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Ach! was sind das für Zeiten, da ich mich gezwungen sehe, mich öffentlich zu meinem Rauchertum zu bekennen: nicht weil ich es für gesundheitsfördernd oder unbedingt nachahmenswert oder den blauen Button für künstlerisch besonders gelungen halte; sondern weil es allerhöchste Zeit ist, immer entschiedener darauf hinzuweisen, daß die gegen uns Raucher gerichtete Politik mittlerweile tatsächlich derart faschistoide Züge trägt, daß selbst mir, der ich immer schon darauf hingewiesen habe, die Spucke wegbleibt, wenn ich auf den Webseiten des Netzwerks Rauchen lese, welch pathologische Formen der bezeichnenderweise von den UmweltverschmutzerSA ausgehende Kreuzzug mittlerweile angenommen hat. So etwa sollen in England Familien, in denen mindestens eine Person raucht, kein Kind mehr adoptieren dürfen; ebenfalls in England sollen Rauchern chirurgische Eingriffe verweigert werden; in Oakland/USA soll das Rauchen nur noch in Einfamilienhäusern gestattet sein und ferner als öffentliches Ärgernis gelten, so daß jeder Raucher auf der Stelle angezeigt werden kann, ohne daß der Denunziant eine Belästigung oder gar Schädigung nachweisen müßte.

Da kommt Wut auf; da kommt Haß auf; da kommt auch ein Entsetzen auf, das den Raucher Frank Schuster dazu getrieben hat, eine Website mit dem Titel Vom Rauchverbot zum Orwell-Staat online zu stellen. Auch Raucher mögen manches, was er schreibt, übertrieben finden; doch im Prinzip hat Schuster recht, indem er historische Parallelen zieht, die nicht von der Hand zu weisen sind. Denn mit der Gesundheit des jeweiligen nationalen Volkskörpers ward bisher noch jede Tyrannei gerechtfertigt; und welche Rolle die Medizin dabei gespielt hat, sollten wir alle wissen. Heute geht es zwar nicht mehr darum, eine bestimmte Gruppe von Menschen auszurotten - wir sind ja keine Antisemiten und Rassisten mehr! -; heute geht es nur noch darum, alles zu eliminieren, was zu hohe Kosten verursacht oder verursachen könnte. Kriege allerdings gehören nicht dazu. Und Frank Schuster hat ganz recht, wenn er immer wieder betont, wie wenig sich die Gesundheitslobby für die all die Folgen dieser Kriege interessiert; und er hat tausendmal recht, wenn er angesichts der allgegenwärtigen Hetze gegen die Raucher und des gleichzeitigen Krieges gegen den Terror schreibt:
Diese Gleichschaltung der Politik mit allen Medien ist die raffinier[tes]te aller Zeiten. Die Freiheit stirbt heute nicht mehr durch "Machtergreifung" oder durch lautstarke Saalschlachten, sondern in winzig kleinen Schritten, die kaum jemand als Bedrohung wahrnimmt! Vor 25 Jahren war der heutige Zustand dieses Landes schlichtweg überhaupt noch nicht vorstellbar, und genauso wird es in weiteren 25 Jahren sein, wenn der unablässigen Erosion elementarer Freiheiten nicht doch noch Einhalt geboten wird. Das kann aber nicht funktionieren, wenn sich sogar die Linke - ob nun aus Dummheit oder aus primitiver Pfründegier - daran beteiligt...
Ach! was sind das für Zeiten, da die Gretchenfrage nach der Religion zu der Frage nach dem Nikotin verkommen ist; und da ich binnen 20 Jahren zum Angehörigen einer von Staats wegen geächteten und verfolgten Minderheit geworden bin; ein Schmarotzer lt. Statistik, die beweist, daß Raucher weniger leisten; ein Volksschädling lt. Statistik, die beweist, daß Raucher die Krankenkassen mehr belasten als Nichtraucher; ein Massenmörder lt. Statistik, die beweist, daß meine Qualmerei unzählige Menschen das Leben kostet, während die durch Kriege verursachten Kollateralschäden nicht der Rede wert sind ...

Raucher und Nichtraucher, die ihr dies lest! streitet euch nicht mehr herum wegen des Qualms, so wie die Robotertypen es gern hätten, sondern begreift endlich, worum es den Gesundheitsaposteln wirklich geht: um ihr Evangelium, die schöne neue Nichtraucherwelt mit all den schönen neuen Soldaten, die fit & nikotinfrei für die Freiheit sterben werden, anderen das Rauchen verbieten zu dürfen. Und eben nicht nur das Rauchen.
Jan2091 meinte am 15. Jun, 11:05:
Ich habe wenig für Verbote aller Art übrig aber so wie du es schreibst ist es auch übertrieben.

Die Stimmung im Land gegen Raucher haben Raucher durch Jahrzehntelange Intoleranz doch selbst verursacht. Ich habe noch nie gesehen, dass ein Raucher freiwillig anch draußen geht zum Rauchen, weil er seine Mitmenschen nicht mit seinem gequalme nerven will. Stattdessen wurde immer erwartet, dass Nichtraucher sich erstmal drüber beschweren sollen.

Jetzt umgekehrt von Feindseligkeit und Intoleranz zu reden verdreht das Verhältnis. Warum müssen sich Nichtraucher dafür rechtfertigen, nicht zu rauchen? Warum verstehen Raucher nicht von selbst, dass es sich nicht gehört andere vollzuqualmen?

Natürlich ist vieles in der aktuellen Diskussion übertrieben. Es hat eben ein Dammbruch stattgefunden, viele, denen das lästige gequalme seit Jahren zum Hals raus hängt sehen jetzt endlich die Chance, dass ein für alle Mal abzustellen, egal wie. Das führt zu Überreaktionen - genau wie es aber die meisten Raucher (die ich kenne) in der Vergangenheit oft übertrieben haben.

Und man findet immer noch Raucher, die nicht verstehen dass es eklig ist, wenn sie im Restaurant andere vollqualmen, ihnen so den Genuss verderben. Viele Raucher sind kein bisschen sensibilisiert, was ihr Verhalten gegenüber anderen Menschen angeht. Sie nehmen wie selbstverständlich an, dass es völlig in Ordnung ist anderen damit auf die Nerven zu gehen.

Die Mehrheit der Menschen raucht nicht und hat viel zu lange kommentarlos hingenommen, was Raucher sich rausnehmen. Die wiederum haben das schamlos ausgenutzt und ernten nun eine ebenso heftige Gegenreaktion - das kann man bedauern. Aber wundern muss man sich darüber nicht.

Wenn ab morgen jeder Raucher (vielleicht genügen auch schon 60-70%) zum Rauchen die Kneipe, das Restaurant oder die Disko verlassen würde, dann wäre die Diskussion ganz schnell tot und ein Verbot überflüssig. Was ist so schwer daran? 
quirinus antwortete am 15. Jun, 16:18:
Ich frage zurück: Was ist so schwer daran zu verstehen, worum es es mir und anderen Rauchern (übrigens auch vielen Nichtrauchern) geht? - : eben nicht um das Recht, ausnahmslos überall qualmen zu dürfen, sondern um die Frage, wem die Gesundheitshysterie und die Wellness-Hype und der damit verbundene Streit wirklich nützen: nämlich denen, die wirtschaftliches und politisches Kapital daraus schlagen. Und das sind genau die Leute, die unsere westlichen Sozialsysteme und mit ihnen den letzten Rest von Demokratie beseitigen wollen - all das zum Wohle der Menschen, ei freilich. 
pikas meinte am 15. Jun, 11:19:
Ich bin Nichtraucher und sehe das mit gemischten Gefühlen.

Mich haben Raucher in Fernzügen beispielsweise nie gestört. Es gibt dort Raucherbereiche, von denen man sich als Nichtraucher eben fern hält. Ab September wird das Rauchen in Fernzügen verboten sein. Was dann passiert, kann man in den Regionalzügen in NRW schon jetzt erleben. Die Raucher ziehen sich hektisch ihre letzte Kippe auf dem Bahnsteig - vorzugsweise an diesen albernen Raucherinseln - durch, und setzen sich dann zu den anderen Fahrgästen in den Zug, der nun nicht mehr nach Rauchern und Nichtrauchern getrennt ist. Morgens in den Nähe eines nach kaltem Rauch stinkenden Menschen in der Bahn zu sitzen, finde ich schlimmer als Raucherabteile.

Und generell bin ich der Meinung, dass sich der Staat (oder das Land) lieber um die Lösung dringenderer Probleme kümmern sollte. 
quirinus antwortete am 15. Jun, 16:28:
Was er aber gar nicht kann, da die Wirtschaft längst diktiert, wo's langzugehen hat. Auch deshalb das Theater um die Gesundheit, mit dem man dem einzelnen Bürger noch am ehesten suggerieren kann, die jeweilige Partei oder Regierung vertrete seine ureigenen Interessen. 
somlu meinte am 15. Jun, 12:49:
quirinus - Biomacht und der gesunde Volkskörper - Der Eingriff in die Privatsphäre wird immer perfekter. Freiheit ist zu entscheiden, ob das Auto nun rot oder blau sein soll. Ich such mir mal ein Bild vom Michel Foucault und häng es mir über den Schreibtisch, damit ich es nicht - niemals vergesse. Und dann vergessen wir nicht die "homo sacer" von denen auch keiner glaubte, dass sie Realität werden würden. 
quirinus antwortete am 15. Jun, 16:31:
Ich sehe schon kommen, daß ein Nichtraucher, der einen oder gleich mehrere Raucher abknallt, weil er sich durch den Qualm belästigt fühlt,
in den USA bald straffrei davonkommen wird. Er hat ja nur aus Notwehr gehandelt. 
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