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Iran ist kein mittelalterliches, sondern ein hochmodernes Land. Die Wirtschaft boomt! Trotz Sanktionen! Teheran ist moderner als Berlin, es gibt 20spurige Stadtautobahnen, die auch nachts um 12 Uhr noch verstopft sind, und einen 2007 erbauten Fernsehturm, der höher als der auf dem Alexanderlatz ist. Die Bautätigkeit ist atemberaubend: Auf Schritt und Tritt werden neue Hochhäuser hochgezogen, so etwas habe ich nicht einmal in Berlin in den Jahren nach der Wiedervereinigung erlebt. Bettler, Prostituierte, Elend, Schmutz – all das sucht man vergeblich.

Und wer hat das geschrieben? Kein anderer als Jürgen Elsässer nach seiner Privataudienz beim iranischen Präsidenten.

Dazu fällt mir nur noch ein, was Freunde von mir berichteten, nachdem sie 1975 in Tirana gewesen waren. Dort sei es sehr sauber, und es gebe keine Kriminalität. Sogar R.s ganzer Stolz, ein vereiterter Fußnagel in einer Streichholzschachtel, die auf seinem Nachttisch lag, sei vom Zimmermädchen, das jeden Tag Staub gewischt habe, nicht achtlos weggeworfen worden.

wurde in den letzten Tagen viel geschrieben, anläßlich seines 70. Geburtstags. Ich zitiere nur, was Hans Jürgen Syberberg vor 30 Jahren über ihn geschrieben hat:
Gestern im Fernsehen Gerhard Polt. Einen Typ darstellend, wie er aus seinem teuren Geländewagen in schicker Lederfreizeitkleidung Abfall des Wohlstands- und Zivilisationsschlamms, also Sperrmüll, ausräumt und in den Teich wirft. Stühle aus Draht plus Plastik, Matratzen, Fernsehgeräte[,] und dabei redet über die guten alten Kulturen der Ägypter aus unseren Museen und Ausstellungen des Tutanchamun. Dieser Text als Monolog, die Kamera kombiniert mit dem Bild der Handlung aus dem Alltag. Diese Alltäglichkeit unserer täglichen Vergehen auf die Spitze getrieben, dieser Mord an Natur, Leben und Kultur, diese Banalität des Bösen im Alltag durch Selbstverständlichkeit ist das Kabinettstück jeder Shakespeare-Nachfolge unserer Zeit. Wenn unsere Filme, nach dieser sorgfältigen Ästhetik strukturiert, solcher Strukturen fähig wären, wären wir gut, besser als die anderen und wirklich auf der Höhe unserer Zeit.
So wie Jahre später jene Band, die alles auf die Spitze trieb und dafür in Deutschland so gehaßt wurde wie Syberberg für seinen Hitlerfilm, der von Susan Sontag gepriesen, von der deutschen Ignoranz jedoch verteufelt und damit, wie so vieles, jenen überlassen wurde, die nun leider dafür sorgen, daß er nicht völlig in Vergessenheit gerät. Dieses Schicksal blieb Gerhard Polt erspart, weil er (mit Maßen) massenkompatibel war und ist, so wie seine musikalischen Verwandten, vor denen sich nur fürchten muß, wer vor sich selbst verbirgt, was sie auf die Bühne bringen. Auch ihrer Kunst könnte gelten, was Hans Jürgen Syberberg zum Schluß seiner Notiz über Gerhard Polt geschrieben hat:
Die Komik der Situation macht selbst den Frevler und unsympathischen Verbrecher des Alltags zum Menschen und Spiegelmuster unserer eigenen Sünden.
Die gemeinhin am größten sind, wo sich der mediale Stinkefinger am allerhöchsten reckt, wie gegen die Piraten. Aber das ist eine andere Geschichte, die jedoch nicht anders enden wird als alle anderen Geschichten aus der Welt der Politik. Freiheit gibt es nur im Reich der Kunst. Doch wie lange noch?

war eine der beliebtesten Metaphern der 70er Jahre. Wer sich gesellschaftskritisch oder gar marxistisch-leninistisch dünkte, benutzte sie inflationär. Wo etwas verschleiert war, lauerte das Böse, und das Böse waren die bestehenden Verhältnisse. Also mußten sie entlarvt werden: in Diskussionen, auf Flugblättern und in Dissertationen. Was am Ende zum Vorschein kam, war stets eine gräßliche Fratze: die des Kapitalismus. Für dessen Ausbreitung stand auch der Schah von Persien, gegen dessen Herrschaft sich das Volk erhob, darunter Tausende von Frauen, die stolz ihren Schleier zur Schau trugen, unter dem Jubel der westlichen Demokraten bis hin zur äußersten Linken. So wurde der Schleier zum Revolutionssymbol, und die Metapher kam allmählich aus der Mode. Wer heute gegen Verschleierung ist, der gilt den Entlarvern von einst als Islamhasser und verschleierter Rassist. Wer sie hingegen befürwortet, darf sich besonders weltoffen und menschenfreundlich wähnen. So ändern sich die Zeiten.

Zwei schöne Beispiele für diese Menschenfreundlichkeit begegneten mir jüngst in meinem multikulturellen Viertel. In der Sparkasse sah ich am Dienstag eine neue Angestellte, die ein Kopftuch trug, und im neu eröffneten Supermarkt sah ich am Donnerstag die erste Kopftuchträgerin an der Kasse sitzen.

Diese Schleier, so könnte man glauben, seien ein gutes Zeichen. Tatsächlich aber zeigen sie nur, was ich in Gesprächen über die politische Entwicklung Europas schon vor langer Zeit behauptet habe: daß die Interessen der westlichen Neofeudalisten und der religiösen Eiferer aus den muslimischen Ländern sich eines Tages wunderbar auf einen Nenner bringen lassen würden. Besonders symptomatisch dafür ist, was die TAZ berichtet:
Studierende erfrischen sich gern mit einem Bierchen auf dem Campus – auch an der London Metropolitan University, der größten Hochschule der britischen Hauptstadt. Da zwanzig Prozent der Studierenden Muslime seien und Alkoholkonsum ablehnten, will die Universitätsleitung nun alkoholfreie Zonen einrichten und die Bar der Universität schließen.

Doch muslimische Studierende laufen gegen das Alkoholverbot Sturm. Der Vorstoß stelle Muslime als intolerant dar und sei ein Vorwand, um Kürzungen zu rechtfertigen. Sie hätten nie gefordert, Alkohol auf dem Campus zu verbieten.
So wie aufgeklärte Muslime auch vieles andere, was im Namen der politischen Korrektheit über uns gekommen ist oder noch zu kommen droht, nie gefordert haben. Doch das schert die Betriebswirte nicht. Sie schielen - so wie eh und je - auf die tumben Massen:
"Wir haben eine jüngere Generation, die oft äußerst konservativ ist", so Gillies. ["]Deshalb müssen wir überlegen, wie wir den Herausforderungen des 21sten Jahrhunderts gerecht werden." Auch müssten Universitäten in Bezug auf die Darstellung von Sex vorsichtiger sein als in der Vergangenheit.
Man braucht keine überragende Phantasie, um sich vorzustellen, wie es weitergehen wird: etwa dergestalt, daß in nicht allzu ferner Zukunft, wenn die Mehrheit der Studierenden und des übrigen Volkes und der übrigen Bevölkerung der europäischen Einwanderungsländer aus Muslimen bestehen wird, das gesamte öffentliche Leben nicht mehr halb so bunt sein wird, wie die Multikulti-SchwärmerInnen es uns einst versprochen haben. Denn gar viele der selbsternannten Vertreter aller Muslime sind nicht halb so aufgeklärt, wie sie sich gern geben. So ward im Februar berichtet:
In Hagen-Haspe geht's mal wieder um die Wurst – genauer gesagt um die Bratwurst. Der Hasper Moschee-Verein will bei der Organisation des interkulturellen Familienfestes 2012 nicht mehr mitmachen, weil am 30. Juni im Ennepepark auch Schweinefleisch vom Grill serviert werden soll.
Und wie haben unsere Offiziellen reagiert?
Roland Kunigk will jedoch nichts unversucht lassen, die Wogen noch zu glätten und die muslimischen Bürger zurück ins Organisatorenboot zu holen. Im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung des "AK 90 Haspe" soll in der ersten März-Woche versucht werden, neue Brücken zu bauen: "Nach meiner persönlichen Einschätzung könnten wir auch auf Schweine-Bratwürste verzichten."
Dies jedoch ist ein
Kompromissvorschlag, auf den der Moschee-Verein kaum eingehen kann: "Sonst entsteht der Eindruck, wir hätten die anderen unter Druck gesetzt", möchte Akbaba nicht die Rolle des Sündenbocks einnehmen. "Natürlich können wir nicht der Mehrheit der Gesellschaft etwas aufdrängen."
Was auch völlig unnötig wäre. Denn unsere Vertreter*innen sind ja gar zu gern bereit, uns auf alles zu verzichten zu lassen, was ihnen überflüssig erscheint. Heute sind es Bratwürste aus Schweinefleisch und alkoholische Getränke, kurz: ungesunde leibliche Genüsse sowie ein korrektes Deutsch; morgen ist es die den allermeisten Politikern seit jeher fremde Hochkultur. So werden wir wohl auf den größten Teil unserer Freiheiten verzichten müssen, zugunsten der christlichen Freiheit zur Selbstbeschränkung bis hin zur Selbstaufgabe. Wo und wie auch immer die gottlosen Pfaffen unserer Zeit uns reglementieren werden: immer öfter wird es im Hinblick auf die religiöse Vielfalt geschehen, von der nichts übrigbleiben wird als edle Einfalt und technische Größe.

Dies und vieles mehr ging mir durch den Kopf, als ich am Dienstag in der Sparkasse und am Donnerstag an der Supermarktkasse stand und die verschleierten Frauen sah. Sie wirkten alles andere als selbstbewußt. Sie wirkten so, wie jeder ganz gewöhnliche Chef sich seine weiblichen Angestellten wünscht: subaltern und bienenfleißig und beinahe unsichtbar; wie gute Geister eben, die ohne jemals zu klagen für wenig Geld ihre Arbeit verrichten. Wäre ich ein Chef, dann würde ich solche muslimischen Frauen stets anderen bevorzugen; oder aber nichtmuslimische Frauen, die von ihren Schwestern gelernt haben, sich in allertiefster Bescheidenheit zu üben und dennoch glücklich zu sein.

Wäre ich ein Politiker, dann würde ich um des sozialen Friedens und der Sparsamkeit willen diese Verhältnisse fördern: denn mit dem Glück der Frauen wird die Zahl der Kinder und der Rentenbeitragszahler und vor allem das Glück der Männer zunehmen. Die multikulturelle Gesellschaft, so würde ich hinter verschlossenen Türen sagen, sei in Wahrheit nur eine Übergangsgesellschaft bis hin zur zunächst europa- und dann weltweit monokulturellen, worin endlich wieder alles seine Ordnung haben werde und streng gegliedert sei, ganz so wie einst im Feudalismus. Die Massen wären ruhiggestellt, zur Not auch mittels Psychopharmaka, die ja schon jetzt von einigen jungen Politikern als Segen betrachtet würden; wir hingegen, die Elite, könnten leben wie einst Gott in Frankreich, gemeinsam mit unseren Brüdern aus den islamischen Ländern. Nur müßten wir mit allen Mitteln eine neue Aufklärung verhindern. Doch dank der technischen Überwachungsmöglichkeiten sei uns diese Möglichkeit ja längst gegeben, vor allem aber durch den perfekten Mechanismus der medialen Verschleierung. Ein auf diese Weise geeintes und mit den USA verbündetes Europa werde optimistisch in die Zukunft blicken können.

Wenn aber die Chinesen ...?

So weit will ich nicht denken. Vielleicht haben wir ja Glück, und die gesamte Welt wird untergehen, bevor das neue Mittelalter über uns hereinbricht.

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