:
eigentlich ein scherz, leider ein wahrer.die einsatztruppe hätte diesen herren festnehmen sollen! ;)