Und das, Leute, meine ich ernst. Auch dieser Mann gehört noch zu denen, die ein soziales Gewissen haben. Wenn einer wie er die"gute, alte CDU" kritisiert, dann tut er es mit Herzblut. Und es ist echt. Hier ein Ausschnitt aus seinem Gastkommentar, der gestern in der Süddeutschen erschien. Er ist überschrieben mit Die CDU ist von der neoliberalen Epidemie infiziert:
Die Kahlschläger des Neoliberalismus sind auch hierzulande keine Kassenschlager geworden. "Kürzen" - auf dieses Wort lassen sich alle Vorschläge der deutschen Arbeitgeberverbände zurückführen. So einfallslos war keiner der Vorgänger des heutigen Arbeitgeberpräsidenten.Und immer deutlicher wird, was jenseits aller Verteilungskämpfe hinter all den Auseinandersetzungen steckt: der Versuch jener, die noch psychisch intakt sind, ihr Menschsein gegen die Cyborgs zu behaupten. Norbert Blüm hat es getan; immerhin noch vor der Nachwahl in Dresden. Also noch einmal: Danke, Herr Minister a.D.!
Die Vorstandsbezüge schnellen in die Höhe. Nie war der Abstand zwischen Durchschnittslöhnen und Managergehältern größer. Gegenüber den Empfehlungen der Arbeitgeberfunktionäre zur Lohnzurückhaltung war die Heuchelei der Pharisäer geradezu stümperhaft.
Von sicheren Lehrstühlen herab empfehlen gut dotierte Professoren "Flexibilisierung" und "weg mit dem Kündigungsschutz".
Nur noch nostalgische Relikte vom Christlich-Sozialen
Am schmerzlichsten berührt mich, dass meine gute, alte CDU sich von dieser flatterhaften, neoliberalen Epidemie infizieren ließ.
Die CDU war einst deshalb zur großen Volkspartei erstarkt, weil sie konservative, liberale und christlich-soziale Ideen zu einer produktiven Synthese vereint hatte. Von den Christlich-Sozialen sind nur noch nostalgische Relikte übrig geblieben.
Die christlich-soziale Bewegung ist heimatlos geworden. Von der SPD fühlt sie sich nicht angezogen, von der CDU im Stich gelassen. Die großen liberalen Ideen sind zu einem Wirtschaftsrezept verkümmert.
Kopfpauschale und Einheitssteuer widersprechen elementaren Gerechtigkeitsvorstellungen der christlichen Soziallehre. Sie sind Schablonen, mit deren Hilfe alles über einen Kamm geschoren werden soll. "Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandeln" ist der Kern des uralten Gerechtigkeitsgedankens. Das Gerechtigkeitsprinzip ist das Prinzip der Differenzierung - und nicht der Nivellierung.
quirinus - am Mittwoch, 28. September 2005, 15:04 - Rubrik: Die letzte Wahl
bembelkandidat meinte am 29. Sep, 13:43:
narrenfreiheit
der karnevalist genießt jetzt seine narrenfreiheit, denn seine rente ist sicher.den text in der süddeutschen habe ich auch mit freuden gelesen, ob er aber auch in dresden massenhaft zur kenntnis genommen wird... ?! immerhin müht er sich vom saulus zum paulus zu kommen, auf seine alten tage, damit ihm sein seelenheil im christenhimmel auch noch sicher ist.
wvs_at_re-actio.com antwortete am 30. Sep, 01:22:
Trotz dieser ....
durchaus anerkennenswerten * [Meine Versicherungszeit war durch langjährige Selbständigkeit unterbrochen]
quirinus antwortete am 30. Sep, 02:41:
Wer dächte nicht
an all das zurück? Ich denke auch gern daran, daß Blüm stets gesagt hat, man könne auch in Deutschland Urlaub machen. Wohl wahr. Aber auch das habe ich mit meinem Mini-Gehalt nie gekonnt.
Hackmeck meinte am 29. Sep, 19:30:
Ich bekenne:
Ich mag Blüm auch.http://www.taz.de/pt/2005/09/10/a0142.nf/text
quirinus antwortete am 30. Sep, 02:45:
Ma kucken, wie's mit ihm weitergeht.