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Nun ist sie also veröffentlicht worden: die neue Rechtsextremismus-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, und es war klar, daß sie uns allesamt wieder alarmieren würde. Rechtsextremismus auf dem Vormarsch! Jeder sechste Ostdeutsche denkt rechtsextrem! Dagegen hilft nur Bildung, Bildung, Bildung! Aber was für eine Bildung? Na, eben jene Bildung, um den an die berühmte Studie The Authoritarian Personality angelehnten Fragebogen so ausfüllen zu können, daß man keine hohen Werte auf der F-Skala erreicht. Nichts anderes als das Vorhandensein dieser Art von Bildung wird durch die Studie gemessen. Deshalb auch ist es nicht verwunderlich, daß ein 2009 durchgeführtes Experiment der Frankfurter Rundschau (die gerade Insolvenz angemeldet hat) mit ihren überdurchschnittlich 'gebildeten' und 'linken' Lesern folgendes ergab:
Der Leser der Frankfurter Rundschau hält nicht starr an Konventionen fest, er ist nicht autoritär unterwürfig, auch nicht autoritär aggressiv, er wehrt das Subjektive, die Fantasie - "Anti-Intrazeption" heißt das in der Skala - nicht ab. Er pflegt keinen Aberglauben. Er denkt nicht in den Kategorien von Herrschaft und Unterwerfung. Er ist nicht zerstörerisch und er ist kein Zyniker. Er projiziert nicht seine Emotionen auf die Realität und er hat kein übertriebenes Interesse an sexuellen Vorgängen.

Ein guter Mensch? Jedenfalls ist kein einziger dabei, der an irgendeinem der für die F-Skala relevanten Punkte über die Stränge schlägt. Nicht ein einziger wirklich autoritärer Charakter, nicht ein einziger offen böser Mensch.
Ich kenne viele solcher wunderbaren Menschen, und wer will, kann sie (wenn schon nicht am Arbeitsplatz oder in 'linken Zusammenhängen') im Internet studieren, ganz besonders in politischen Foren oder in Sozialen Netzwerken. Wenn ich lese, was dort manche Leute schreiben, und wenn ich sehe, was ihnen "gefällt", wird mir regelmäßig übel. Sehr verbreitet nämlich ist ihr Hang, kommentarlos auch die allerdümmsten Sprüche oder in kindlicher Begeisterung Fotos und Videos zu verbreiten, die Hunderttausende von Menschen zeigen, solidarisch demonstrierend, ob gegen einen Diktator oder gegen ACTA. Wer jemals auf einer solchen Demo war, der kennt das ozeanische Gefühl, das solche Demos auslösen. Man wird zu einem Teil der Masse und scheint sich in ihr aufzulösen. Man ist nichts, das Volk ist alles. Und das Volk ist gut, na klar. Das Volk wird siegen, ganz gewiß.

Ich habe diesen Optimismus noch nie teilen können; denn anders als so viele Volksanbeter pflege ich mir die Menschen um mich herum sehr genau anzusehen. Daß einer die 'richtigen' Meinungen hat oder die 'richtigen' Zeitungen liest oder die 'richtigen' Fahnen schwenkt, kann mich nicht beeindrucken. Mich interessieren die Motive. Und das sind nicht allemal die ehrenhaftesten. Dies läßt sich sehr gut an einem Beispiel zeigen.

Ein Mann - ich nenn ihn mal Klaus F. - engagiert sich vorbildlich in einer demokratischen Partei. Er wird in diverse Ämter gewählt, ruht sich jedoch nicht darauf aus, sondern sucht immer wieder den Kontakt zu seinen potentiellen Wählern, ganz besonders zu den jungen, um sie für das Gute zu gewinnen. Wo gegen Überwachung demonstriert wird, da ist er zu finden; und selbstverständlich auch überall dort, wo junge Leute ihre Freizeit verbringen. Er hört mit ihnen Rap und Techno und organisiert sogar Events, auf denen sie einander kennenlernen können. Selbstverständlich ist er auch aktiv in Sozialen Netzwerken, wo er sie immer wieder vor den Umtrieben der Nazis warnt. Die nämlich sind inzwischen schlau geworden und werben oft nur noch versteckt für ihre Ziele, auf Seiten gegen den Islamismus oder "gegen Kinderschänder". Vor allem solche Seiten sind eine gefährliche Einstiegsdroge; denn wer wäre nicht zwar für Pornos und Ballerspiele, aber "gegen Kinderschänder"?

Klaus F. kennt die Gefahr sehr gut und fordert deshalb die Löschung aller Naziseiten. Auch sprachlich ist er sehr sensibel. Schon ein Wort wie Kinderschänder muß geächtet werden, bahnen solche Wörter doch den Weg hinein in den braunen Sumpf. Das finden seine Freunde auch. Einer von ihnen ist ein Jurist, der sich immer wieder couragiert gegen Nazis wendet; ganz besonders laut zu jener Zeit, da Klaus F. mit einer Gruppe junger Leute im Bundestag zu Gast ist und via Handy ein Foto postet, das ihn auf der Empore im Sitzungssaal posierend zeigt. Das "gefällt" seinen Freunden. Wie aber würden sie reagieren, müßten sie ein paar Tage später lesen, daß Klaus F. wenige Tage zuvor einen jungen Mann zu sich nach Hause gelockt, mittels einer chemischen Substanz betäubt und sexuell mißhandelt hat? Sie würden es nicht glauben. Und sie würden erst recht nicht glauben, daß sie hätten wissen können, was Klaus F. für einer ist, wenn man ihnen sagte, er habe schon lange vor seiner Tat öffentlich verkündet, ihm gefalle eine Internetseite mit Fotos junger Männer und minderjähriger Jungs, denen auf den ersten Blick anzusehen ist, daß es sich um Opfer sog. Kinderschänder handelt. Was wäre, käme gar heraus, daß seine Tat kein Einzelfall und er kein Einzeltäter war? Und was schließlich wäre, fände einer der Jungs den Mut, sich vor laufender Kamera zu outen? Es käme zu einem Skandal, ähnlich dem um Jimmy Savile; und solch ein Skandal müßte aus vielerlei Gründen ganz unbedingt vermieden werden.

Ach! zum Glück sind wir in Deutschland, und zum Glück ist meine Geschichte nur eine ausgedachte. Zwar gibt es in Bremen einen Fall, der meine Phantasie beflügelt hat; doch der ist ein Einzelfall, und selbst die Springerpresse hat sich bisher zurückgehalten, ganz so wie noch bis vor kurzem die Boulevardpresse in Großbritannien, trotz der jahrelangen Gerüchte um den Kinderfreund mit der Zigarre. Es herrscht also Ruhe im Lande Bremen, trotz eines taz-Lesers, der in seinem Kommentar behauptet, der mutmaßliche Täter sei schon früher straffällig und sogar mehrmals angezeigt, jedoch nie belangt worden. Üble Nachrede, weiter nichts? Man kennt sie ja, all die Stammtischbrüder, die sich über die Unmoral der Sozis und der Grünen ereifern. Wer nicht in den Verdacht geraten will, mit Rechts zu sympathisieren, der hält besser seinen Mund und wartet ab, was die Ermittlungen der Polizei ergeben. Wichtiger als all der Schmuddelkram aus der Provinz ist ohnehin die Aufklärung der angeblichen Fahndungspannen rund um die Zwickauer Zelle, ganz zu schweigen von den Nachrichten aus Europa und der großen weiten Welt. Wehe dem, der Jill Kelley E-Mails schreibt!

Doch ich bin vom Thema abgekommen. Das war ja die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, der wir zu verdanken haben, daß wir nicht vergessen, wo das ganz besonders Böse lauert: nämlich - so suggerieren uns die Medien - ganz besonders in den deutschen Ostgebieten. Dort sehnt man sich immer stärker nach einem neuen Führer, der unser ganzes Land mit starker Hand regiert. Auch deshalb mahnen die Verfasser der Studie auf S. 120:
Nicht nur müssen wir mehr Demokratie wagen, wie Willy Brandt schon vor 40 Jahren forderte. Wir müssen auch mehr Politik wagen. Das bedeutet, gerade in wirtschaftlich turbulenten Zeiten das Heft in der Hand zu behalten.
Wir brauchen also - nein, keinen neuen Führer, sondern nur eine neue Führung, die das Heft in der Hand behält. Mit diesem Heft ist selbstverständlich kein Parteiprogramm und auch kein Pornoheft gemeint. Im Wiktionary lesen wir:
Bedeutungen:

[1] die Kontrolle haben, das Sagen haben

Herkunft:

Das "Heft" bezieht sich auf den Griff eines Schwertes oder Degens.

Synonyme:

alle Fäden in der Hand haben; alles fest im Griff haben; alles im Griff haben; das Heft fest in der Hand haben; das Heft in der Hand haben; die Fäden in der Hand haben; die Fäden in der Hand halten; die Kontrolle ausüben / haben

Gegenwörter:

etwas läuft aus dem Ruder

Oberbegriffe:

Kontrolle; Herrschaft
Ja, darum geht es. Etwas läuft aus dem Ruder. Und wer deshalb in einem Lande wie unserem noch mehr Kontrolle und Herrschaft ausüben will, der läßt Studien erstellen und verbreiten: im Vertrauen darauf, daß das Volk zu ungebildet ist, um sich nicht davon einschüchtern zu lassen, was ihm als Wissenschaft verkauft wird, aber nichts als Propaganda ist. Damit soll nicht gesagt sein, daß alles falsch ist, was in der Studie steht. Doch mit Sicherheit ist es fatal, Menschen danach zu be- und zu verurteilen, was ihnen in den Mund gelegt wurde und was sie, ohne es differenzieren zu können, angekreuzt haben - um dann aus den Daten herauszuinterpretieren, diese Menschen dächten stereotyp und seien eine Gefahr für unser Land. Symptomatisch für die offenbar sehr unbewußte ressentimentgeladene Arroganz und Verachtung der Sozialforscher ihren (ich wähle dieses Wort bewußt:) Objekten gegenüber ist diese Aussage (S. 31):
Einen Führer wünscht sich immerhin noch mehr als jeder Zehnte Deutsche. In Anlehnung an die Sinusstudie von 1981 ließe sich heute formulieren: "8 Millionen Deutsche: 'Wir sollten wieder einen Führer haben ...'" [...].
Ach! ich könnte wetten, daß auch die Verfasser dieser Studie und all die Nachbeter in den Medien nichts dagegen hätten, gäbe es in Deutschland einen Mann wie Barack Obama. Ist uns dieser Mann nicht vor vier Jahren als Messias präsentiert worden? Und hat man uns nicht vor einer Woche rund um die Uhr für seine Wiederwahl fiebern lassen? Ei freilich: Obama ist kein Führer. Er ist nur ein leader, über den in der SZ zu lesen war:
"Wir sind eine amerikanische Familie, und wir werden als Nation und Volk gemeinsam aufsteigen oder fallen", sagte Obama nach seiner Wiederwahl.
Dieser Satz, mit Ausnahme des Adjektivs, könnte auch auf dem Fragebogen der Friedrich-Ebert-Stiftung stehen. Doch welcher Deutsche könnte ihm "voll und ganz" zustimmen? Keiner, der befürchten müßte, als faschistisch kontaminiert betrachtet zu werden, weil er an alten Werten festhält, aber keinen Migrationshintergrund vorweisen kann. Vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, weshalb Barack Obama gerade unter diesen Deutschen so beliebt ist. Dieser leader sagt in seiner Sprache, was sie in ihrer so gern hören würden. Diesem leader dürfen sie zu Füßen liegen, ohne sich dafür schämen zu müssen. Vielleicht glauben die Verfasser der Rechtsextremismus-Studie, Führer wie Obama könnten niemals zum Verführer werden. Ich wäre mir da nicht so sicher. Life is stranger than science fiction. The best is yet to come.


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