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Wer will bis wann was schaffen? Darüber belehrt und eine Pressemeldung, die allerdings nur liest, wer nach solchen Pressemeldungen sucht oder sie zufällig entdeckt. Denn unsere Qualitätsmedien geben gar nicht oder nur beiläufig weiter, was uns alle betrifft. Zwar hat sich inzwischen herumgesprochen, daß die Mitgliedstaaten der EU auf ihre Finanzhoheit verzichten sollen. Doch wie viele EU-Bürger wissen, was das bedeutet? Die allermeisten Menschen interessieren sich nicht für derlei Dinge, und das ist ihnen nicht zu verdenken. Schon das alltägliche Leben überfordert die meisten von uns. Doch wir haben ja unsere Eliten, und die haben gerade einmal wieder über Europa nach der Krise gesprochen, auf der Townhall-Konferenz des Nicolas Berggruen Institute on Governance in Berlin. Dort ging es nicht nur um Finanzen, sondern auch um die Direktwahl des EU-Ratspräsidenten. Helmut Schmidt, Schirmherr der Konferenz, sprach sich dagegen aus: "Wie sollte das gehen? Er müsste in 27 Ländern in 35 Sprachen für sich werben, das geht nicht."

Das ist richtig. Doch anstatt daraus zu schließen, daß das Projekt der Vereinigten Staaten von Europa schon aus diesem Grunde zum Scheitern verurteilt ist, schlägt der als Pragmatiker bekannte Altkanzler diese Lösung vor:
Auf dem Weg zur Integration Europas sei es wichtiger, dass alle Einwohner des Kontinents Englisch lernten. "Das muss im Kindergarten beginnen, in den Grundschulen. Dann haben wir es in 20 Jahren geschafft, dass alle Europäer die gleiche Sprache sprechen - ein Vorteil, den uns gegenüber die USA und China haben."
Was bedeutet das in der Praxis? Kinder aus größtenteils zerstörten Elternhäusern, von der Wiege an darauf konditioniert, Monitore anzustarren, aber ohne Muttersprache aufgewachsen, weil sie keine Mutter haben, die mehr als das Nötigste mit ihnen spricht; Kinder, die schon heute in einer babylonisch sprachverwirrten Welt aufwachsen und nur noch ein paar Wörter stammeln können, - all diese abgestumpften Hominiden sollen nun ein Englisch lernen, das sie allesamt befähigt, an komplexen politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen?

Wie gut aber muß man Englisch sprechen können, um politische Texte verstehen zu können? Und wie viele Menschen sind auch nur in der Lage, die einfachsten Texte in ihrer Muttersprache angemessen zu rezipieren? Wie nicht nur die PISA-Studien zeigen, sind es immer weniger. Auch in den gelobten USA steigt die Zahl der Analphabeten sprunghaft an; und die Schreib- und Leseschwäche mit all ihren Folgen betrifft - wie das Beispiel Deutschland zeigt - nicht etwa nur Menschen aus sog. bildungsfernen Familien und ohne höheren Schulabschluß, sondern längst auch Abiturienten und Studierende Studenten. Ich verzichte auf Belege; sie finden sich zuhauf im Internet. Und ich verzichte auch darauf, an dieser Stelle nachzuweisen, daß und weshalb mit der Sprachkompetenz auch die Fähigkeit zu denken schwindet.

Helmut Schmidt ist, wie man weiß, sprachlich äußerst kompetent. Doch an Empathie scheint es ihm erheblich zu mangeln; und sein Realitätssinn scheint inzwischen sehr getrübt zu sein. Kinder nämlich sind keine Computer, die sich nach Belieben programmieren ließen. Kinder brauchen Geborgenheit, um überhaupt lernen zu können, was sie lernen müssen, um das zu werden, was sie größtenteils noch von Natur aus sind: sozial begabte Wesen. Sie brauchen feste Bezugspersonen, die ihnen Identität vermitteln; und ein wesentlicher Teil dieser Identität ist eine Sprache, die man nicht umsonst jahrhundertelang Muttersprache nannte. Schon heute mangelt es den meisten Kindern an einer solchen Sprache, da sie ihre Mutter - sofern sie eine haben - kaum noch sehen oder aber kaum noch als Mutter wahrnehmen können. Sie schnappen hier und da etwas auf und sind gezwungen, sich daraus eine Welt zusammenzubasteln, in der sie irgendwie überleben können. Die aber ist im wesentlichen eine medial geprägte, dementsprechend chaotische und notgedrungen autistische. Selbst wenn es gelänge, all diesen Kindern Englisch beizubringen, wäre dieses Englisch (das nichts weiter als ein widerwärtiges Newspeak wäre) niemals ihre Muttersprache, sondern etwas Fremdes, das sie von ihren Eltern und den allermeisten Bezugspersonen trennt: ein totalitäres Umerziehungsprogramm, auf das vor allem (aber nicht nur) Migranten aus Osteuropa und den muslimischen Ländern besonders aggressiv reagieren werden. Denn keine natürliche Sprache dieser Welt ist ein beliebig austauschbares Kommunikationsmittel. Jede historisch gewachsene Sprache ist der Ausdruck einer bestimmten Wahrnehmung und Interpretation dessen, was die Sprecher als ihre Welt empfinden. Zwingt man ihnen eine andere Sprache auf, so oktroyiert man ihnen eine bestimmte Weltsicht; in diesem Fall: daß wir alle Europäer seien. Die Angehörigen unserer Eliten sowie die Globalisierer jeglicher Couleur mögen sich so fühlen. Doch wer sich seine Gefühle und seinen Verstand bewahrt hat, sieht die Dinge klarer. Wären wir nämlich von Natur aus wirklich alle Europäer, dann sprächen wir schon längst allesamt Europäisch. Diese Sprache aber gibt es nicht, genausowenig wie die afrikanische oder die asiatische: ein simples und untrügliches Indiz dafür, daß die Völker der Kontinente nie den Drang hatten, zu jeweils einem zu verschmelzen und sich von wem auch immer zentral regieren zu lassen.

Die Vereinigten Staaten von Europa, worin alle Bürger eine gemeinsame Sprache sprechen, sind also nur der Traum einer kleinen und im wahrsten Sinne des Wortes abgehobenen Jetset-Elite, und zwar der letzte große Traum, dem mit Sicherheit eines folgen wird: die totale Verwüstung dessen, was wir heute noch Europa nennen. Wenn wir so weitermachen wie bisher, ob öko oder nicht, dann haben wir es bald geschafft.

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