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Was'ss'n hier fürn Mief? fragten gestern zwischen 13 und 15 Uhr mindestens 3 Nichtraucher, während sie unser Büro betraten. Ich schnippte vergnügt mit den Fingern; denn seit heute vor 2 Wochen herrscht in unserem Büro absolutes Rauchverbot, das auch von allen peinlichst eingehalten wird. Und seitdem stinkt es dort so, wie es überall stinkt, wo nicht gelüftet wird. Und wo wird traditionell am wenigsten gelüftet? Überall dort, wo Menschen meinen, sie dufteten nach Manna & Ambrosia, bloß weil sie nicht rauchen. Aber wo sich Menschen in 1 Raum versammeln, da stinkt es nach Menschenzoo. Und wo die militanten Nichtraucher das Sagen haben, da stinkt es gar häufig nach Frust und nach Zwang, so wie in den ersten Nichtraucher-WGs der 70er Jahre oder in den jenen Nichraucher-Autos, auf die ich damals als Tramper zuweilen angewiesen war, um von meinem Landsitz aus rechtzeitig zur Uni zu kommen. Das begann im Winter 1973. Und damals schon fiel mir auch auf, daß es bis zum Ende meines Studiums die immer wieder gleichen Typen waren, die zu Beginn jeder Veranstaltungsreihe ein absolutes Rauchverbot forderten. Das störte mich nicht, weil ich selbst nicht gern in verqualmten und ungelüfteten Räumen sitze. Aber mich störte das Gezeter jener Typen, die sich gegen Ende des Semesters fast regelmäßig als jene erwiesen hatten, denen zum Thema des Seminars nichts eingefallen war, und die auffallend denen glichen, die mir später im Buchhandel und in Bioläden begegneten und neben ihrer chronischen graugrünen Hautfarbe mal Pilze im Körper hatten, dann Amalgam in den Zähnen, dann wieder Strahlen in der Wohnung, schließlich hochbegabte Kinder mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Nun haben sie, die früher immer sagten, Deutschland sei ein kinderfeindliches Land mit lauter Verbotsschildern, den Triumph: das absolute Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln und Restaurants; ein Triumph, der ihnen jedoch nicht genügen wird, weil diese Typen nie zufrieden sind. Sie brauchen immer wieder einen neuen Sündenbock für ihren Seelenkrebs. Ich hatt' mal zwei solche Vorgesetzte. Nachdem sie uns das Trinken von Kaffee und Tee während der Arbeit verboten hatten, war das Mineralwasser dran. Der eine, ein bis ins Mark freudloser Mensch, hat vor mir gekündigt; der Abteilungsleiterin, einer unter Wasch-, Putz- und Mobbingzwang leidenden Spinatwachtel à la Christiansen, habe ich mich durch Kündigung entzogen.

Den Gesundheitsfaschisten und deren Kindern kann ich mich leider nicht durch Kündigung entziehen, und ich habe auch nicht vor, mich ihretwegen umzubringen. Ich registriere doch gar zu gern mit wissenschaftlichem Interesse, wie sich in unserem bald völlig qualmfreien Land ein Mief ausbreitet, der alles in den Schatten stellt, was es hier je an Mief gegeben hat. Es ist der Mief der absoluten Perfektion, der absoluten Verblödung. Es ist der Mief eines Landes, dessen Jugendliche zwar so fett, so träge, psychisch so gestört, so lesefaul und ungebildet sind wie nie zuvor, dafür aber Nichtraucher, die begierig alles konsumieren, was ihnen die Unterhaltungselektronik an Zerstreuung bietet. Heute werd' ich wieder einen dieser Junkies sehen: meinen Nachhilfeschüler, der noch in der 13. Klasse nicht weiß, wann der Erste und der Zweite Weltkrieg waren, wann die Berliner Mauer gebaut wurde und wann sie fiel, und der es auch nicht wissen will. Seine gesamte Freizeit verbringt er daddelnd vorm Computer, in seinem abgedunkelten Zimmer, dessen Fenster ich noch nie haben offenstehen stehen, nicht einmal an den heißesten Sommertagen. Aber es ist ein Nichtraucherzimmer: das Zimmer eines netten Achtzehnjährigen, der nicht das Geringste mit sich anzufangen wüßte, nähme man ihm sein teures Spielzeug. Doch auch dies Problem wird bald behoben sein. Bald können ja auch die Deutschen, wenn ihnen während ihrer Freizeit einmal nicht nach Glotzen und nach Chatten und nach Ficken und nach Fressen und nach Daddeln ist, sich rund um die Uhr dem Kaufrausch ergeben, in garantiert rauchfreien Shopping Malls, und alle werden vor Gesundheit und vor Glück dermaaßen benebelt sein, daß es nur so qualmt. Und wenn der Automat kein Cash mehr ausspuckt, dann werden sie wieder nach Hause eilen, in ihre Nichtraucherwohnungen, ihre Computer hochfahren und sabbernd bei Google eingeben, was ich eben zwischen meinen Referrers fand: http://www.google.de/search?q=gezwungen%20erniedrigt%20lecken.
wvs meinte am 6. Dez, 01:31:
Oder ....
es werden immer mehr Jugendliche an ihrer Erkenntnis hinsichtlich der Widersprüche in dieser Gesellschaft zerbrechen .... dann wird es bald heißen:
"Emsdetten ist überall!"

Ich frage mich, was als "Sündenbock" herhalten muß, wenn viele Computerspiele verschwunden sind .... 
quirinus antwortete am 6. Dez, 15:25:
Arbeitslose. Alte. Kranke. Lebensunwertes Leben eben. 
Katelyn meinte am 6. Dez, 14:13:
oooh...ein wunderbarer Beitrag.
Ich bin Nichraucher und finde es trotzdem extrem ätzend ständig über Rauchverbote diskutieren zu müssen. Diese Leute, die das immer überall fordern kenn ich auch...man, wie nervig...ich find Leute die anscheinend in ihrem ach so tollen Parfum gebadet haben viel schlimmer.

Ich mag den Beitrag - schön bissig.

*lol* ich sehe gerade, die Seite ist erdstrahlenfrei :-) Das find ich gut, dann kann ich ja ohne gesundheitliche Risiken hier vorbeischauen. ;-) 
quirinus antwortete am 6. Dez, 15:23:
Willkommen!
Ich hatte mal ne Vorgesetzte, Nichtraucherin und fast magersüchtig, die benutzte so'n Parfüm. Billigstes Zuckerzeugs. Noch schlimmer allerdings war ihr Haarspray, das ätzend über 3 Stockwerke hinweg stank. 
wvs antwortete am 6. Dez, 23:01:
Das war ....
bestimmt von "AVON" - die mit dem ersten Klingelton ("Avon calling!") ....
auch die Empfehlungen für das Makeup waren entsprechend:
Immer dick auftragen .... 
syberia meinte am 6. Dez, 15:39:
Rauchen oder raus!
Stimmt alles. Auch ich kenne tatsächlich nicht EINEN sympathischen Nichtraucher. Nicht EINEN! Dafür sind sie alle zu unlocker, um ihr Leben zu geniessen, sorgen für ein schlechtes Raumklima, neigen zu Verblödung und Depressionen, wenn sie nicht gerade unter diversen Zwängen leiden und ihre Neurosen pflegen und gehen bereits in Jugendjahren dumpf und politisch uninteressiert durchs Leben. Wenn man sie küsst, schmecken sie oft minzig frisch und keine Spur nach Aschenbecher. Widerlich. Aber das alles ist nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass sie von den lockeren, sympathischen, lustigen, engagierten Leuten - Sie haben es erraten: den Rauchern! - Rücksicht erwarten. Früher konnte man solchen Typen ein "Dann geh doch nach drüben!" entgegenschleuidern. Am besten 'ne neue Mauer bauen und das land in eine Nicht- und eine Raucherzone aufteilen. Hey, was das allein an Arbeitsplätzchen schaffen würde! 
quirinus antwortete am 6. Dez, 22:05:
Die Nichtraucherzone wäre jedoch bald überbevölkert, weil Nichtraucher ja ewig leben. Es käme also unweigerlich zu extremen Verteilungskriegen, selbst dann, wenn man das Rauchen auf der ganzen Welt verböte. Es bleibt also nur: a) Selbstmordzwang für alle NichtraucherInnen über 70, b) NichtraucherInnen ab ins Weltall. Noch vor der Besiedlung sämtlicher erdähnlicher Planeten durch die NichtraucherInnen wird das Universum gewiß kollabieren. 
creature meinte am 6. Dez, 19:14:
so, jetzt dreh ich mir eine und rauche sie ohne schlechtem gewissen, dank quirinus ..;-) 
quirinus antwortete am 6. Dez, 22:06:
Trink man noch n Eierlikör dazu, bevor der auch verboten wird. 
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